Two Gallants - We are undone

Two Gallants- We are undone

ATO / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 30.01.2015

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Abgesattelt

Freunde röhrenverstärkter Gitarrenklänge werden die erste Minute von "We are undone", dem neuen Two-Gallants-Album, lieben. Volltönend und gottverlassen erschallen einige suchende Akkorde, ehe der eigentliche Song von einem prägnanten Riff losgetreten wird. Vielversprechend ist das, mitreißend sogar. Auch das beherzt rockende "Incidential" und das lässige "Fools like us" eignen sich ganz hervorragend zur Laune-Verbesserung. Der gute alte Blues bildet die Basis für die vor Spielfreude übersprudelnden Songs, die beide das Zeug zum Tanzflächenfüller haben. Schade ist aber, dass schon hier der Sound dem uneingeschränkten Hörgenuss einen Strich durch die Rechnung macht. Das viel zu stark komprimierte Schlagzeug und die teilweise etwas matschigen Gitarren rauben den Kompositionen nicht nur Dynamik, sondern auch jenen rohen Charme, der die Band so einzigartig gemacht hatte.

Nach dem furiosen Eröffnungstrio nehmen Two Gallants dann den Fuß vom Gaspedal. Der Tango-Trauermarsch "Invitation to a funeral" benötigt einige Durchläufe, bis er zündet. Ganz ohne Gitarren, dafür mit reichlich Klavier werden hier Tod und Teufel besungen – eine Abwechslung vom altbekannten Sound des Duos, die sehr gut funktioniert. Ähnlich düster, aber noch eine Ecke trauriger ist "My man go". Ganz behutsam, ganz langsam zupft Adam Stephens seine Gitarre, während Tyson Vogel ausnahmsweise mal nicht wie besessen in die Felle drischt, sondern nur zärtlich über Becken und Snare streichelt. Wenn sich in den finalen Sekunden noch ein Banjo in die Gitarrenmelodie schleicht, ist das ganz großes Gefühlskino.

Dass Two Gallants einst bei Saddle Creek beheimatet waren, hört man auch heute noch. "Katy Kruelly" ist eine Folkminiatur, die auch aus der Feder Conor Obersts stammen könnte. Unspektakulärer sind sie geworden, fokussierter vielleicht. Überlange Epen sucht man auf "We come undone" vergeblich, kein einziger Song ist länger als sechs Minuten. Nicht mehr narrative, sondern lyrische Elemente stehen nun im Vordergrund. Der wahnhafte Furor von einst flackert nur noch selten auf. Leider, möchte man sagen. Denn hübsche, aber letzten Endes unnötige Banalitäten wie "Heartbreakdown" schlagen nachhaltig aufs Gemüt. Je länger "We are undone" läuft, desto mehr fällt die Gleichförmigkeit der einzelnen Tracks negativ ins Gewicht.

So bekommt das sich müde dahinschleppende "Murder the season / The age nocturne" zwar gegen Ende noch die Kurve, mit etwas mehr Mut zur Kante hätte es jedoch noch viel eindrücklicher geraten können. Ein wenig ziellos wirkt es, wenn der Song mehrere Haken schlägt, ohne dabei zu sich selbst zu finden. Womit auch das Dilemma von Two Gallants anno 2015 genannt wäre: Großen Momenten stehen Stücke gegenüber, die schmerzhaft egal sind. Der Rausschmeißer "There's so much I don't know" steht beispielhaft für jene Schwerfälligkeit, die sich in das Songwriting der Kalifornier eingeschlichen hat. Dass sie mit dem Herzen bei der Sache sind, steht außer Frage. Nur der große Zauber von einst, der ist verflogen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • We are undone
  • Fools like us
  • My man go

Tracklist

  1. We are undone
  2. Incidental
  3. Fools like us
  4. Invitation to a funeral
  5. Some trouble
  6. My man go
  7. Katy Kruelly
  8. Heartbreakdown
  9. Murder the season / The age nocturne
  10. There's so much I don't know

Gesamtspielzeit: 43:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Herrrr Rossi
2014-11-20 12:05:42 Uhr
Herzlich Willkommen im Rolling Stone-Forum!

StaggerLee

Postings: 27

Registriert seit 18.06.2013

2014-11-20 12:01:13 Uhr
Sehr gute Nachrichten.
Titelsong klingt doch schon mal vielversprechend.



Armin

Postings: 13820

Registriert seit 08.01.2012

2014-11-19 18:20:01 Uhr
TWO GALLANTS

Am 30. Januar erscheint mit „We Are Undone“ das inzwischen fünfte Studioalbum des kalifornischen Duos TWO GALLANTS bei ATO / PIAS Cooperative.

Adam Stephens (Gitarre, Harmonica, Keyboard, Gesang) und Tyson Vogel (Drums, Gitarre, Gesang) nehmen sich in ihren druckvollen Rocksongs einmal mehr sozialkritischer Themen an, wie beispielsweise der bevorstehenden Klimakatastrophe, der Illusion von Authentizität, dem sozialen Wandel und der damit einhergehenden Entfremdung von der eigenen Heimatstadt, aber auch dem romantischen Sichfremdwerdens. Ohne es zu direkt zu benennen, geht es im Titelsong „We Are Undone“ um den gesellschaftlichen Druck des ständigen Konsumierens, der inzwischen so fest in unserer Kultur verankert ist, dass wir glauben, unser Leben und unser Glück hänge davon ab, bestimmte Dinge zu besitzen.

Die Aufnahmen zum Nachfolger von „The Bloom and the Blight“ (2012) entstanden innerhalb eines Monats zusammen mit Karl Derfler (Tom Waits) im Norden Kaliforniens.
Den Titelsong des neuen Albums gibt es ab sofort samt Lyric-Video hier zu sehen.

http://noisey.vice.com/de/blog/two-gallants-we-are-undone-listen

Ab Ende Februar sind Two Gallants auf großer Deutschlandtour, die Termine findet Ihr wie immer unten in den Tourdaten.

Two Gallants
27.02. Köln - Stollwerck
28.02. Schorndorf - Manufaktur
01.03. Frankfurt - Zoom
08.03. München - Theaterfabrik
09.03. A-Wien - WUK
11.03. Berlin - SO36
12.03. Hamburg - Uebel & Gefährlich
Booking: Target Concerts
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