Love A - Jagd und Hund

Love A- Jagd und Hund

Rookie / Cargo
VÖ: 27.03.2015

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bellen und beißen

"Alle schreien Nein! und sind vewirrt", heißt es in "Trümmer", einem schnittigen Vorboten zu "Jagd und Hund". Und tatsächlich! Sie heißt nicht "Wahrscheinlich" oder "Irgendwo", diese Platte Nummer drei nach dem keifenden "Eigentlich" und dem bellenden "Irgendwie" , sondern, ähm, "Jagd und Hund". Ein bisschen verwirrt scheint auch die Band. Sowieso hatten sich Love A das wohl etwas anders vorgestellt, damals, 2010 in Trier. Als sie sich nach etlichen lokalen Konzerten, ein paar Kurzen und dem (wie so oft) aller-, allerletzten Pils entschieden, dieses Ding mit der rumpeligen DIY-Punkband und dem ersten Album etwas ernsthafter anzugehen. Aus einer LP wurden schnell drei. Und 2015 ist man Dauergast in proppenvollen Clubs, Liebling von Intro & Co., und Visions präsentiert die anstehende Tour. Derart viel Zuspruch in kurzer Zeit, und das ohne die übliche Marketing-Maschinerie, das muss man erst mal verdauen.

Doch Love A sind nach wie vor für jeden Blödsinn zu haben, und ihre neue Platte vereint gleich zwölf äußerst hörenswerte Songs. Doch schimmert hier und da auch eine Entwicklung durch: Düsterer, melancholischer als früherer Stoff etwa ist das tolle "100.000 Stühle leer" geraten. Mit seinen kühlen Postpunk-Gitarren und dem im Hintergrund lauernden Bass ist das Stück beispielhaft für die etwas ernsteren Love A – für die Punk auch weiterhin mit sich Erheben und Handeln zu tun hat: "Nur wer mal aufgestanden ist / Der darf sich setzen / Darum bleiben hier so viele Stühle leer." In "Toter Winkel" verharrt man in einer vom System unbeleuchteten Nische, heftet sich an kaum noch hektische, dafür matt-schimmernde Wave-Gitarren und gönnt sich einen würdigen Refrain. Die deutlich professionellere und üppigere Produktion spielt dem Vierer bereits hier positiv in die Karten.

Inhaltlich jedoch dreht sich auf "Jagd und Hund" nicht alles um Distanz, um "die Anderen", auch eigene Unzulänglichkeiten werden zum Teil des Dilemmas: "Wir bleiben dumm und klein und sprachlos / (...) Krallen uns weiter fest am Tellerrand, schau'n denen dahinter weiter zu / Wir machen Schulden, sammeln Herzen / Unsere Selbstzweifel lassen das zu." Diese Zeilen stammen aus "Regen auf Rügen", das die Messlatte in Sachen Atmosphäre weit oben anlegt. Diejenigen, die zu alten Hits wie "Freibad" oder "Nachbarn" die Ellenbogen ausfahren oder den hibbeligen Vorgänger mögen, werden auch auf "Jagd und Hund" fündig. "Modem" ist eine realsatirische Abrechnung mit dem Internet, während "Augenringe" über ein Wiedersehen mit der Verflossenen und alten Bekannten keift, die vom Otto-Normal-Leben vereinnahmt wurden: "Steifer Nacken und Nadelstreifen / Lavendel-Seife statt Steine schmeißen / Wenn das euch reicht / Wenn das alles ist / Was hab ich dann überhaupt vermisst?!"

Ja, Love A teilen weiterhin aus – zum Glück! Wettern in "Der beste Club der Welt" gegen Dauermüll labernde Szene-Menschen, die den Weg aus dem Club ins nächste Hipster-Café nicht finden, türmen "Trümmer" gegen hirnbefreite Gimmicks des digitalen Lebens auf und prangern Stillstand und individuelle "Stagnation" an. Bei "Brennt alles nieder", der abschließenden Generalschelte am Großen und Ganzen, stimmt gleich ein ganzer Gymnasial-Chor in den Abgesang aufs System ein. Sänger Jörkk keift und bellt 2015 vielleicht mehr ganz so ungestüm, dafür aber mit Weitblick. Ein bisschen wie ein Aktivist, der genervt am Tellerrand dieser Republik ausharrt und die sich in Unmündigkeit und Angstprojektionen flüchtenden Mitbürger dazu bringen möchte, endlich den überfälligen Blick in den vorgehaltenen Spiegel zu wagen. Ein Hundeleben.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Toter Winkel
  • 100.000 Stühle leer
  • Augenringe
  • Regen auf Rügen
  • Brennt alles nieder

Tracklist

  1. Lose your illusion
  2. Trümmer
  3. Toter Winkel
  4. 100.000 Stühle leer
  5. Kein Stück
  6. Stagnation
  7. Der beste Club der Welt
  8. Augenringe
  9. Ein Gebet
  10. Regen auf Rügen
  11. Modem
  12. Brennt alles nieder

Gesamtspielzeit: 39:03 min.

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User Beitrag
Neues Album "Nichts ist neu"
2017-05-09 15:13:29 Uhr
Ab diesem Freitag, den 12.05.2017 erhältlich.
KeGo
2015-04-24 14:37:03 Uhr
Und der Refrain von "Modem" ist schon ziemlich kacke!
KeGo
2015-04-24 14:35:10 Uhr
Ähm....nein! 3/10 sind schon gerechtfertigt! Aber Geschmäcker sind ja verschieden....wo sind Übersongs wie "Säge", "Braindecoder" oder "Oder" (welch Wortspiel!)?
KeGo
2015-04-24 14:13:22 Uhr
Sorry, habe da natürlich nur gescherzt. Hier die richtige Wertung:

Eigentlich 6/10
Irgendwie 7/10
Jagd und Hund 9/10
weil....
2015-04-24 13:59:04 Uhr
Dennis da mit nem Typen schlafen will?
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