Peter Gabriel - Up

Peter Gabriel- Up

Real World / Virgin / EMI
VÖ: 23.09.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die endliche Geschichte

Es ist da. Endlich. Vorahnungen von Peter Gabriels zwölftem Album geisterten schon seit scheinbaren Ewigkeiten herum. Immer wieder wurde angedeutet, angekündigt und dann doch wieder verschoben. Fast glaubte man, außer dem Titel "Up" wäre in den Real World-Studios noch nichts verwertbares für den Nachfolger des düsteren "Us" von 1992 (!) entstanden. Bangen und Hoffen bei den Fans, die sich mit den übriggebliebenen Anhängern von Guns N' Roses darüber streiten durften, wessen Held denn nun der schnellere Lahmarsch sein würde.

Doch Gabriel lag in den seit dem Produktionsbeginn verstrichenen sieben Jahren keineswegs auf der faulen Haut herum. Schon das unheilvolle Gepolter, das unvermutet über den Opener "Darkness" hereinbricht, zeigt, daß noch so mancher Schatten auf der Seele des Briten liegt. War der ein Jahrzehnt zurückliegende Vorgänger der Versuch, zerbrochene Beziehungen zu verarbeiten, geht die musikalische Psychotherapie diesmal noch tiefer ins Innenleben. "The deeper I go / The darker it gets."

Mit großen Gesten breiten sich zu den Betrachtungen der eigenen Vergänglichkeit Hymnen wie "No way out" oder das niedergeschlagene "I grieve" aus, während die zynische Vorabsingle "The Barry Williams show" Gift und Galle gegen Talkshows und ihre Showmaster spuckt. Und doch sind es eher die bedächtigen Augenblicke, die "Up" seine Atmosphäre verschaffen. Goldfrapps Will Gregory und die Norweger von Röyksopp nehmen Gabriel ein Stück weit mit in ihre Klangwelten. So strömt aus den Streichern von "Signal to noise" eine unwirkliche Spannung, die sich wie einst bei Madonnas "Frozen" in dunklen Blitzen zu entladen versucht. "Man, I'm losing sound and sight / Of all those who can tell me wrong from right."

Sicherheit findet Gabriel auf gewohnten Terrain. "Looking for a place to live" gesteht er über dem routiniert zickigen Groove von "Growing up", das an Pop-Großtaten wie "Steam" oder "Sledgehammer" erinnern will, sich aber dennoch mit dunklem Grollen in die Ecke verzieht. Sanft gestrichene Synthis zirpen gegen das Drängen von Tony Levins Baßlinien und Manu Katchés ungemein melodiöses Schlagzeugspiel an. Während sich Gabriel ganz seinen musikalischen Stärken widmet und im Vertrauen darauf seine menschlichen Schwächen entblößt, findet er den Mut zur Hoffnung: "I have my fears / But they do not have me." Und so trägt diese Platte ihren Titel zurecht: Der Blick geht nach oben.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Darkness
  • No way out
  • More than this
  • Signal to noise

Tracklist

  1. Darkness
  2. Growing up
  3. Sky blue
  4. No way out
  5. I grieve
  6. The Barry Williams show
  7. My head sounds like that
  8. More than this
  9. Signal to noise
  10. The drop

Gesamtspielzeit: 66:48 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 13528

Registriert seit 07.06.2013

2015-12-07 10:42:57 Uhr
Jetzt mal die DVD gesehen. Bin schon sehr begeistert. Manchmal merkt man doch, dass der Hauptbeteiligte schon Ü50 ist, aber trotzdem ist es wunderbar. Auch die Bühne, deren Wandelfähigkeit ihr man anfangs nicht ansieht. Highlight ist defintiv "Growing up", was da abgeht (auch in Sachen Schnitt) ist fantastisch.
Professor Unlustig
2015-12-01 11:37:54 Uhr
Latürnich. Wer kennt nicht die alte Anekdote, als Kate Bush damals mit ihm im Studio war und es zu folgender Konversation kam: "Oh Peter, I am so amazed by your music. Can't you please play Solsbury Hill right now?" Sigmar Gabriel: "Sorry I have no bike with which I can ride in a circle while playing the song. So I can't play the song." Das ist so ne alte Anekdote.
fräger
2015-12-01 00:30:11 Uhr
komische type.
fährt der eigentlich bei jedem live-gig mit dem fahrrad zu "solsbury hill" im kreis?
Signal To Noise
2015-11-30 20:43:46 Uhr
Viel Spaß damit! Kannst ja vielleicht mal bei Gelegenheit schreiben, wie du die DVD so findest.

The MACHINA of God

Postings: 13528

Registriert seit 07.06.2013

2015-11-30 20:39:55 Uhr
Ich werd mir jetzt mal zumidest die Hälfte der DVD anschauen. Bin gespannt.
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