Ghostpoet - Shedding skin

Ghostpoet- Shedding skin

PIAS / Rough Trade
VÖ: 06.03.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Frisch geschält

Man stelle sich vor der Mensch könnte sich häuten. Wie eine Schlange. Die alte Hülle abstreifen und mit ihr jeden Kummer, jeden Frust. Mit neuer Fassade dann durch die Stadt wanken, nicht erkannt werden, da die alten Narben überwunden sind, kein Stigma, ein Neustart. Das Leben als steter Wandel. Diese schöne und sogleich gruselige Vorstellung ist der Ausgangspunkt des dritten Ghostpoet-Albums "Shedding skin". Ghostpoet selbst ist freilich auch ein Wandler, innerhalb eines einzigen Songs ändern sich seine Stimmungen, überlagern sich die Stile, ergeben sich neue Perspektiven. Schon alleine aus diesem Grund ist Obaro Ejimiwe, wie er im bürgerlichen Leben heißt, momentan einer der spannendsten Künstler im weitläufigen Terrain HipHop.

Mit seinem dritten Album schreitet Ghostpoet weiter auf dem herrlich verschlungenen Pfad, den er vor vier Jahren erstmals beging. Dabei passierte er nicht nur HipHop, sondern streifte auch noch an Electronica und Post-Dubstep, R 'n' B und Indie-Rock vorbei und vereinte diese differenten Genres auf unnachahmliche Weise. "Shedding skin" ist dabei ein ungleich dunkleres, schattigeres Update seines typischen Sounds; unter der Oberfläche kitzelt die Melancholie, mit der der Rapper seine schwungvollen Geschichten erzählt. "Off peak dreams" überzeugt bereits zu Beginn mit seiner jazzigen Staffierung, den lässigen Drums und den repetitiven Beats, die gegen Ende wunderbar aus dem Ruder laufen.

Anschließend folgt die lakonische Indie-Nummer "X marks the spot", für die der Londoner sich Unterstützung von Nadine Shah ins Boot holte. Sie ist nicht der einzige Gast auf "Shedding skin": Maximo Parks Obmann Paul Smith sah im Studio genauso vorbei wie Melanie de Biasio oder Lucy Rose. Sie alle brachten sich mit ein, liehen den vibrierenden, pulsierenden Stücken ihre Stimme und beeinflussten so auch deren Identitäten. Dass der rote Faden dennoch nie abreißt, liegt vor allem auch an der tiefen, markanten Stimme Ghostpoets, die alles zu erden vermag, was nicht von alleine auf dem Boden bleiben will.

In "Be right back, moving house" tupfen traurige Streicher goldene Klekse ins melancholische Rorschach-Stillleben. Letztlich entsteht ein schöner Song, der ohne viel Pathos weiß, wie man Melancholie buchstabiert. Der spannungsgeladene Titelsong agiert in einer Klangkulisse, die an die späten Death Cab For Cutie erinnert, was sich vielleicht seltsamer liest als es in Wirklichkeit ist: Der Bass drückt unheilvoll-lieblich, die Gitarren setzen feine, atmosphärische Akzente, auch hier taucht Ghostpoet seine Gedanken in zartes Moll und überzeugt damit auf ganzer Linie, selbst wenn er das Tempo in diesem Stück komplett drosselt. Er ist mittlerweile ein Meister im Beschleunigen und Ausbremsen, seine Songs sind das Gegenteil von blutleer: Sie leben, atmen, zirkulieren. Mit ihnen und durch sie vollzieht er seine künstlerische Häutung. Ein grundehrlicher und faszinierender Prozess, der hoffentlich noch weiter anhält.

(Kevin Holtmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Off peak dreams
  • X marks the spot
  • Shedding skin

Tracklist

  1. Off peak dreams
  2. X marks the spot
  3. Be right back, moving house
  4. Shedding skin
  5. Yes, I helped you pack
  6. That ring down the drain kind of feeling
  7. Sorry my love, it's you not me
  8. Better not butter
  9. The pleasure in pleather
  10. Nothing in the way

Gesamtspielzeit: 43:26 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Ilu

Postings: 151

Registriert seit 13.06.2013

2015-06-18 09:38:56 Uhr
Das neue Video zu "Sorry My Love, It's You Not Me" ist seit gestern draußen, wieder sehr schön geworden.

Das Album ist mit der Zeit noch etwas gewachsen, dürfte bis jetzt mein Album des Jahres sein. Auf jeden Fall sein bis jetzt homogenstes Werk, wobei das Debüt eben voller Hits war.

Mainstream

Postings: 1864

Registriert seit 26.07.2013

2015-05-01 19:01:04 Uhr
Mag isch.

Cosmig Egg

Postings: 766

Registriert seit 13.06.2013

2015-03-12 20:44:48 Uhr
Allein der Stimmfarbe wegen, erinnert das doch auch sehr an TVOTR. Fehlt imo in den Referenzen

Cosmig Egg

Postings: 766

Registriert seit 13.06.2013

2015-03-12 20:38:13 Uhr
Klingt ganz gut aufs erste Ohr. Sind auch auf dem Maifeld- Derby am Start weswegen sich der Kauf der Freitagskarte endgültig gelohnt hat.

Armin

Postings: 14471

Registriert seit 08.01.2012

2015-03-11 21:20:50 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify