Will Butler - Policy

Will Butler- Policy

Merge / Cargo
VÖ: 13.03.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Will auch mal!

Als kleiner Bruder hat man es nicht immer leicht. Fragt Ralf Schumacher. Oder Liam Gallagher. Oftmals stehen sie Zeit ihres Lebens in der zweiten Reihe, wollen aber doch eigentlich mehr. Will Butler hat prinzipiell kein Problem mit seinem großen Bruder Win. Im Gegenteil. Zusammen spielen die beiden in der aktuell wohl größten Indierock-Band der Welt: Arcade Fire. Nur dass dort, und da wären wir wieder bei der eingangs geschilderten Situation, vor allem Win Butler im Scheinwerferlicht steht. Aus dessen Schatten möchte Will nun mit seinem kurzen, aber facettenreichen Debüt heraustreten, das die Bandbreite seiner künstlerischen Möglichkeiten aufzeigen soll. Allerdings offenbart "Policy" auch gelegentlich die Grenzen.

Die erste Single "Anna" zum Beispiel ist eine eher medioker-schunkelnde Synthie-Nummer, die den Fähigkeiten des Kanadiers eigentlich gar nicht gerecht wird: Viel zu eindimensional schielt der Song Richtung Dancefloor, viel zu stumpf wirkt der stoische 80s-Beat. Neben dem eher blassen "Sing to me" bleibt "Anna" der schwächste Song auf einer ansonsten rundum gelungenen Platte, die mit viel Verve beginnt: "Take my side" groovt trocken, wirkt wie ein herrlich aus der Zeit gefallenes Artefakt und zeigt in seiner schönen Reduziertheit, dass es oftmals nicht viel braucht, um eine klasse Nummer auf den Weg zu bringen.

Doch Butler will sich keinesfalls auf rumpeligen Garagenrock reduzieren, sondern präsentiert auf diesem kurzweiligen Album einen überzeugenden Querschnitt seines Schaffens: "Finish what I started" ist eine rührende Piano-Miniatur, die er mit einer Träne im Knopfloch vorträgt, ohne jedoch zu pathetisch zu werden. Als Highlight sticht zweifelsfrei das beschwingte "Son of God" heraus, eine energiegeladene Akustiknummer, die auch seiner Hauptband gut zu Gesicht gestanden hätte. Hier beweist sich der 32-Jährige als wirklich talentierter und eigenständiger Songwriter, auch wenn er seine Verwandtschaft zu Will niemals leugnen würde. Und dies darüber hinaus auch gar nicht könnte: Dafür sind sich die Stimmfarben der Brüder schlechterdings viel zu ähnlich.

"Something's coming" erinnert in seiner flirrenden Nervosität an den soulgetränkten Indierock der Cold War Kids, Butler berichtet eindringlich von apokalyptischen Vorahnungen, das Piano klimpert ab Minute zwei unheilvoll, immer wieder wird die Titelzeile mantraartig wiederholt, dass es letztlich schon fast eine Freude ist und man sich dem Untergang entgegen sehnt. Mit "What I want" gelingt dem Kanadier noch ein triumphierender Uptempo-Rocker, der wieder ans Mutterschiff andockt, ohne jedoch wie ein Überbleibsel zu wirken. Dass ihm dies auf "Policy" so problemlos gelingt, ist schon ein wenig erstaunlich. Am Ende bleibt nur eine Frage offen: Wann zieht Win nach?

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Take my side
  • Son of God

Tracklist

  1. Take my side
  2. Anna
  3. Finish what I started
  4. Son of God
  5. Something's coming
  6. What I want
  7. Sing to me
  8. Witness

Gesamtspielzeit: 27:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
joo
2015-05-03 17:16:35 Uhr
so jetzt ist die euphorie auch rum. und ich finds immer noch um welten besser als reflector. das unterschaetzeste album der letzten jahre
ihr seid so doof
2015-03-19 12:29:59 Uhr
"anna" ist total schrecklich. wie er manche wörter betont. ganz grausam! der rest ist in ordnung.

BadaBing

Postings: 48

Registriert seit 27.06.2013

2015-03-19 11:39:07 Uhr
"Anna" und "What I want" --> Ganz stark!!

Gordon Fraser

Postings: 965

Registriert seit 14.06.2013

2015-03-13 19:00:21 Uhr
Starkes Album, dem man anhört dass der Musiker Spaß beim Aufnehmen hatte. Schöne Überraschung.

Cosmig Egg

Postings: 766

Registriert seit 13.06.2013

2015-03-05 20:38:34 Uhr
wirklich ein verdammt cooles Album !
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