Asaf Avidan - Gold shadow

Asaf Avidan- Gold shadow

Polydor / Universal
VÖ: 23.01.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

DJs aller Länder

Leeres Blatt raus! Die Pop-Akademie-Schülerinnen und Schüler: schreiben heute eine Extemporale. Unvorbereitet, der Zeit entflohen. Endlos! Und ach ja, das Thema wird vorgegeben: israelische Popmusik. Schweigen macht sich breit, bevor ein Name zu Papier gebracht wird: Asaf Avidan. Der mit dem einen Hit. Gut, der mit dem einen Song, welcher durch einen Remix zum Super-, zum Megahit geworden ist. Die Geschichte muss hier nicht wiederholt werden, denn Geschichte wiederholt sich nicht. Der "Reckoning song" ist im Original dennoch schön und Asaf Avidan ein veritabler Musiker aus Jerusalem.

Auf "Gold shadow" feuert Avidan eine Salve nach der anderen ab. Zwölf Schüsse sind es geworden, die alle irgendwo ein Ziel sehen, wenn auch nicht immer mitten ins Schwarze treffen. Wo Licht ist, da sind goldene Schatten, soviel Kalauer muss sein. Positiv ist anzumerken, dass sich einige Songs um den nächsten Bond-Song bewerben könnten, und dies mit hervorragenden Chancen. "Let's just call it fate" wäre da der erste Anwärter. Das orchestrale Stück geizt nicht an Percussions und Hintergrundgesäusel. Das gemächliche Tempo passt, er könnte so von Shirley Bassey gesungen werden. Zugegeben, der Titel ist ein wenig zu flach.

In den elf weiteren Stücken betreiben Avidan und seine zahlreichen Komparsen Genre-Hopping in Perfektion und begeben sich auf eine Gratwanderung zwischen Vielseitigkeit und Beliebigkeit. Der Opener "Over my head" ist ein schunkelnder R 'n' B, der den Weg zurück in die fünfziger Jahre nimmt, das anschließende "Ode to my thalamus" ist eine kleine Polka, die im ersten Moment an Tom Waits erinnert, dann aber zu verträumtem Pomp mit Trompeten avanciert. Herausragend ertönt der fast überambitionierte, an Adele erinnernde Folkpop "Little parcels of an endless time": "Tiny particles of light have travelled in a wave to find me / A hundred million light-years past but still they seem to find a way to blind me." Die Entdeckung der Unendlichkeit ist nahe, wenn Stephen Hawking sie nicht schon längst aufgefunden hat.

Richtig eindringlich und gut wird "Gold shadow" sonst im Grunde nur, wenn der Bombast und der Ballast abgeworfen werden. In "Labyrinth song", eine Liebeserklärung an Ariadne, nimmt sich die Instrumentierung zurück, und Avidan lässt seiner Erklärung, Entschuldigung freien Lauf: "Oh Ariadne, I have failed you in the labyrinth of my past / Oh Ariadne, let me sing you and we'll make each other last." Die ursprünlgiche griechische Sage muss hier nicht wiederholt werden, denn Sagen wiederholen sich nicht. Aber ein DJ oder gleich eine ganze Armada könnte hieraus doch einen Hit schmieden. "Reckoning song", "Labyrinth song": DJs aller Länder vereinigt euch, vielleicht wiederholt sich Geschichte doch!

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Little parcels of an endless time
  • The labyrinth song

Tracklist

  1. Over my head
  2. Ode to my thalamus
  3. The jail that sets you free
  4. Little parcels of an endless time
  5. My tunnels are long and dark these days
  6. Gold shadow
  7. Let's just call it fate
  8. These words you want to hear
  9. A part of this
  10. Bang bang
  11. The labyrinth song
  12. Fair haired traveller

Gesamtspielzeit: 44:09 min.

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