Terminal Sound System - Dust songs

Terminal Sound System- Dust songs

Denovali / Cargo
VÖ: 12.12.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Manipulierte Qualen

Skye Klein, Kopf von Terminal Sound System aus Montreal, verortet sich 15 Jahre nach seinem ersten Output als Solo-Musiker als angriffslustiger Werteverschieber von stark verästelten Stilrichtungen in den Bereichen New Jazz, Soundscapes, Electronica und Drone. Innerhalb seines bisherigen Schaffens bereitet er den selbstentworfenen Schnittmengen dieser (Sub-)Genres einen durchweg progressiven Weg. Von den entspannt wummernden Unterwasser-Beats der zunächst auf dem eigenen Label Embryo Records veröffentlichten Werke hin zur expansiven Öffnung in jazzige und sogar dubbige Düsternis auf dem Label Extreme wagt Klein nun den Schritt in die Reduktion. Während sein Opus "Constructing towers" von 2008 ein Mehr an Facetten und Stilrichtungen, darunter Ausflüge in Düster-Jazz, TripHop, zum Teil kombiniert mit experimentellem Drum'n'Bass, unternimmt, dampft Klein auf "Dust songs" gerade diese Einflüsse merklich herunter. Es kommt schwerer zugänglich, formal und texturell versierter daher. Dadurch ermöglicht Terminal Sound System dem Hörer ein schnelleres Zurechtfinden in Kleins Gedankenwelt. Unter Zuhilfenahme seiner in den Fokus gerückten Stimme folgt das Langzeitprojekt finstere, schwere Gedanken, die in den existenziellen Texten zum Ausdruck kommen.

Zunächst irritiert der exzentrische Opener "Deep black static", der die Stoßrichtung des Albums verknappt vorwegnimmt und dadurch andeutet, was sich in den kommenden knapp 50 Minuten ereignet. "Dust songs" ist ein Album im Zwiespalt zwischen Akustik-Gitarre und elektronischer Schichtung. Vereinzelt entwickeln sich Singer/Songwriter-Ansätze, jedoch ohne einen Funken Wärme zu versprühen, ohne dass Klein eine Form von Intimität zulässt. Doch bevor dieser in der kaum einminütigen Eröffnung zur Saite greift, kommt eher der französische Trotzkopf Igorrr in den Sinn, dessen Black-Metal-versetzter Break Core jedwede Hörgewohnheiten in Schieflage versetzt. Auffallend über die gesamte Spielzeit: Drones, synthetisches Allerlei und klinische, digitale Beats umgarnen die akustischen Klänge und bilden das Gegengewicht zu einem Glockenspiel in "Shadows", dem mittig in "The silver world" eindringenden Bläsereinsatz und dem häufigen Einsatz von Akustik-Gitarre und Stimme. Das allgegenwärtig Elektronische bleibt jedoch der richtungsweisende Faktor, denn bei Terminal Sound System handele es sich, so Klein, um "an army of robots". Außerdem sind sämtliche analogen Sounds geloopt, verzerrt oder verfremdet, sodass jeder einzelne Ton auf dem Album erst durch die maßgeschneiderte Manipulation den letzten Schliff erhält.

In "By the meadow" konterkarieren die Drones und Soundscapes das sinuskurvengleich immer wieder aufbegehrende Gitarrenmotiv. Der gleichtönende Mantra-Gesang bleibt im Verlauf der gesamten Platte fast schematisch variantenarm. Zeitweise lassen seine Stimme, vor allem aber der Einsatz der Saiteninstrumente Six Organs Of Admittance oder Head Of Wantastiquet anklingen, die eine ähnliche Schwere zu erzeugen vermögen. Im finalen "Morning star" entlädt sich die geballte Schwermut in einer wüsten Postrock-Eruption, metallisch wie Russian Circles, aber in zäherem Tempo. Im Album-Kontext gilt der lauteste Moment dennoch als beruhigender Abschluss, der den Hörer nicht in verstörtem Nachsinnen hinterlässt, sondern in unruhiger, leicht euphorisierter Aufbruchsstimmung.

(Henrik Beeke)

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Highlights

  • By the meadow
  • Shadows
  • Morning star

Tracklist

  1. Deep black static
  2. By the meadow
  3. Silver minds
  4. Keepers
  5. My father, my mother
  6. Shadows
  7. The silver world
  8. Morning star

Gesamtspielzeit: 48:53 min.

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Lugee

Postings: 36

Registriert seit 23.07.2013

2015-01-29 17:10:50 Uhr
Bin eigentlich ein "Fan" seiner früheren minimal/LowFi - Sachen (besonders von der RH-8SB), aber DUST SONGS begeistert mich gleich beim zweiten Hören.

Eigentümliche Mixtur - im positiven!

Watchful_Eye

Postings: 1479

Registriert seit 13.06.2013

2015-01-13 22:06:52 Uhr
Freunde schwerer und schwieriger Musik sollten da reinhören.

Ich hab "Terminal Sound System" schon seit dem starken Vorgänger unter Beobachtung, wobei die neue wieder ganz anders ist.

Die Referenzen sind imo teilweise irreführend. Ich halte zB auch große Stücke auf Amon Tobin, aber mit seinem Sound hat das eher am Rande zu tun.

Nach dem ersten Durchgang würde ich sagen: Dies ist ein Album für Freunde von Bands wie Kayo Dot und Antimatter, die auch mit dezentem Glitch-Einschlag á la Boards of Canada etwas anfangen können.

Armin

Postings: 15175

Registriert seit 08.01.2012

2015-01-13 20:13:07 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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