Papa Roach - F.E.A.R.

Papa Roach- F.E.A.R.

Eleven Seven / Warner
VÖ: 23.01.2015

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

15 Jahre Zweisamkeit

Was Plattentests.de kann, können Papa Roach schon lange. Nein, nicht etwa neue Pilzrahmsuppen-Variationen kreieren. Auch nicht ein Witt-Album mit 1/10 rezensieren. Sondern 15-jähriges Jubiläum feiern. Ja, es ist tatsächlich schon eineinhalb Dekaden her, dass die Amerikaner mit "Infest" und dem Megahit "Last resort" die Charts stürmten und zu so etwas wie Posterboys der rebellischen Teenager-Mittelschicht wurden. Auf dem rückblickend immer noch erstaunlich frisch klingenden Album verpackten Papa Roach druckvoll die Ängste und Frustrationen einer gesättigten Generation in massentaugliches Crossover-Gerocke. Doch das ist lange her. Heute sind Papa Roach gesetzte Enddreißiger, die lieber Lederwesten statt Baggy pants tragen. Spätestens mit "Metamorphosis" kam die Musik des Quartetts im Hard Rock an. Und die Fans, die diesen Weg mitgegangen sind, finden auch auf Album Nummer neun wieder einige Feuerzeuge-in-die-Höhe-Momente.

Doch auch die, die Papa Roach einst für Hits wie "She loves me not" und "Broken home" liebten, dürften auf "F.E.A.R." mehr Anknüpfungspunkte vorfinden als erwartet. Die laut bratzenden Gitarren des Openers "Face everything and rise", dessen Initialen auch den Albumtitel erklären, verweisen eindeutig auf die wilde Vergangenheit. Auch die Riffs von "Broken as me" und "Falling apart" schmoren in einem äußerst deftig gewürzten Saft. In ersterem Song brüllt sich Jacoby Shaddix gegen Ende gar in Richtung Heiserkeit. Ein kraftvoller Auftakt, der so nicht unbedingt zu erwarten war. Die ersten vier Songs auf "F.E.A.R." wissen nicht nur zu überraschen, sondern auch weitgehend zu gefallen. Fast scheint es, als hätte sich die Band angesichts des Jubiläumsjahres noch einmal an frühere Großtaten erinnert. Doch dann folgt mit "Love me til it hurts" die unvermeidliche Powerballade, die Papa Roach seit dem Erfolg von "Scars" stets im Gepäck haben. "I'm not a killer / I'm not a saint", jault Shaddix über vorhersehbares Midtempo-Gedudel und bringt es damit gut auf den Punkt: Wenn die Amerikaner versuchen, romantisch zu werden, ist das Ergebnis meist weder Fisch noch Fleisch.

Aber da geht noch mehr: "Never have to say goodbye" unterscheidet sich von einer handelsüblichen Nickelback-Ballade nur noch durch die etwas lauteren Gitarren und den im direkten Vergleich geradezu betörenden Gesang. Schade, dass Papa Roach zuweilen bereitwillig sämtliche Rock-Klischees bedienen. Dass sie es besser können, beweist das dramatische "Gravity", in dem Shaddix doch wieder wie früher über kaputte Beziehungen rappt. Trotzdem: Der Überraschungseffekt, mit dem "F.E.A.R." anfangs punktet, ist spätestens jetzt verpufft, selbst wenn "War over me" es noch einmal mit Brachial-Gitarren versucht. Richtig schlimm wird es in "Warriors", das so gerne eine Hymne für die Underdogs wäre, letztlich aber nur dumpfes Geriffe bietet, mit feisten Synthieflächen unterlegt. Was bleibt am Ende? Eine Band, in deren Brust zwei Herzen schlagen und die sich immer noch nicht darüber im Klaren ist, was sie eigentlich sein will. Ein paar gute Songs. Und Musik, die man in 15 Jahren vermutlich eher nicht nostalgisch verklären wird.

(Mark Read)

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Highlights

  • Broken as me
  • Gravity

Tracklist

  1. Face everything and rise
  2. Skeletons
  3. Broken as me
  4. Falling apart
  5. Love me til it hurts
  6. Never have to say goodbye
  7. Gravity
  8. War over me
  9. Devil
  10. Warriors
  11. Hope for the hopeless
  12. Fear hate love

Gesamtspielzeit: 42:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Badly Drawn Boy
2015-01-17 23:13:10 Uhr
Die neuen Songs klingen gar nicht mal so übel. Man muss ihnen immerhin anerkennen, dass sie nicht in die Nickelback/3DD-Ecke abgerutscht sind, sondern wieder härter und krachiger klingen und sogar leichte Industrial-Elemente einfließen lassen, aber so richtig überzeugend klingt das nicht - dafür klingt das doch etwas zu sehr wie ein Versuch, Slipknot und vor allem Mudvayne zu kopieren.

Knackschuh

Postings: 3763

Registriert seit 20.08.2013

2015-01-17 11:15:12 Uhr
Die ganze Kniste verjubelt? Die Tantiemen spülen auch nichts mehr rein?
Hauen wir halt 'ne neue Scheibe raus! Einen kleinen versprengten Fankreis wird es schon noch geben, der diesen Schodder kauft.
Doch eines haben die Produzenten nicht bedacht:
Die vermeintlichen Fans von damals schämen sich heute als Erwachsene dafür, so etwas in ihrer Jugend gekauft zu haben.

Und Neu-Fans wie Desare sind wohl eher die Ausnahme...

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2015-01-16 21:24:13 Uhr
"Last Resort" haut noch immer alles weg.

nörtz

Postings: 3040

Registriert seit 13.06.2013

2015-01-16 21:21:54 Uhr
Oder an schlechte Musik aus längst vergangenen Zeiten...

https://www.youtube.com/watch?v=Qot3Ubz16Jo

https://www.youtube.com/watch?v=g9z4DWB7Iy8

Hätten die Songs wenigstens die Klasse von den damaligen Großtaten...
Alma
2015-01-15 14:11:42 Uhr
Oder an das ganz formidable Horror-PC-Spiel.
Zum kompletten Thread

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