Blind Guardian - Beyond the red mirror

Blind Guardian- Beyond the red mirror

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 30.01.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Darf's etwas mehr sein?

Man kann es positiv formulieren: Blind Guardian sind schon seit jeher als akribische Studioband bekannt. Wollte man den Krefeldern hingegen Böses, so könnte man behaupten, dass so manch ein Release vor lauter Liebe zum Detail überproduziert wurde. Was insbesondere auf die Veröffentlichungen seit dem Album "A night at the opera" aus dem Jahr 2002 zutreffen mag, verabschiedete sich die Band doch seinerzeit nicht nur von der zuvor so häufig strapazierten und belächelten Hobbit-Thematik, sondern auch von den eingängigen Refrains und mächtigen Chören, die nach wie vor jedes Konzert zu einem gruppendynamischen Highlight machen. Ohrenzeugen des Wacken Open Air 2011, auf dem etwa 75.000 Zuschauer aus voller Kehle "The bard's song (In the forest)" schmetterten und Sänger Hansi Kürsch in die temporäre Arbeitslosigkeit degradierten, berichten noch heute von diesem Erlebnis mit Vollkörper-Gänsehaut.

Insofern darf und muss Kürschs Ankündigung, "Beyond the red mirror", das erste Album nach fünf Jahren, schließe thematisch an den nunmehr 20 Jahre alten Klassiker "Imaginations from the other side" an, mit entsprechender Vorsicht genossen werden. Denn kleckern ist nicht mehr die Sache der Krefelder. Ganz im Gegenteil. "The ninth wave" eröffnet das zehnte Studioalbum mit einem mächtigen Chor-Intro, das so wuchtig und unverfälscht klingt, wie es eben nur ein Chor aus Fleisch und Blut statt aus der Sampling-Konserve zu bewerkstelligen imstande ist. Und da nach bandeigenem Selbstverständnis ruhig geklotzt werden darf, ist dies nur einer von drei verschiedenen Chören, die auf "Beyond the red mirror" zum Einsatz kommen. Neben zwei vollbesetzen Sinfonie-Orchestern mit jeweils 90 Mann Besatzung, versteht sich. Wer hat, der kann ...

Also Bombast um des Bombasts Willen, aufgeblasener Popanz statt straightem Metal in die Fresse? Mitnichten, auch wenn der erste Hördurchlauf nebenher im Auto oder beim Bügeln unweigerlich zu Verwirrung bis Enttäuschung führen muss. Doch irgendwann zündet die Platte. Und wie sie zündet. Plötzlich tauchen ungeahnte Strukturen auf, eröffnen sich dem Hörer Schicht um Schicht des zuvor vermeintlich undurchdringlichem Sounddickichts. Das gilt natürlich nicht nur für den Opener, sondern zieht sich wie ein roter Faden über die Spieldauer des Albums. Auch die pompöse Vorabsingle "Twilight of the gods" oder "At the edge of time" entpuppen sich unter dem Kopfhörer als wahre Blaupausen für den neuen Sound von Blind Guardian. Ein Sound, bei dem Orchester und Band nahe der Perfektion harmonieren, ohne einander niederzuknüppeln, sich auf einzigartige Manier ergänzen und die Grenzen zwischen Metal und Klassik, zwischen U und E wie einen lächerlichen Anachronismus erscheinen lassen.

Natürlich zahlen Blind Guardian dafür einen Preis. Denn eingängig ist auf "Beyond the red mirror" überhaupt nichts mehr, jeder einzelne Song fordert die volle Aufmerksamkeit, will bis ins kleinste Detail erarbeitet werden. Und die rauchenden Moshpits und gereckten Fäuste der Neunziger dürften auch nur dann noch eine Renaissance erleben, wenn eben Klassiker wie "Valhalla" in die Meute gepfeffert werden. Der Kopf wird nicht mehr geschüttelt, sondern muss zum Mitdenken genutzt werden, sozusagen. Woran auch das ruppige "Ashes of eternity" nichts ändern kann, denn am Ende überwiegt halt doch schwere Kost wie das abschließende, nochmals zunächst überfordernde, später mitreißende "Grand parade", bei dem Gitarrist André Olbrich vollmundig von einem der besten Songs der Karriere spricht. Eines ist jedoch Fakt: Die Krefelder haben sich entschlossen, die wie so oft zu engen Grenzen des Genres einzureißen, sich neu zu erfinden. Und dies tun sie mit "Beyond the red mirror" auf bisweilen bravouröse Manier.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • The ninth wave
  • At the edge of time
  • Grand parade

Tracklist

  1. The ninth wave
  2. Twilight of the gods
  3. Prophecies
  4. At the edge of time
  5. Ashes of eternity
  6. The holy grail
  7. The throne
  8. Sacred mind
  9. Miracle machine
  10. Grand parade

Gesamtspielzeit: 65:20 min.

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User Beitrag
@najanaja
2015-02-04 02:08:09 Uhr
reden wir hier von blind guardian oder nicht doch muse?
Najanaja
2015-02-03 23:57:58 Uhr
Waren mir schon immer zu trashig aber wer's mag. Passen super zu Bad Taste-Parties, inkl. Atzen und Modern Talking.
Nomad
2015-02-03 23:55:25 Uhr
Seit Night at the Opera gab's einen Abwärtstrend, aber mittlerweile kopiert sich Blind Guardian sogar selbst. Langweilig bis zum geht nicht mehr und dafür hat es 5 Jahre gebraucht? Ihr Opus Magnum wird Imaginations bleiben und das hier kann sich nicht ansatzweise damit messen. Schade, war mal meine Lieblingsband.

Armin

Postings: 14508

Registriert seit 08.01.2012

2015-02-02 22:39:42 Uhr
BLIND GUARDIAN - stoßen mit eigenem Wein auf ihr neues Album »Beyond The Red Mirror« an

BLIND GUARDIAN haben am 30. Januar 2015 ihr mit Spannung erwartetes zehntes Studioalbum »Beyond The Red Mirror« veröffentlicht. Nun kündigt die Band die Einführung ihres ganz eigenen Weines, dem “Red Mirror Merlot” an.



Er stammt aus dem spanischen Anbaugebiet Aragon (dort baute man bereits vor 2000 Jahren Wein an), verfügt über satte 14% Alkohol und passt nicht nur für Sänger Hansi Kürsch perfekt zu Album und Band: „Der Wein ist genauso verspielt und frisch wie wir, besitzt dazu gleichzeitig den nötigen Tiefgang. Wir sind alle leidenschaftliche Rotwein-Trinker und der “Red Mirror Merlot” schmeckt echt ausgezeichnet.“

Bestellen könnt ihr den “Red Mirror Merlot” unter folgendem Link: http://smarturl.it/BLIND-GUARDIAN-Wein

»Beyond The Red Mirror« ist in unterschiedlichen Konfigurationen erhältlich: als Standard Jewel Case CD (10 Songs), Limited Edition Digi-Pak/Digi-Book (11 Songs), Doppel-LP im Gatefold Vinyl (11 Songs), EarBook (12 Songs plus Illustrationen, Fotos und Linernotes) & als Exclusive Limited Edition NB Mailorder Earbook (12 Songs plus Illustrationen, Fotos, Linernotes + Bonus 10”).

Bestellt eure Version hier: http://smarturl.it/BLIND-GUARDIAN-Red



Mehr zu »Beyond The Red Mirror«:

Trailer #1: http://youtu.be/pBfejencN7U

Trailer #2: https://www.youtube.com/watch?v=51WwAtdMfAc

Trailer #3: https://www.youtube.com/watch?v=O4i6KO-unEs

Trailer #4: https://www.youtube.com/watch?v=IwcVvJredcs

Trailer #5: http://youtu.be/MIAWuKB3p4k

Trailer #6: http://youtu.be/_aSMWnaUTDQ

Trailer #7: http://youtu.be/CRsACh9ut9U



Das Lyric-Video zur ersten Singleauskopplung 'Twilight Of The Gods', gibt es hier: http://youtu.be/Ep1B_aIFPDE



www.blind-guardian.com | www.facebook.com/blindguardian | www.nuclearblast.de/blindguardian

hey
2015-02-01 01:10:05 Uhr
irgendwie cool!
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