Exhaust - Enregistreur

Exhaust- Enregistreur

Constellation / Southern / Hausmusik / Indigo
VÖ: 09.09.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ne pas ouvrir

Aus dem Hause Constellation ist man ja so einiges gewohnt. Von wunderschönen sphärischen Melodien bis zu krudem Krautrock. Von unentdeckten Geniestreichen bis zu bedröhnten Experimenten. Aber eines haben wohl alle Veröffentlichungen gemeinsam: Zwar sind die kruden Sounds oft schwer nachzuvollziehen, im ersten Durchgang vielleicht sogar langweilig, bis sie auf einmal - das kann zwanzig Durchgänge dauern - ihr verstecktes, unbeschreibliches Etwas ausbreiten, den Hörer vollends gefangen nehmen und ihn in ein anderes Universum entführen.

Exhaust bilden da keine Ausnahme. Auch hier herrschen anarchistische Soundspielereien, aufgenommen mit diversen Instrumenten, vor. Eben eine typische Platte aus der Hausbesetzer-Szene in Montreal. Doch irgendwie vermag "Enregistreur" nie so richtig zu greifen. Zeitweilen wird beim Hörer sogar der Verdacht laut, daß nicht nur die durchaus hörenswerten Jam-Sessions auf Platte gepreßt wurden. Nein, auch das eher verzichtbare Geplänkel aus dem Zwischendurch wurde verewigt. Und so wechseln sich rauschende Geräusche, entfernt von herkömmlicher Musik, mit schleppender Perkussion ab. Tatsächlich bleibt außer dieser Perkussion nicht viel übrig.

Während bei manchen Aufnahmen diese Spielereien mit alltäglichen Geräuschen noch zum Aufbau der einzigartigen Atmosphäre verhalfen, so wirken sie hier teilweise störend und schlicht überflüssig. "Ice storm" zum Beispiel kommt überhaupt nicht wie ein Eissturm daher. Das unterstreicht möglicherweise die immanente Ironie, welche mit jeder Veröffentlichung aus dem Umfeld von Exhaust üblicherweise einhergeht, hört sich aber für den Konsumenten doch eher nach leckendem Kühlschrank an.

Die Tracks von "Enregistreur" könnten einen schnell paranoid werden lassen, da ein Knacksen, dort undefinierbare Laute. "Die Art von Geräuschen, die man im Kopf hat, wenn man durch die leeren Gassen fremder, scheinbar verlassener Städte irrt", wie es im Infozettel treffend umschrieben wird. Es wirkt wie eine Entschuldigung. Zu hoffen bleibt nur, daß den Künstlern aus Übersee die Ideen nicht ausgegangen sind, und sie uns weiterhin mit grandioser Musik fernab von Pop begeistern können. Dann kann man ihnen auch solche Ausrutscher verzeihen, welche nur als solche bezeichnet werden dürfen, weil die Meßlatte so enorm hoch gesetzt ist.

(Basil Schneider)

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Highlights

  • Voiceboxed
  • Behind the paint factory

Tracklist

  1. Gauss
  2. Behind the water tower
  3. Voiceboxed
  4. Ice storm
  5. Dither
  6. Behind the paint factory
  7. My country is winter
  8. Silence sur le plateau
  9. Degauss

Gesamtspielzeit: 41:23 min.

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