City Of Ships - Ultraluminal

City Of Ships- Ultraluminal

Golden Antenna / Broken Silence
VÖ: 06.03.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

(Un)lautere Einflussnahme

Um sich dem Album "Ultraluminal" des US-Trios City Of Ships anzunähern, bieten sich zahlreiche Vergleiche an, die die Eckpunkte ihres atmosphärischen Drittwerks abstecken: Torche zu verspielteren "Harmonicraft"-Zeiten blitzen auf, sobald "Private party" trotz aller Ruppigkeit in Strophe und Bridge einen waghalsigen Ohrwurm als Refrain bereithält. Sobald man dem Bass besondere Aufmerksamkeit zuwendet, erwacht Russian Circles' "Geneva" zum Leben. Andrew Jernigans Viersaiter klingt so beeindruckend tief und voluminös, als wäre er in einem überdimensionierten Metalltank eingespielt worden. "Preeminence" entfacht die gleiche Dringlichkeit, die Nothings "Guilty of everything" zum markantesten Debüt des Jahres 2014 werden ließ. Auch City Of Ships entwerfen schnörkellose, punktgenaue Melodien, die Umwege in Kauf nehmen, um konsequent jeglicher Hymnenhaftigkeit einen Riegel vorzuschieben.

Ein wichtiger Baustein, warum "Ultraluminal" derart wirkungsvoll gerät und eine souveräne Klasse ausstrahlt, liegt in der mit Ecken und Kanten ausgestatteten Produktion. Viele Bands haben sich ihrer Einzigkartigkeit beraubt, indem ihre mit Widerhaken versehene Rockmusik mutlos in einer blankpolierten Produktion versenkt wurde. Cave In zum Beispiel vollzogen mit ihrem 2003er Album "Antenna" eine heftige Bruchlandung. Das musikalisch stimmige, aber übel kaputtproduzierte Werk hat ihnen einen fiesen Krater in ihren gemeinsamen Lebenslauf gefressen, der erst durch das faszinierend rohe "Perfect pitch black" wieder zugeschüttet werden konnte. Produziert wurde dieser garstige Befreiungsschlag genau wie nun "Ultraluminal" von Andrew Schneider, der der Musik nicht durch eine Hochglanzpolitur den Druck aus dem Kessel nimmt.

Größtenteils verzichten City Of Ships auf effekthascherische Ausbrüche oder progressives Ausufern, sondern liefern einen kompakten, homogenen Brocken, der ihre Hardcore-Vergangenheit unterstreicht. Dabei lassen sie ihre Ursprünge mit anderen Genres ineinandergreifen. Einen leichten Einschlag in Richtung Postrock erhält etwa "Hardwired", dessen schneidende Tremolo-Gitarre dem Sound zu weiterer Spannkraft verhilft. In "The old man" formulieren sie ihre Idee von metal-infizierter Rockmusik aus, wohingegen "Metadata blues" eine Geradlinigkeit ausdrückt, die dem 90er-Alternative-Rock entliehen ist. Dieser überbordende Stilmix führt schließlich dazu, dass die subtile Eingängigkeit gleichzeitig ein Moment der Sperrigkeit beibehält.

Die anklagenden Zeilen "You can paraphrase every thought from antiquity / Like they're your own" im Opener "The light you stole" gelten bezogen auf die Band nicht als Vorwurf, auch wenn sogar der Bandname Walt Whitmans Lyrik entnommen ist. City Of Ships' Leihgeschäft mit zahlreichen Versatzstücken aus der modernen Musikhistorie mutet zu keiner Sekunde unentschlossen oder kalkuliert an, da "Ultraluminal" einem cleveren und leichtfüßigen Ausbalancieren verschiedener Einflüsse gleichkommt.

(Henrik Beeke)

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Highlights

  • The light you stole
  • Preeminence
  • Hardwired

Tracklist

  1. The light you stole
  2. Alarm
  3. Metadata blues
  4. Preeminence
  5. Private party
  6. Illawarra escarpment
  7. Lost it
  8. Hardwired
  9. The old man
  10. Mile high

Gesamtspielzeit: 37:06 min.

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Armin

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2015-03-18 21:40:43 Uhr
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