Kong - Stern

Kong- Stern

Suburban / Soulfood
VÖ: 28.11.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Fast ohne Worte

Verse und Refrains, Reime und Worte haben nicht immer Sinn. Wer mal ein Led-Zeppelin-Album gehört hat, weiß das. Nicht an jedem Sänger ist auch ein Lyriker verlorengegangen. Manch eine Band hat sich daher ganz befreit von den Zwängen des Mikrofons und legt ihre Energie lieber in die mathematische Ausformulierung ihrer Riffs, Rhythmen und Hooks. Dass Rockmusik auch ohne markige Zeilen funktionieren kann, ist nichts Neues. Aber Kong zeigen beispielhaft, wie das am besten geht – und warum eine Band dabei keine Kompromisse eingehen muss.

"Stern" funktioniert nämlich immer dann besonders gut, wenn den Instrumenten überhaupt nichts in den Weg gelegt wird. Das industriell polternde "Rage8fa" produziert über seine eingesampelten Elektro-Versatzstücke eine Art unmelodiösen Ersatzgesang, der sich wunderbar an der metrischen Klarheit des Songs reibt und als Kitt für die große Bögen spannenden Gitarrenriffs dient. Gleiches passiert im extrem vielschichtigen "Slant", in dem die elektronischen Störgeräusche eher das Schlagzeug rhythmisch unterstützen. Überhaupt ist der Rhythmus auf "Stern" das bestimmende Element. Die Dynamik der Platte wird in den besten Momenten von einem Wechselspiel aus leicht psychedelischen Shuffle-Beats und hartem Stakkato bestimmt: leichtes Kopfnicken gegen wahnwitziges Haareschütteln.

Wenn die Niederländer sich dann auch noch wie in "Perseverance" vom Viervierteltakt verabschieden, wird "Stern" vollends zur Kopfsache. Manch eine instrumentale Rockplatte leidet darunter, dass sich die einzelnen Songs mangels unmittelbarer lyrischer Wiedererkennbarkeit zu sehr ähneln, gerade wenn die Leadgitarre auf maximalem Overdrive ein Riff nach dem anderen durch den Verstärker schickt. Kong umgehen dieses Problem, indem sie ihr Album stetig organisch weiterentwickeln. Aufeinanderfolgende Songs haben meist recht viele Gemeinsamkeiten, aber vom anfänglich leicht verständlichen Riffrock in "Fool's engine" sind die Noise-Ausbrüche bei "Stars & tribes" oder der anfangs lärmende Spacerocker "Contenu inconnu" schon recht weit entfernt.

Dass sich ausgerechnet in diesem experimentellsten Teil der Platte immer mal wieder ein paar Zeilen Text finden, ohne dass man von Gesang im eigentlichen Sinne sprechen könnte, ist vielleicht die größte Schwäche von "Stern". Denn gerade, wenn die Band zwischen Track sieben und zehn den Prog mit Haut und Haaren frisst, ist das Ergebnis ganz großes Kino. Die paar Worte hätte es da nicht gebraucht. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn das Quartett schafft es, sich 13 Songs lang nicht zu wiederholen, sondern all ihre Ideen klug weiterzudenken und ein Album aufzunehmen, das mehr Sinn und Verstand hat als die meisten Songtexte.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Rage8fa
  • Stars & tribes
  • Contenu inconnu

Tracklist

  1. Fool's engine
  2. Rage8fa
  3. Slant
  4. Wide awake
  5. Perseverance
  6. Surfing narrative waves
  7. Stars & tribes
  8. Contenu inconnu
  9. Determine
  10. Inflate expand release
  11. Different odds
  12. Nozl
  13. Feast or burden

Gesamtspielzeit: 59:01 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 11872

Registriert seit 07.06.2013

2015-02-05 12:12:23 Uhr
Ah ok, jetzt hab ich es. Die Kong von Oceansize scheint es eh nicht mehr zu geben, oder? Aber durch die erste Referenz "Oceansize" auch nochmal sehr verwirrend.

The MACHINA of God

Postings: 11872

Registriert seit 07.06.2013

2015-02-05 12:09:24 Uhr
On 16 January 2006 frontman Mike Vennart issued a short post on an Oceansize messageboard announcing Ellis' replacement, Steve Hodson – a member of the Oceansize side-project Kong and also the drummer in Capulet.[8]

Ähm was nun?
Tom
2015-02-05 12:03:29 Uhr
Das ist eine andere Band, die aber seit Snake Magnet nichts neues gemeinsam gemacht haben.

Allerdings ist der Sänger/Gitarrist Jon-Lee Martin mit seiner neuen Band Then Thickens aktiv (2. Album kommt demnächst) und Steve Hodson ist mit USA Nails musikalisch aktiv. Keine Ahnung, was der Drummer zurzeit treibt.

Zum Thema "Oceansize": Mike Vennart bringt demnächst mit Teilen von Oceansize ein Soloalbum raus.

Auf den Wunsch nach einem neuen Kong-Album bei f...book kam im Oktober die Antwort: "wait!".

The MACHINA of God

Postings: 11872

Registriert seit 07.06.2013

2015-02-05 11:01:06 Uhr
Sind da nicht auch Leute von Oceansize dabei?
Aber wieso dann "die Niederländer"?

Armin

Postings: 13635

Registriert seit 08.01.2012

2015-02-04 23:32:00 Uhr
Ganz frisch rezensiert!

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