Oliver Gottwald - Zurück als Tourist

Oliver Gottwald- Zurück als Tourist

Tapete / Indigo
VÖ: 27.02.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hallo, wer kennt hier eigentlich den?

Einst gab es sogar eine Dokumentation über die PopCity Augsburg mit der deutschlandweit größten Banddichte pro Einwohnerzahl. Letzterer Fakt geistert zwar noch an der ein oder anderen Stelle durchs Internet, allein überprüft wurde er sicherlich nie. Auch die Dokumentation, die mit ihren zwanzig Minuten deutlich als Kurzfilm durchgeht, spricht nicht unbedingt dafür. Zweifelsohne hat die bayerische Großstadt aber ein paar Gruppen hervorgebracht, die auch überregional zu Bekanntheit kamen. Neben Nova International, Die Herren Polaris und Roman Fischer waren vor allem Anajo Aushängeschild dieser Augsburger Szene, die nur einte, dass jeder sich kannte.

Nun ist Oliver Gottwald, ehemaliger Sänger und Gitarrist von Anajo der Erste, der musikalische getrennte Wege geht, nachdem die Band im letzten Jahr ihre Trennung zu Protokoll gab. Dem Dreiergespann wäre schon zu Zeiten von "Drei" die Luft ausgegangen, was man der bis dato letzten Anajo-Platte glücklicherweise nicht anhört. Und so muss sich Oliver Gottwald auf seinem Solodebüt "Zurück als Tourist" nun auch daran messen lassen.

Das ist zunächst kein schiefer Vergleich. Die charmant charakteristische Stimme Gottwalds, deren Lage wie in "Alter Ego" oder der Prokrastinations-Hymne "Perpetuum Immobile" noch immer gepresst nach oben zieht, als würde sie permanent das Ende eines Fragesatzes intonieren, könnte letztlich auch Anajo über dieser Platte stehen lassen. Auch die Texte selbst sind weiter markant nonchalant und unterhalten unverbraucht mit "Befreiungsschlägerei" und dem "ganzen halben Doppelleben." Das schnörkellos rumpelige "Hi-Fi, s'il vous plait" erinnert samt nostalgischem Sample zu Beginn sogar an die ersten Gehversuche der vormaligen Band um die Jahrtausendwende, und ein Stück von "Alles muss raus" beschäftigt sich sicherlich auch mit deren Auseinandergehen: "Vielleicht waren wir zu teuer / Vielleicht waren wir zu naiv / Vielleicht waren wir für die Gegend einfach zu exklusiv." Dass Gottwald die ironische Selbstauseinandersetzung beherrscht, hat er spätestens mit "Mädchenmusik" ja bereits bewiesen.

Die elf Stücke, die allesamt mit einer festen Bandbesetzung eingespielt wurden, pendeln zwischen melancholischen Balladen wie "Schade, dass es endlich vorbei ist" und groovend unbeschwerten Indie-Gitarrennummern wie "Doppeldeckerbus". Eines der gelungensten Lieder ist das Titelstück, in dem einem Klavier eine tragende Rolle eingeräumt wird und dem Song so einen gewissen Swing verleiht. Ansonsten unterscheidet sich der musikalische Ansatz ebenfalls kaum von früheren Veröffentlichungen – ein paar andere Gitarrensounds, aber allein dadurch nicht zwingend so verfeinert und differenziert wie beispielsweise "Drei".

Oliver Gottwald hat Augsburg, den Ort, der ihn nun schon seit mehr als 15 Jahren im musikalischen Werden begleitet, nie den Rücken gekehrt. So meint "Zurück als Tourist" auch nicht die Stadt, sondern viel mehr die Bühne an sich und liefert etliche Gründe, Gottwald wieder zum überregionalen Aushängeschild zu machen. Und wenn es einzig darum geschieht, Andreas Bourani als aktuell wohl erfolgreichsten Augsburger Musiker abzulösen.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • Alles muss raus
  • Doppeldeckerbus
  • Zurück als Tourist

Tracklist

  1. Alles muss raus
  2. Alter Ego
  3. Balance
  4. Doppeldeckerbus
  5. Freunde fürs Leben
  6. Draußen in der Peripherie
  7. Perpetuum Immobile
  8. Reiß Dich zusammen
  9. Zurück als Tourist
  10. Schade, dass es endlich vorbei ist
  11. Hi-Fi, s'il vous plait

Gesamtspielzeit: 34:54 min.

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AndreasM

Postings: 373

Registriert seit 15.05.2013

2017-11-30 18:50:39 Uhr
juhu, ich freu mich! :)

Armin

Postings: 12587

Registriert seit 08.01.2012

2017-11-29 17:49:59 Uhr - Newsbeitrag
04.12. - München, Milla
08.12. - Leipzig, Horns Erben
09.12. - Berlin, Auster Club
27.12. - Augsburg, Bungalow
Ola
2016-12-09 08:02:32 Uhr
Schöner Song, schönes Video

AndreasM

Postings: 373

Registriert seit 15.05.2013

2016-12-08 20:01:28 Uhr
Olá!
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AndreasM

Postings: 373

Registriert seit 15.05.2013

2015-04-14 12:02:58 Uhr
Hier ein gutes Interview:

http://www.kaput-mag.com/stories-de/oliver-gottwald/

darin auch:

Ich hatte bei Anajo das Gefühl, es geht alles so poppig, so leicht, so unwiderstehlich los – mit der EP und dem Debütalbum. Und dann wurde es irgendwie verkrampfter, die letzte Platte klang für mich sogar schräg. Täuscht der Eindruck – wie hast du das erlebt?

Die Leichtigkeit, die unser Debütalbum „Nah bei mir“ und vor allem die beiden EPs „Tanz Tanz Band“ und „Vorhang auf“ auszeichnete, ging in der Tat mit der Zeit ein Stück weit flöten. Was das Songwriting anbelangt enthält „Drei“ meiner Meinung nach dennoch mit die besten Stücke, die uns in 13 Jahren Bandgeschichte gelungen sind, allen voran „Mann auf dem Mond“ oder „Meine Wege“. Handwerklich blieb das Album aber weit hinter unseren Möglichkeiten zurück. Wenn ich mir die Platte heute anhöre, tut mir das immer noch weh.
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