Marmozets - The weird and wonderful Marmozets

Marmozets- The weird and wonderful Marmozets

Roadrunner / Warner
VÖ: 20.02.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bandsalat

Nach etlichen Jahren im Rockzirkus kann man sich als Musiker auch mal zufrieden den Bauch reiben, wenn man die britische Indierock-Szene samt Massen an zu Gitarrenrock steil gehenden Teenagern aufgemischt hat. Das können etwa The Subways oder auch Blood Red Shoes mit Fug und Recht von sich behaupten. Wenn man es dabei auch schafft, dass sich die Kids selber Instrumente schnappen und loslegen und somit noch schlummernde, zukünftige Talente weckt? Noch besser! Aber irgendwo ärgerlich wird es dann, wenn der eigene Output vor lauter Bauchreiben zu stagnieren droht und einem eine Teenie-Vorband wie diese Marmozets dann womöglich die Show stiehlt. Respekt vor dem Alter? Damit kommt man heute nicht mehr weit. Und dieser aus Geschwistern bestehende Fünfer (zweimal Bottomley, dreimal Macintyre), der ist im Schnitt gerade mal 18 Jahre alt, covert unverfroren Ihre Majestät und trat mit zwei bisher veröffentlichten EPs schon beim Glastonbury-Festival auf.

Die jungen Wilden aus dem britischen Provinznest Bingley um Front-Derwisch Becca Macintyre haben außer Energie, Melodie und Lautstärke eigentlich keinen besonders ausgeklügelten oder gar innovativen Ansatz. Für ihr quasi selbstbetiteltes Debüt, das um den subtil-schüchternen Zusatz "The weird and wonderful" nicht herumkommt, werfen Marmozets einfach ihre Lieblingsbands samt deren Equipment in die Mitte des Proberaums und verschwurbeln deren Sounds und ihre Unbekümmertheit zu einem spannungsgeladenen, schmackhaften Kabel- und Bandsalat. Schmackhaft warum? Weil Marmozets eben nicht simple Copy-&-Paste-Ritter sind, weil sie hör- und spürbar Bock haben – und dazu mit Hits nicht gerade geizen. Gäbe es Billy Talent nicht, vielleicht hätte ihnen ebenjener Platz zugestanden, denn "Why do you hate me?" erinnert an die einstige Vitalität der Kanadier, gekreuzt mit dem dreckigen Gitarren-Wumms des allerersten Arctic-Monkeys-Outputs. Die daher treffend betitelte Single "Born young and free" feiert derzeit zurecht ihren Siegeszug auf der Insel, schürt dabei Mitgröhlattacken und führt unmissverständlich zu ersten Blasen an den Füßen.

Neben rotzigem Rock 'n' Roll, der wie in "Is it horrible?" nach der wohl bestmöglichen Kreuzung aus The Hives, The Subways und Brody Dalle klingt, kann dieses Album aber auch böser, gibt Babyface MacIntryre gerne mal die Brüllprinzessin: Zu wildgewordenen, tiefen Gitarren und prügelnder Snare- und Bassdrum schreit sie sich die Seele aus dem Leib, was Song wie "Particle" oder "Vibetech" phasenweise in Richtung Hard- und Mathcore schubst. Singt das Küken, geht das erstaunlicherweise auch klar und lässt das atmosphärische "Captivate you" am Post-Hardcore schnuppern. Ja, diese Platte sprießt vor bekannten, rotzig-schniefenden Referenzen, und zwar aus allen Rillen. Und so mancher Song in der zweiten Hälfte wirkt aus der Hüfte geschossen, oder stellt, wie der Titelsong, Biffy Clyro allzu offensichtlich nach. Aber mal Hand aufs Herz: Kleine Jugendsünden, so völlig aus dem Bauch heraus, haben doch ihren besonderen Reiz.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Born young and free
  • Why do you hate me?
  • Particle

Tracklist

  1. Born young and free
  2. Why do you hate me?
  3. Captivate you
  4. Is it horrible?
  5. Cover up
  6. Particle
  7. Cry
  8. Weird and wonderful
  9. Vibetech
  10. Love you good
  11. Hit the wave
  12. Move, shake, hide
  13. Back to you

Gesamtspielzeit: 46:13 min.

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Magoose

Postings: 32

Registriert seit 15.06.2013

2015-03-03 21:39:42 Uhr
Wer 2015 noch nie Dagewesenes ohne Einflüsse erwartet ist hier falsch.

Für mich geht das bis hierher (Track 4) erstmal klar, teilweise ganz erfrischend. Und Born Young And Free ist ein echter Knaller.
Schule Schweiße
2015-02-28 01:46:56 Uhr
Gut zusammengeklaut heißt gar nichts. Dementsprechend...

Armin

Postings: 13407

Registriert seit 08.01.2012

2015-02-26 00:31:56 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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