Melanie de Biasio - No deal remixed

Melanie de Biasio- No deal remixed

PIAS / Rough Trade
VÖ: 20.02.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Strom, aufwärts

Sie kam, sie sang, sie nahm gefangen. Melanie de Biasios Debüt "No deal" war 2014 ein unzeitgemäßes Album zur rechten Zeit. In Jazzkreisen wurde es gefeiert, vom Rest der Welt größtenteils ignoriert – und das, obwohl de Biasios Jazz ziemlich anders war. Reduziert, minimalistisch, karg waren die Arrangements, unterkühlt die gesangliche Darbietung. Zum Tanzflächenfüller taugten die depressiven Kleinode auf "No deal" nicht, vielmehr luden sie zum Schwelgen und Sinnen ein. Ein Remixalbum mutet daher auf den ersten Blick ein wenig befremdlich an, ergibt bei genauerem Hinhören jedoch absolut Sinn: Zwar war "No deal" zurückhaltend bis spartanisch, nah am Rhythmus gebaut aber durchaus. Die meist nur um wenige Akkorde herumschleichenden Miniaturen der belgischen Chanteuse waren mitunter sogar eher Track als Song, was nun auf "No deal remixed" umso mehr ans Tageslicht tritt.

Zum Drehen der Knöpfchen hat sich reichlich Prominenz angemeldet. So veredelt niemand Geringeres als Eels-Frontmann Mark Oliver Everett das sonore "I feel you" mit allerhand himmlischem Geflöte. Im Zentrum des Remixalbums stehen jedoch natürlich die Beats, und glücklicherweise finden sich außer dem etwas lustlosen "No deal"-Remix von Seven Davis Junior keinerlei Vertreter der "Lass einfach mal 'nen Technobeat drunterlegen"-Kategorie. So lässt Hex "The flow" zunächst vor sich hinzüngeln, bevor er ein wahres Feuerwerk aus zirpenden Synthies, entfesselten Drums und sich überlagernden Echoschlieren zündet. Mit dem Einsetzen von de Biasios Flötensolo aus dem Original gibt es dann endgültig kein Halten mehr. Selten sind Remixes in der Lage einen Song derart zu transformieren. Näher am Ursprung, doch nicht minder elegant ist Jonwaynes Entkleidung des ohnehin schon eher dürftig bedeckten "With all my love". Mit viel Fingerspitzengefühl wird hier einem zerbrechlichen Stück Musik zusätzliche Zier verliehen.

Auch die Verschmelzung von "With love" und "Sweet darling pain" durch den Initiator des Remix-Projekts Gilles Peterson und den Londoner DJ Simbad hat es in sich. Irgendwo zwischen Dub-Gemütlichkeit und Drumcomputer-Epilepsie werden Spuren zerlegt und im Orbit einer forschen Basslinie wieder zusammengefügt. Völlig andere Wege geht Chassol bei der Reinterpretation von "Sweet darling pain": Ganz ohne Beats, dafür mit reichlich Delay auf der Klavierspur hievt der Franzose den Song direkt in die Afterhour. "I'm gonna leave you" ist ebenfalls gleich zwei Mal vertreten, wobei sowohl Clap! Clap! als auch das Cinematic Orchestra zum gleichen Schluss gelangen: Der unwiderstehliche Groove des Ausgangsmaterials muss um jeden Preis erhalten bleiben. Besonders die ausufernde Neuinterpretation des Cinematic Orchestra lässt dabei den Rubikon wie ein Rinnsal wirken. Die Unnahbarkeit und Dichte von "No deal" erreicht das Remixalbum freilich nicht, als Statement einer Künstlerin, die keine Scheu vor dem Blick über den Tellerrand hat, vermag es jedoch für sich zu stehen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • I feel you (Eels Remix)
  • The flow (Hex Remix)
  • With love/Sweet darling pain (Gilles Peterson & Simbad Remix)
  • I'm gonna leave you (The Cinematic Orchestra Remix)

Tracklist

  1. I feel you (Eels Remix)
  2. The flow (Hex Remix)
  3. No deal (Seven Davis Jr. Remix)
  4. With love/Sweet darling pain (Gilles Peterson & Simbad Remix)
  5. Sweet darling pain (Chassol Remix)
  6. I'm gonna leave you (Clap! Clap! Remix)
  7. With all my love (Jonwayne Remix)
  8. I'm gonna leave you (The Cinematic Orchestra Remix)

Gesamtspielzeit: 42:35 min.

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