Eisbrecher - Schock

Eisbrecher- Schock

SevenOne / Sony
VÖ: 23.01.2015

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Im Bordsteinkantenstadl

Hartnäckig sind sie ja, die Herren Alex "Alexx" Wesselsky und Jochen "Noel Pix" Seibert. Mit wechselnden Erfüllungsgehilfen betreiben sie seit 2002 das Projekt Eisbrecher und sind mittlerweile Stammgast in höheren Chartsgefilden. Das Erfolgsrezept ist bekannt: Stampfende Riffs in bester Tradition der Ursprungsband Megaherz treffen auf eingängige Melodien und treibende Synthiemotive, für Fantasie ist kaum Platz. Dass man es sich auch in der Sackgasse gemütlich machen kann, zeigt schon der Opener des neuen Albums "Schock": "Volle Kraft voraus" wird von spacigen Keyboards eröffnet, ehe die Gitarren losbratzen, als sei das Jahr 2000 gerade angebrochen.

Ein Zugeständnis muss jedoch sein: Druckvoll klingt das Gewemmse allemal. Das verzerrte Bassriff, das beispielsweise den Titelsong antreibt, kann einiges. Auch das flotte "Fehler machen Leute" wäre ohne Gesang gar nicht mal so unerträglich. Leider verunziert Wesselskys affektiertes Genöle das recht taugliche Instrumental mit Nachdruck. Dabei ist das Organ des nebenberuflichen Autotesters durchaus variabel: Mal klingt es wie der Graf, mal wie Oskar aus der Sesamstraße. Und manchmal natürlich auch wie Till Lindemann. Bei allem Willen zur Emanzipation erinnern nämlich noch immer sehr viele Momente auf "Schock" an Rammstein. Besonders "Dreizehn" ähnelt derart frappierend "Links 2,3,4", dass findige Urheberrechtsanwälte schon händereibend die Computer hochfahren dürften.

Nun sind Wesselsky und Seibert aber Veteranen deutschsprachiger Rockmusik, die durchaus um ihre Wurzeln wissen und solche Analogien bewusst einsetzen. Alter und Erfahrung schützen aber nicht vor Torheit, weshalb auch im 13. Eisbrecher-Jahr die Songtexte nicht über den Tiefgang einer RTL2-Reportage hinauskommen. Natürlich wäre es zu einfach, sich per Verweis auf die eher beschränkte Aufnahmefähigkeit der Zielgruppe über das Schaffen einer Band lustig zu machen. Die an Schwachsinnigkeit grenzende, mit allerhand Alltagspathos überfrachtete Lyrik von Songs wie "Schlachtbank" macht jedoch schlicht betroffen. Auch anderswo tummeln sich Allgemeinplätze wie "Wie viele Male schon / War Sehnsucht Endstation" oder schlagerhafte Banalitäten wie "In meiner Hand ein Bild von Dir / Entfacht das Feuer tief in mir" in großer Zahl.

Stets der obersten Direktive "Reim Dich oder ich fress Dich" folgend, liefern Eisbrecher neues Material für den Bordsteinkantenstadl. Besonders die Balladen geraten zum Fiasko. Ein nichtsahnendes "Du" wird mit seifigster Schlagerreimkunst so lange bearbeitet, bis es Geist und Hoffnung aufgibt. "Rot wie die Liebe / Rot wie ein Rubin / Ich verlier' die Fassung, es zieht mich zu Dir hin" sülzt Wesselsky etwa in "Rot wie die Liebe", das klingt, als sei es Martin L. Gore ins Klo gefallen. "Noch zu retten" geht dagegen ganz unverhohlen die unheilige Allianz aus Liebeslyrik und leidlich rockigen Gitarren ein. Was der säuselnde Frauenchor im Refrain verloren hat, weiß allerdings nur Roland Kaiser. Dem Mumpitz die Krone setzt schließlich das mit waschechtem Kirmesbeat ausgestattete "Nachtfieber" auf. Wenn hierzu John Travolta hätte tanzen müssen, würde den Kerl heute nur der Betreiber der Geisterbahn kennen. "Himmel, Arsch und Zwirn / Das kann doch wohl nicht wahr sein!" Ist es aber leider.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

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Tracklist

  1. Volle Kraft voraus
  2. 1000 Narben
  3. Schock
  4. Zwischen uns
  5. Rot wie die Liebe
  6. Himmel, Arsch und Zwirn
  7. Schlachtbank
  8. Dreizehn
  9. Unschuldsengel
  10. Nachtfieber
  11. Noch zu retten
  12. Fehler machen Leute
  13. Der Flieger
  14. So oder so

Gesamtspielzeit: 52:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
The Vatican presents: The Popeboys (bitte nicht löschen, Nörtz!)
2017-10-07 20:05:23 Uhr
Ein Song, der seine eigentlich edle Botschaft nur im Verbund mit seinem Musikvideo transportieren kann. Die Musik an sich finde ich persönlich doof.
https://youtu.be/BGthmYzpGv0
ARMIN die W'itzfigur
2015-02-09 01:07:36 Uhr
9/10
mofatobi
2015-02-08 16:12:09 Uhr
mir ist das zu heavy
doch hier
2015-02-08 16:09:27 Uhr
glückwunsch zum guten musikgeschmack.
eisbrecher sind klasse.
schock ganz klar 8/10
wie jetzt
2015-02-08 06:53:33 Uhr
noch keine reaktionen. ist das langweilig hier
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