Alasdair Roberts - Alasdair Roberts

Alasdair Roberts- Alasdair Roberts

Drag City / Rough Trade
VÖ: 30.01.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Selbst ist der Schotte

Jeder Musiker hat irgendwann im Lauf seiner Karriere das Recht oder sogar die Pflicht, sich ein selbstbetiteltes Album zu gönnen. Meist ist es das ungeschliffene Debüt, das namenlos daherkommt. Scott Walker hat sogar seine vier ersten Alben einfach durchnummeriert. Gut, er hatte dann auch genug und driftete in andere Gefilde ab. Beim schottischen Alleskönner Alasdair Roberts, der so sehr für Kontinuität steht wie kaum ein weiterer Künstler aus Kaledonien, ist ein Eponymous-Album schon verwunderlich, trugen die Vorgänger doch alle sagenumwobene, verwunschene oder einfach nur mystische Titel wie "No earthly man", "The amber gatherers" oder "A wonder working stone". Jetzt wird also ein wenig reduziert, Ballast abgeworfen. Die Persönlichkeit tritt an die Stelle von Sagen und Mythen.

Selbstverständlich sind auf diesem neuen, akustisch gehaltenen Werk die Mythen, Kailyard Tales und Traditionals weiterhin im Gepäck, sie treten jedoch in den Hintergrund. So lässt es sich Roberts nicht nehmen, für die Vorabsingle "Artless one" das in Schottland bekannte und zigfach aufgenommene und interpretierte Liebeslied "The rigs of rye" zu adaptieren. Die Bassklarinette spielt sich clever mit den Tin Whistles zur Höchstform auf. Roberts skandiert dazu: "Come my love, my artless one!" Unmissverständlicher als in diesen Zeilen ist und war der Schotte selten. Seine warme, akzentuierte Stimme bewirkt das Übrige: Man taucht in Melodie und Storyline langsam ein.

Anklang und Interesse finden auf dem kompakten Opus nicht nur persönliche, sondern viel mehr als auf den Vorgängern sozialkritische Facetten. Diese erklingen auch keineswegs versteckt, wie der eingängige elegische Refrain "We will sing a song in dispraise of hunger" offenbart. Der Chor, das Quartett The Crying Lion, stimmt hier sogleich mit ein und bringt etwas Dramatik in das sanftmütige Treiben. Roberts verdeutlicht die Ungerechtigkeiten dieser Welt und nimmt damit alle Hörer in die Pflicht, die diesem Text ein Ohr schenken. Man könnte es gar als Aufforderung begreifen, es den Musikern gleichzutun. Der Folk-Song dazu ist jedoch fast zu schön, als dass sich die Wirkung so richtig entfalten mag.

Jedoch muss niemandem Angst und Bange werden. Die zehn neuen Songs des Wahlglasgowers entfalten sich auf eine wundersame Weise und zählen zu den ernsthaftesten sowie gleichzeitig zu den zugänglichsten im beeindruckenden Gesamtwerk. Lediglich "Hurricane Brown" überschreitet die Fünf-Minuten-Marke. Es hält sogar sechseinhalb Minuten die Spannung, die kurzzeitig nur durch das wiederholte Einsetzen der Tin Whistles gestört wird. Jetzt können gerne noch Alasdair Roberts 2-4 kommen. Der Auftakt dafür ist mit diesem Werk gelegt. Schotten wollen nun einmal Freiheit und Unabhängigkeit. Fast alle. Manchmal. Selbst ist der Schotte.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Artless one
  • Hurricane Brown
  • In dispraise of hunger

Tracklist

  1. The way unfavoured
  2. Honour song
  3. The problem of freedom
  4. Artless one
  5. Hurricane Brown
  6. The final diviner
  7. In dispraise of hunger
  8. The mossy shrine
  9. This uneven thing
  10. Roomful of relics

Gesamtspielzeit: 40:50 min.

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Jennifer

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2015-01-20 21:56:47 Uhr
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