Travis Bretzer - Waxing romantic

Travis Bretzer- Waxing romantic

Mexican Summer / Al!ve
VÖ: 20.02.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Über mich und dich und sie und ihn

Wenn man sich direkt beim Opener "Giving up" nicht sicher ist, ob hier nicht doch ein Album von Kurt Vile vorliegt, dann ist das gemeinhin ein eher gutes Zeichen. Schrullig geht die Zitatreise weiter, wenn der Debütant Travis Bretzer um seine Heroen mäandert, die alten – The Velvet Underground und Neil Young – wie die neueren – Ryan Adams The War und On Drugs. Auch mit von der Partie auf diesem Album: MGMTs James Richardson und als Produzent Jorge Elbrecht, der auch schon mit Ariel Pink zusammenarbeitete. Genug der Referenzen um "Waxing romantic" einzuschätzen?

Freilich liefert Bretzer keine reine Imitatio. Unaufgeregt beweist der junge Kanadier, wie intensiv er sich mit der Musik anderer auseinandergesetzt hat. Nach Lust und Laune wirft er mit wiedererkennbaren Mustern und Stilen um sich. Im Ansatz eines Mittzwanzigers, der erst alles anhäuft, was in die Ohren zu bekommen ist, um davon ausgehend etwas eigenes zu entwickeln. Gleich einer mit Fußzeilen und Quellenangaben versehenen Studienarbeit. "Don't forget" ist Retromania pur, erinnert an Tame Impala oder Temples. Ein langsamer Song, der mit aufjaulenden E-Gitarren und gedoppelten Vocals endet.

"Lady red" verkörpert Soft-Pop im Stile der Eagles, vermutlich wurde also auch noch die elterliche Plattensammlung angezapft. Der scharlachfarbenen Lady, Bretzers Freundin, ist letztlich das ganze Album gewidmet. Als Totem für das bisherige Beziehungsleben, hält ja schließlich auch länger als ein schnöder Blumenstrauß. Dass man dem jungen Burschen dennoch die Amour fou abnimmt, liegt an den relativ simplen Lyrics. Es geht dann um "mich" und "dich", um "ich" und "du", um "ihn" und "sie". Authentizität durch Unverblümtheit. Das alles fühlt sich nach Schlafzimmeraufnahmen an, wurde aber vielmehr alles so hinproduziert. Eine geschmeidige Schicht, die sich über die Lieder legt und selbst das Schlagzeug warm inszeniert. Auf "Story book" präsentiert Bretzer dann noch, wie klar und kantenfrei er mit hoher Kopfstimme singt. Hat etwas von James Mercer und beweist: EasyListening kann auch angenehm sein. Spacig angehaucht ist dann "Wishing away", Bretzer singt phlegmatisch, die Gitarrensoli sind Jingles nachempfunden. Diese zu komponieren war Bretzers bisheriger Beruf, was sich nun auch ändern könnte.

Wo heute alle Geschichten schon erzählt und gehört sind, alle Lieder gesungen, da überrascht uns dieser Kerl, der schier alles kennt und ein Händchen für eigenartige Ideen hat. Nach und nach öffnet sich dem Hörer diese interessante Welt. Erste Begeisterungsstürme kamen vom NME und dem BBC. Und wir sind auch schon ganz wuschig.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Giving up
  • Lonely heart
  • Wishing away

Tracklist

  1. Giving up
  2. Idle by
  3. Promises
  4. Lonely heart
  5. Story book
  6. The bread
  7. Don't forget
  8. Lady red
  9. Wishing away
  10. Good times

Gesamtspielzeit: 33:34 min.

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Armin

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2015-02-26 00:30:37 Uhr
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