Les Hommes Qui Wear Espandrillos - Sonic silence

Les Hommes Qui Wear Espandrillos- Sonic silence

<a href=\"http://www.lhqwe.com/webshop/p17.html\" target=\"_blank\" class=\"rezitxt\">lhqwe.com</a> / BluNoise / Green Hell
VÖ: 01.08.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Weg hinein

"This is a pure rarities album" ist fast die einzige Information, die das Booklet des neuen Les Hommes Qui Wear Espandrillos-Albums dem Hörer zubilligt. Daneben gibt es nur noch die Songtitel zu lesen und eine wichtige Kleinigkeit: Außer "Demagogue", das 1997 in der aktuellen Besetzung mit Yvonne Nussbaum am Baß aufgenomen wurde, stammen die Aufnahmen alle aus der Zeit, in der Guido Lucas - deutsche Lärmproduzentenlegende und BluNoise-Labelpapa - noch den Viersaiter für die Stoffschuhträger bearbeitete. Hierbei handelt sich zum einen um Überbleibsel der "Bloodfish"-Sessions 1994 und zum anderen um die "last session with Guido Lucas", datiert auf den August 1996. "Sonic silence" ist also alles andere als neu.

Dem Fan wird das egal sein. Denn die besagte "last session" läßt seine Raritätensensoren anschlagen. Das ist sozusagen das verschollene Album, die fehlende Verbindung und die Brücke, die den Weg von "Bloodfish" über "Hückelhoven" zu "Moto fuzz" nachvollziehbar und begehbar machen soll. "Sonic silence" enthält nun diese legendären Aufnahmen, aufgeteilt in zwei Blöcke und eingerahmt von den erwähnten Outtakes. Dem möglichen Vorwurf der Geldmacherei mit Altmaterialien entzieht sich die Band durch die Entscheidung, das Album nur im Mailorder-Vertrieb anzubieten (z.B. im Shop der Band).

"Sonic silence" ist ein Brocken, für den die Bezeichnung "schwer verdaulich" noch untertrieben zu sein scheint. Gerade die Aufnahmen von 1996 verschließen sich dem Zuhörer zunächst völlig. Keine Stimme hilft dabei, diese Monster aus Lärm zu besänftigen, und schon an der Oberfläche sind die Strukturen so dicht, daß ein leichtes Eintauchen in die Musik unmöglich ist. Also muß man sich den Klängen anpassen und tiefer graben, obwohl dissonante Gitarrenlaute immer wieder Schmerzkeime in den Gehörgang des Eindringlings setzen, der doch seine volle Konzentration benötigt, um nicht zwischen die Mühlsteine dieses mahlenden Grooves zu geraten. Einige Durchgänge später aber verändert sich das Bild ganz langsam. Unter den vielen Schichten erkennt man den Riß, der sich unaufhaltsam durch die Band zieht, man erkennt die einzelnen Mitglieder dagegen ankämpfen und schließlich verlieren.

"Sonic silence" ist ein einzigartiges Dokument einer zerbrechenden Band. Die internen Spannungen lähmen keinesfalls die Kreativität der Beteiligten, aber genauso wenig kann der gemeinsame Prozeß der Klangerzeugung den Bruch kitten. Das mitzuerleben zerrt an den Nerven des Zuhörers, obwohl man doch weiß, daß der Phönix hinterher aus der Asche wieder aufsteigt. Es wird aber eben nie mehr genau derselbe sein. Auch die kleinen Inseln der Erholung, die das Album mit den Aufnahmen von 1994 enthält, sind keinesfalls einfach zu genießen. Die Entspannung, die hier geboten wird, ist relativ zur Umgebung zu sehen. Dafür verlängern sie den Trip, kosten Kondition. Erst nach mehr als 70 Minuten bekommt der Zuhörer dann wirkliche Stille, in der er bewegungslos verharrt. Musikhören kann so schön anstrengend sein.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • The whole world
  • A kind of disappearing
  • Black room

Tracklist

  1. The whole world
  2. Salsa dipping overdose
  3. Get out of my head
  4. Core
  5. A kind of disappearing
  6. Demagogue
  7. Happy bitch
  8. Down by the sea
  9. A thrill
  10. The tree
  11. Iowa song
  12. Sonic silence
  13. Brave new world
  14. Black room
  15. On the beach
  16. Marsha Sandberg

Gesamtspielzeit: 71:08 min.

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