Black Rivers - Black Rivers

Black Rivers- Black Rivers

Ignition / Indigo
VÖ: 20.02.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Aus dem Taubenschlag

Doves sind auf Eis gelegt; eine Trennung der Band wurde nie öffentlich ausgesprochen. Wer auf weiteren Output wartet, darf also weiter hoffen. Soweit der nostalgische Teil. Fakt aber ist: Der Kern der britischen Kombo um Jimi Goodwin und die Zwillinge Jez und Andy Williams hat seit dem Doves-Best-of von 2010 musikalisch nicht mehr zusammengefunden. Im Gegenteil. Goodwin, Doves' prägende Stimme, brachte im vergangenen Jahr sein erstes Songwriter-Solowerk "Odludek" heraus. Die Williams-Brüder formieren nunmehr unter dem Namen Black Rivers und vollziehen, verglichen mit ihrem langen Weggefährten, eine sanftere Evolution.

"Black Rivers" sollte Doves-Freunde jedenfalls zufriedenstellen können. Deren Trademark, epische Songs zu schreiben, behält das Debüt des Duos aus Lancashire in England bei. "Diamond days" macht den Anfang und entzieht sich als einer der wenigen Tracks dem maritimen und naturverbundenen Vokabular. Dafür aber leuchtet hier bereits der psychedelische (Pop-)Rock auf, der sich stets variierend durch den Erstling der Williams-Brüder windet. Während ein Song wie "The forest" der Feder von Oh No Ono und deren Album "Eggs" hätte entspringen können, letztlich aber blass bleibt, belädt "The ship" den Frachter mit der Melodieseligkeit von Doves und Electronica von Ahnen wie Kraftwerk und Giorgio Moroder.

"The ship" entpuppt sich indes nicht nur als herrlicher Song, in dem die Drums ihren Kokon zusehends verlieren, der Track fungiert zudem als "wahrer" Opener, wie ein soundgewordener Türöffner für die nachfolgenden Tracks. "Cast aside all your doubts now / We're moving on soon." Black Rivers ziehen in der Tat vorwärts, lassen im frankophilen "Harbour lights" mitunter an Air denken und leiten so über zu den kosmischen Synthies von "Voyager 1".

Vielleicht ist es nur ein Hirngespinst, das mit den abermals in den Fokus gerückten Drums über elektronischem Loop zusammenhängt: Aber bildete man ein Mashup aus den Chemical-Brothers-Songs "Let forever be" und "Star guitar", könnte Black Rivers' "The wind that shakes the barley" zumindest im Sequel mitspielen. Etwas dekontextualisiert stampft "Age of innocence" auf den Boden, weil der Rockabilly-Beat mit seiner Bassline-Gespielin gerne einen Hit zeugen würde. Danach entschleunigt die Platte und Black Rivers zücken ihr semiakustisches Ass: das tolle und schwelgerische "Coral sea". Und man fühlt sich ein bisschen wie ein unfairer Arsch, wenn man sich nach vierzig Minuten doch wieder Jimi Goodwin ans Mikrofon wünscht.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • The ship
  • Coral sea

Tracklist

  1. Diamond days
  2. The ship
  3. The forest
  4. Harbour lights
  5. Voyager 1
  6. Beyond the pines
  7. The wind that shakes the barley
  8. Age of innocence
  9. Coral sea
  10. Deep rivers run quiet

Gesamtspielzeit: 39:10 min.

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