Jessica Pratt - On your own love again

Jessica Pratt- On your own love again

Drag City / Rough Trade
VÖ: 30.01.2015

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Honig der Sirenen

Jede neue Ankündigung des angesagten Drag-City-Labels schmiert einem gewollt oder ungewollt Honig ums Maul. Eine Fortsetzung findet diese Taktik auch im Jahr 26 nach der Labelgründung und liefert gleich eine der ersten kleinen Überraschungen des Jahres. Die kalifornische Singer-Songwriterin Jessica Pratt posiert vor Äpfeln und Bananen, und ihr Sophomore-Album "On your own love again", gleichzeitig ihr Debüt auf Drag City, wird mit folgenden Worten angekündigt: "Seeing the world through a Pratt's eyes is a surpassingly beautiful thing." Das ist Freak Folk auf hohem Niveau und hinterlässt Vergleiche mit Joan Baez, wogegen sich die Künstlerin in Interviews schon jetzt wehrt und abgrenzt. Und hier auf Plattentests.de vergleicht man bekanntlich keine Äpfel mit Bananen. Für die Kleinkarierten: Ja! Birnen. Wort und Sprichwort müssen gehalten werden.

Die 27-jährige Jessica Pratt trifft mit ihrem scheinbar allen Modernitätsbegehren abgeneigten Werk den postmodernen Nerv der Zeit. Ihre teilweise an Labelkollegin Joanna Newsom erinnernde Stimme windet sich und zerfließt wie der Honig der Sirenen, vor denen man sich in Acht nehmen muss, um nicht vollends gefangen genommen zu werden. Diese fortdauernde "Strange melody" spielt groß und ein wenig der Realität entrückt auf, handelt dann aber leider nicht von Elfen, Elben und rosa Einhörnern, sondern höchst banal von verflossener Liebe, wie schon der Albumtitel suggeriert. Die Vorabsingle "Back, baby" deutet dabei gekonnt an, dass hier nicht Komplexität, sondern Simplizität das Sagen hat. Reduziert auf eine Akustikgitarre gelingt es ihr, die Außenwelt einzufangen und die Konzentration allein auf ihre Geschichten zu lenken: "There was a time that you loved me / There was a time when you said you want me to believe." Viel mehr als dieses Zupfen ist in der guten halben Stunde nicht zu vernehmen. Ein Clavinet in "Moon dude" gelangt noch an die Oberfläche, und eine Orgel spielt heimlich, still und leise in "Wrong hand" auf.

Neben dieser durch Kargheit bestechenden Variante des amerikanischen Freak Folks sind durchaus klassische britische Folkelemente zu vernehmen. Grenzen sprengen und sich gleichzeitig in vornehmer Zurückhaltung üben ist hierbei nur ein Motto. Eine gewisse Punk-Attitüde lässt die Kalifornierin hier ebenfalls durchblitzen. Da ist es dann auch kaum verwunderlich, dass sowohl Freigeist Ariel Pink als auch die Spice Girls als Vorbilder dienen. In ihrem Variantenreichtum werden die neun Songs zwar keinen Folk-Weltmeistertitel gewinnen, auf den Stream of Conciousness darf man sich aber gerne mehrmals einlassen. Das geht schließlich runter wie Honig, oder wie das richtig heißt.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Strange melody
  • Back, baby

Tracklist

  1. Wrong hand
  2. Game that I play
  3. Strange melody
  4. Greycedes
  5. Moon dude
  6. Jacqueline in the background
  7. I've got a feeling
  8. Back, baby
  9. On your own love again

Gesamtspielzeit: 31:32 min.

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User Beitrag

kingsuede

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Registriert seit 15.05.2013

2015-02-12 20:51:00 Uhr
@Haruko kenne ich leider nicht. Muss ich mir mal geben.

kingsuede

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Registriert seit 15.05.2013

2015-02-12 20:50:19 Uhr
Bei mir Pratt knapp vor Prass.

Randwer

Postings: 897

Registriert seit 14.05.2014

2015-02-12 16:26:20 Uhr
vom Gesangsstil erinnert sie ein wenig an Haruko

Blackberry

Postings: 364

Registriert seit 13.06.2013

2015-02-12 12:52:21 Uhr
Prass > Pratt

saihttam

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Registriert seit 15.06.2013

2015-02-12 01:40:28 Uhr
scheint ein schönes Album zu sein.
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