Moonspell - Extinct

Moonspell- Extinct

Napalm / Universal
VÖ: 06.03.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwarz gemalt

Einer Sache konnte man sich bei Moonspell in den 20 Jahren seit dem Debüt "Wolfheart" sicher sein: Dass man nie sicher sein konnte, wie ein neues Album denn wohl klingen möge. Das beinhaltet fehlgeschlagene Experimente wie "The butterfly effect", das in seiner radikalen Suche nach Veränderung fast das Ende bedeutet hätte, aber auch wütende Ausbrüche in die Black-Metal-Wurzeln wie 2006 mit "Memorial". Zumal über allem "Irreligous" thront, das Album, das 1996 den endgültigen Durchbruch bedeutete und dessen Qualität nie wieder wirklich erreicht werden sollte. Doch so zwiespältig eben "Memorial" seinerzeit gewesen sein mochte, bildete es doch den Beginn einer Reise, an deren Ende mit "Alpha noir" und vor allem der damaligen Beigabe "Omega white" ein Doppelalbum stand, das die stilistische Bandbreite der Portugiesen zwischen wüstem Black Metal und wohlig-finsterem Gothic Rock eindrucksvoll dokumentierte.

Insofern ist die Mischung aus Skepsis und freudiger Erwartung für "Extinct" durchaus berechtigt. Und der erste Höreindruck mag diese Haltung zunächst bestätigen: Statt der Devise "härter, schneller, radikaler" dominieren plötzlich Ohrenschmeichler und unverzerrte Goth-Gitarren. Moonspell also wieder weichgespült? Wieder auf der Suche nach der eigenen Identität? Also Durchlauf Nummer zwei. Und die Platte geht durch die Decke. Plötzlich fügen sich bei "Breathe (Until we are no more)" krachende Riffs und dramatisches Orchester zu einem großen Spannungsbogen zusammen, kulminierend in einem zornig herausgebellten Refrain, der förmlich zum Ausrasten einlädt. Dergestalt motiviert, lassen die Portugiesen einen Ohrwurm folgen, der sich gewaschen hat. Denn der Titeltrack frisst sich mit jedem Durchlauf mehr ins Hirn, kommt gewaltig, um für lange Zeit zu bleiben. Hier ist er also, der Song, der endlich das Zeug hat, das legendäre "Opium" von den einschlägigen Gothic-Tanzflächen zu vertreiben, mit einem Refrain, der bei aller Düsternis förmlich Freudentränen in die Augen treibt.

Nur unwesentlich weniger bärenstark ist das folgende "Medusalem" – zunächst an ruppigere The Sisters Of Mercy erinnernd, formt sich ein brillantes Stück Düster-Metal, das mit zahlreichen orientalischen Einflüssen problemlos auf einem Album von Orphaned Land, den eigentlichen Platzhirschen des Oriental Metal, Platz fände. Erst beim trotz des Titels fragilen "Domina" und dem geradezu unverschämt poppigen, mit mehr als nur dezenten Grüßen an Fields Of The Nephilim gespickten "The last of us" gehen Moonspell etwas vom Gas, ohne wesentlich an Niveau zu verlieren. Doch auch im hinteren Teil der Platte finden sich immer wieder versteckte Hits wie das großartige "Funeral bloom", die jedoch das Schicksal erleiden, vom eröffnenden Dreigestirn, diesen Gemälden von Songs, förmlich überstrahlt zu werden.

Spannenderweise ist es nicht zwingend die Dichte an potenziellen Hits, sofern man im Genre davon sprechen kann, die "Extinct" zu einem der stärksten Alben in der Diskographie von Moonspell machen. Viel mehr überrascht die Leichtigkeit, mit der Frontmann und Hauptsongschreiber Fernando Ribeiro nebst Kollegen gerade diejenigen Strömungen schlüssig zusammenfügen, die in der Vergangenheit des öfteren dafür gesorgt hatten, dass Alben der Portugiesen nicht immer ohne Zwiespalt aufgenommen wurden. Selten konnten Moonspell eine Platte präsentieren, die dermaßen aus einem Guss, dermaßen mitreißend ist; selten herrschte derart oft das Gefühl "Schau an, sie können's doch". Den Vergleich mit dem wohl auf alle Zeiten der Bandkarriere unerreichbar bleibenden "Irreligious" mag auch "Extinct" nicht gewinnen. Aber es ist nach 19 Jahren endlich dessen würdiger und hochverdienter Nachfolger.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Breathe (Until we are no more)
  • Extinct
  • Medusalem

Tracklist

  1. Breathe (Until we are no more)
  2. Extinct
  3. Medusalem
  4. Domina
  5. The last of us
  6. Malignia
  7. Funeral bloom
  8. A dying breed
  9. The future is dark
  10. La baphomette

Gesamtspielzeit: 45:34 min.

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