Atlas Losing Grip - Currents

Atlas Losing Grip- Currents

Cargo
VÖ: 16.01.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Quo vadis, Ikarus?

Sie hatten es schon fast geschafft. Atlas Losing Grip brauchten schlanke drei Alben, um in einem Atemzug mit den großen Hunden genannt zu werden. Mit Bad Religion etwa. Oder Rise Against. Oder wie sie eben alle heißen. Wie eine vergleichsweise wenig bekannte schwedische Kapelle zu solchen Ehren kam? Nun, das ist gar nicht so kompliziert. Mit einer Mischung aus ballerndem Skate-Punk und einer großen Portion technischem Anspruch. Und natürlich mit einem Sänger vom Schlage eines Rodrigo Alfaros. Die Voraussetzungen für ein viertes Album könnten also schlechter sein. Einfach weiter wie bisher, da kann man nicht wirklich viel falsch machen.

Es spricht für Atlas Losing Grip, dass sie genau das nicht getan haben. Der sichere Weg ist nicht der ihre. Und hey: Im zehnten Jahr des Bandbestehens kann man schon einmal etwas wagen. Das Wagnis hat mit "Currents" nun einen Namen bekommen und wird für den einen oder anderen fragend gekratzten Hinterkopf sorgen. Dabei sind die Ingredienzien nicht so sehr verschieden. Ein Uffda-Schlagzeug, gut in Distortion getauchte Gitarren, Twin Guitars, wo es eben passt und immer noch ein Kerl am Mikro, der sein Metier ganz hervorragend beherrscht. Und trotzdem beschleicht einen schon in den ersten Zügen des Openers "Sinking ship" ein ungutes Gefühl. Wenn sich Gitarrenläufe präsentieren, die problemlos selbst in die engste Spandexhose passen könnten. Wenn eine Atmosphäre durch den Raum wabert, die man so zuletzt bei den ganz gruseligen Vertretern aus der Metal-Grabbelkiste gehört hat. Da kann der Song nach zwei Minuten noch so beherzt nach vorne bolzen: Hier stimmt etwas nicht.

Was genau, wird dann auch schnell klar. "Currents" will alles, am besten zur gleichen Zeit. Und verliert sich so bisweilen vollständig selbst. Das Ganze klingt dann in etwa wie eine Mischung aus Dredg und Propagandhi mit einer gewissen Stadionrock-Schlagseite und einem neu entdeckten Hang zum ganz Epischen. Auch wenn "Shallow" noch so gelungen einen Ausflug in den Pop unternimmt: Kompakt ist anders. Wo genau "Currents" letzten Endes hin will, weiß das Album vermutlich selber nicht so genau. Heraus kommen bei so viel Unentschlossenheit Nummern wie "The curse", oder das vorab veröffentlichte "Cynosure". Songs, die gleichzeitig alles und nichts sind, die man abnickt und in kürzester Zeit wieder vergessen hat. Oder Albernheiten wie "Closure": eine schmerzhaft verkitschte Akustikballade, über die man besser den gütigen Mantel des Schweigens legen sollte. Die aber doch ihr Gutes hat: Sie läutet den Wandel zum Besseren ein.

In der zweiten Albumhälfte präsentieren sich Atlas Losing Grip nämlich in stark verbesserter Form. Jedweden Midtempo-Unfug lassen sie da sein, überflüssige Schnörkel werden ausgespart. Entsprechend entschlackt geht "Cast anchor" nach vorne, gefolgt vom schweren Kopfnicker "The end" und dem sauber durchgegniedelten "Downwind". Doch obwohl "Through the distance" und der abschließende Elfminüter "Ithaca" noch einmal alles in die Waagschale werfen, bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Dabei hätte es so schön sein können, hätte das Quintett sich nur ein bisschen mehr aufs Wesentliche konzentriert. So kann man auf "Currents" einer Band zusehen, wie sie sich am eigenen Anspruch verhebt. Sie wird daraus lernen.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Sinking ship
  • The end
  • Through the distance

Tracklist

  1. Sinking ship
  2. The curse
  3. Cynosure
  4. Shallow
  5. Nemesis
  6. Closure
  7. Kings and fools
  8. Cast anchor
  9. Unknown waters
  10. The end
  11. Downwind
  12. Through the distance
  13. Cold dirt
  14. Ithaca

Gesamtspielzeit: 66:06 min.

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User Beitrag
fakeboy
2015-01-15 10:19:50 Uhr
Rodrigo ist übrigens wieder raus, er hat die Satanic Surfers reaktiviert. Für mich war er bisher der Hauptgrund mich mit ALG zu befassen. Werd mir die neue Platte sicher noch anhören, denn die Kombination von metallischem Melodic-Punk mit Rodrigos Stimme war zumindest auf dem letzten Album schon sehr gelungen. Man sollte einfach nicht zu sehr auf die Texte achten...
kraftbefehl
2015-01-14 17:18:03 Uhr
jetzt wird das forum aber mal ordentlich ***
Andy
2015-01-14 16:49:11 Uhr
was man bisher so gehört hat, klasse platte. wird sicher eine der besten 2015 werden. total unverständliche bewertung von euch.

Armin

Postings: 15449

Registriert seit 08.01.2012

2015-01-13 20:11:41 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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