Van Morrison - Duets: Re-working the catalogue

Van Morrison- Duets: Re-working the catalogue

RCA / Sony
VÖ: 20.03.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwiespältiger Zwiegesang

Duette sind so eine Sache. Dass zwei Sänger wirklich zusammen passen und dann auch noch einen passenden Song finden, kommt leider nur sehr selten vor. Das zeigt auch ein Blick in die laut RTL-Chart-Show erfolgreichsten Pop-Duette aller Zeiten in Deutschland. Dort tummeln sich in den Top 10 so illustre Paarungen wie Adel Tawil & Cassandra Steen, Roy Black & Anita sowie Eros Ramazzotti & Anastacia. Kein guter Appetizer. Noch schlimmer sind ganze Duett-Alben, die vor allem bei wahlweise verstorbenen oder sich auf dem absteigenenden Ast befindlichen Altstars häufig vorkommen – siehe seinerzeit Ray Charles, B. B. King oder Tony Bennett. Meist handelt es sich dabei um verzweifelte Karriere-Wiederbelebungsversuche per Namedropping. Die glückliche Fügung einer künstlerisch-symbiotischen Zusammenkunft zweier Sänger lässt sich eben nicht konzeptionell erzwingen. Das gilt zum Glück nicht für "Duets: Re-working the catalogue", dem nunmehr 35. Album von Van Morrison.

Man muss es fast als Zeichen von Altersmilde werten, dass der für seine Übellaunigkeit und Divenhaftigkeit bekannte Nordire so viel Gesellschaft um sich schart. Die Liste der Gastsänger ist eindrucksvoll: Bobby Womack, Mark Knopfler, Mavis Staples, Michael Bublé, Natalie Cole, George Benson, Joss Stone, Georgie Fame, Mick Hucknall und ein paar andere geben sich die Ehre und nahmen im Laufe des letzten Jahres jeweils einen Song mit Morrison in Belfast oder London auf. Auffällig: Seine Duett-Partner haben sich überwiegend Songs aus dem Spätwerk des Meisters ausgesucht; die Nummer-Sicher-Hits haben sie dabei bewusst ausgespart. So verkommt dieses Album nicht zur befürchteten rührselig-kitschigen Werkschau. Mit das beste Stück dieser Platte steht dabei direkt am Anfang: "Some peace of mind" vom 1991er-Album "Hymns to the silence", bei dem sich Morrison das Mikro mit Bobby Womack teilt, wurde mit einer ordentlichen Portion Funk zu einer Tanz-Nummer aufgepimpt.

Ansonsten ist das Album eher mellow. "Duets: Re-working the catalogue" bietet Musik für Abende vor dem Kamin, fürs Abendessen, für lange Autofahrten bei Nacht. Natürlich ist es Morrison zu gönnen, dass ihm von möglichst vielen Seiten kräftig auf die Schulter geklopft wird. Und zum Glück sind die meisten Kollaborationen hier auch gelungen. Ausreißer nach oben sind "Whatever happened to P. J. Proby” mit, jawoll, P. J. Proby, und "Get on with the show” mit Langzeit-Kumpel Georgie Fame. Beide Stücke unterscheiden sich deutlich von der Vorlage und bestechen durch eine gewisse Coolnes. Die größte Überraschung ist das Duett mit Tochter Shana in "Rough god goes riding". Die emotionsgeleitete Sangeskunst ist offensichtlich vererbbar. Etwas schwächer sind hingegen "Wild honey" mit Joss Stone und "Real real gone” mit Michael Bublé, die dem Niveau der meisten anderen Stücke deshalb nicht Stand halten, weil die Gesangpartner wegen ihrer Ehrfurcht zur Over-Performance neigen. Doch das ist zum Glück die Asnahme. Ansonsten gilt: Daumen hoch und durchgewunken. Kann man durchaus so machen, Van!

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Some peace of mind (with Bobby Womack)
  • Whatever happened to P.J. Proby (with P.J. Proby)
  • Rough god goes riding (with Shana Morrison)

Tracklist

  1. Some peace of mind (with Bobby Womack)
  2. If I ever needed someone (with Mavis Staples)
  3. Higher than the world (with George Benson)
  4. Wild honey (with Joss Stone)
  5. Whatever happened to P.J. Proby (with P.J. Proby)
  6. Carrying a torch (with Clare Teal)
  7. The eternal Kansas City (with Gregory Porter)
  8. Streets of Arklow (with Mick Hucknall)
  9. These are the days (with Natalie Cole)
  10. Get on with the show (with Georgie Fame)
  11. Rough god goes riding (with Shana Morrison)
  12. Fire in the belly (with Steve Winwood)
  13. Born to sing
  14. Irish heartbeat (with Mark Knopfler)
  15. Real real gone (with Michael Bublé)
  16. How can a poor boy? (with Taj Mahal)

Gesamtspielzeit: 34:45 min.

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Armin

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2015-03-18 21:41:48 Uhr
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