Die Orsons - What's goes

Die Orsons- What's goes

Vertigo / Universal
VÖ: 20.03.2015

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Er hat

Sind Die Orsons witzig oder peinlich? Oder andersherum: Wie viel Ironie ist am Ende für eine HipHop-Platte erträglich? "In my homeland Baden-Württemberg, everybody dos as he pleases", gibt ein trotz Fremdsprachenverwendung breit schwäbelnder Sprecher auf "What's goes" eingangs zu verstehen. And even if you have something for that band over, dear reader, der Gag ist dermaßen ausgelutscht – my lovely Mr. Singingclub! Und auch wenn Kaas auf "What's goes" die ein oder andere markerschütternde Punchline kickt, Maeckes flowt wie ein junger Rapgott und auch Tua und Bartek ihren ordentlichen Teil beitragen, muss am Ende konstatiert werden, dass die vier in dieser Kombination schwer erträglich sind.

Auf "Das Chaos und die Ordnung" gelang der Truppe die ein oder andere Hipster-Hymne, und ein reales "Vodka Apfel Z" wäre sicherlich wesentlich hilfreicher als jedes Elektrolyt-Anrührgetränk. Letztlich aber bleibt von alledem wenig übrig. Grundsätzlich besäße der sogenannte Spaßrap durchaus Entspannungspotenzial, nicht aber in der Fasson von Die Orsons: Wie der Vorgänger ist "What's goes" wahnsinnig anstrengend zu hören, weil es eben selten wirklich witzig wird, sondern sich ein permanentes Geblödel breitmacht – sowohl in den Lyrics als auch in der Musik. Wenn beispielsweise "Papa Willi und der Zeitgeist" den besten Freund der Biene Maja sampelt, haben sich die vier Rapper die nervigste Stimme seit Insektengedenken ins Boot geholt. Trotz der infantilen Herangehensweise hat der Track ordentlich Zunder im Arsch, das muss ihm zugute gehalten werden. Allerdings verfliegt dieser, wenn eine genante Stimme plötzlich ein geflüstertes "Penis!" in die Stille wirft.

Genitalien sind manchmal nämlich so witzig wie ein Laib Brot. Zumindest auf diesem Album funktionieren sie jedenfalls nicht. Bei "Lass uns chillen" wird es ernster, zumindest vordergründig: Sänger Maxim übernimmt die Hook und der Beat klappert infernal-tragisch vor sich hin. Am Ende aber sind die Aussagen wenig ausgegoren: "Lass uns chillen / Das Gift ist geschluckt / Die Welt soll endlich untergehen", heißt es da, was ja durchaus nachdenklich machen könnte, wären die angeführten Gründe für den angestrebten Exitus nicht derart lau. In "Sunrise 555am" treiben Die Orsons ihre Art der Ironie schließlich auf die Spitze und holen aus für einen Boyband-Rap-Track ekelhaftester Machart.

"Schwung in die Kiste", die zweite Auskopplung des Albums, hat noch am ehesten Spaßpotenzial, zumal der Track wohl der einzige ordentlich tanzbare auf "What's goes" ist – dennoch wird ungefähr zur Hälfte wieder munter über Blähungen parliert und ein wenig feinsinniges, gekichertes "Glied" eingestreut. Der Sprung über die verschämt angegangene Gürtellinie will nicht gelingen, zumal musikalisch kaum ein wirklich durchgängiger Track auf "What's goes" stattfindet. Nun ja, Witzigkeit kennt eben doch Grenzen. Egal. Pimmel.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Schwung in die Kiste

Tracklist

  1. What's goes?
  2. Papa Willi und der Zeitgeist
  3. Lass uns chillen (feat. Maxim)
  4. Ventilator
  5. Sunrise 5:55am
  6. Schwung in die Kiste
  7. Grün
  8. Tornadowarnung
  9. Feuerrot
  10. Leicht
  11. Seitdem
  12. Das Klo
  13. Wasserburgen (feat. Mine)
  14. Oben vom Heu
  15. Abschiedsparty
  16. SalamiFunghiZwiebelPartypizza
  17. Das Öl

Gesamtspielzeit: 67:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Titus
2015-11-17 00:10:32 Uhr
Ich habe bislang nur einen Track von der Platte gehört, aber gerade der hat mich tief beeindruckt. Ich wundere mich darüber wie du "Wasserburgen" nicht erwähnen konntest. Die Hook verfolgt mich tagelang, und textlich hat mich das durchaus berührt.
Zeitgeist
2015-04-07 10:24:59 Uhr
Das Lustige an "Papa Willi..." ist nicht das Biene-Maja-Sample...das Album ist ne gute 7/10
hm
2015-03-24 18:35:36 Uhr
Das die Review ziemlicher Murks ist, erkennt man auch ohne sich das Album anzuhören.

Es wird auf 5 Tracks eingegangen, welche sich unter den ersten 6 Liedern befinden, danach folgen noch 11 Songs!

Und wenn man sich das Album dann mal anhört, fällt auf, dass sich grade zum Ende hin (Tracks 13-16) ziemlich gute ruhigere Tracks befinden, mit "Oben von Heu" sogar einer, bei dem Kaas Stimme nicht nervt.
"Tornadowarnung" geht wesentlich mehr ab als Schwung in die Kiste und für mich bisher das Highlight.

Und folgendes muss man mir noch erklären:
"...zumal musikalisch kaum ein wirklich durchgängiger Track auf "What's goes" stattfindet."
...ach ja, vielleicht doch noch mal die oben beschriebenen Tracks 13-16 anhören. Und "Das Öl" ist ja wohl auch durchgängig. :D
Das ist mir ...
2015-03-22 23:32:51 Uhr
... auch aufgefallen mit laut.de.

Da man nun gar nicht weiß, was man glauben soll, hilft wohl wirklich nur, dass man sich das selbst dann mal anhört, wenn man die Orsons bisher nicht so interessant fand ...

Affengitarre

Postings: 3338

Registriert seit 23.07.2014

2015-03-21 20:37:11 Uhr
Hat auf laut.de 5/5 bekommen, schon ein krasser Unterschied zur 4/10 hier.
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