Seahaven - Reverie lagoon: Music for escapism only

Seahaven- Reverie lagoon: Music for escapism only

Rykodisc / Warner
VÖ: 04.04.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nach der Sommersonnenwende

Manchmal bedarf es nur etwas Zeit, um seinen Blickwinkel zu ändern. Eine Situation zu reflektieren, den eigenen Fehler zu erkennen, Unmut in Verständnis umwandeln zu können. Eine heute wütend ins Smartphone getippte SMS kann sich schon morgen in ein klärendes Gespräch verwandeln. Hat man eine schlechte Phase im vergangenen Jahr für das Ende der Welt gehalten, ist man dieses Jahr schon gelassener. Die kalifornische Band Seahaven hat die Zeit genutzt: War ihr 2011 erschienenes Album "Winter forever" genau das – ein Winteralbum, dessen zwischen Emo und Post-Hardcore wandelnde Stücke sich wie ein düsterer, grauer Schleier aufs Gemüt legten –, könnte der Nachfolger "Reverie lagoon: Music for escapism only" kaum gegensätzlicher sein.

Das Quintett um Sänger Kyle Soto ist mittlerweile im Indie-Rock angekommen, entspannt am Strand, braungebrannt von der Sonne, und im Hintergrund hört man das Meeresrauschen. Dass es dabei oft melancholisch und verträumt zugeht, ist quasi Ehrensache. Seahaven begnügen sich dabei zuweilen mit einfachen Mitteln: "On the floor" kommt gut zwei Minuten nur mit einem repetitiven, von der Gitarre beigesteuerten Rhythmus und Sotos Gesang aus, und auch danach verweigern sie sich dem großen Feuerwerk. "As you fall / You faintly hear a familiar song / Hum along / Hallelujah", singt Soto, bleischwer wiegen die Worte über der doch so leichten Melodie, bis der poppige Twang von "Andreas" den Hörer wieder aufbaut. Hier findet der Ausbruch zum Schluss tatsächlich statt, ohne jedoch zu überladen zu wirken.

Höchstens den sich langsam entwickelnden Songs wie "Love to burn" und "Wild West selfishness" hört man noch an, aus welcher Ecke Seahaven einst kamen: Der völlig zu Unrecht oft durch den Kakao gezogene Emo-Begriff bleibt auf "Reverie lagoon: Music for escapism only" dezent im Hintergrund. Stattdessen versucht sich die Band an verschiedensten Experimenten, die sich hier und da auf kurze, Interlude-ähnliche Titel wie den Zweiteiler "Paseo de las estrellas" oder "Whispers" beschränken – oder wie das bezaubernde "Solar eclipse" in einem zarten Kammerspiel gipfeln. Akustisch-romantische Lagerfeuerstimmung gibt es in "Highway blues", die Vertonung des ausklingenden lauen Sommerabends passenderweise im Abschluss "Four-eleven", und hier ist es tatsächlich zu hören, das Meeresrauschen. Ganz klar: Für Seahaven hat eine neue Zeit begonnen. Und es bleibt spannend zu sehen, was sie damit als nächstes anstellen.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Andreas
  • On the floor
  • Highway blues
  • Solar eclipse
  • Four-eleven

Tracklist

  1. Fifty-four
  2. Andreas
  3. Silhouette (Latin skin)
  4. Wild West selfishness
  5. On the floor
  6. Paseo de las estrellas (I)
  7. Highway blues
  8. Flesh
  9. Whispers
  10. Love to burn
  11. Solar eclipse
  12. Paseo de las estrellas (II)
  13. Karma consequential
  14. Four-eleven

Gesamtspielzeit: 51:33 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
namenslos
2015-06-18 22:22:00 Uhr
Seltsames Album. An sich vollkommen unspektakulär. Geradezu belanglos ohne wirklich erkennbare Substanz. Nichts was mich auf irgendeiner Ebene fesselt. Und trotzdem kehre ich zu diesem Album zurück. Ohne jeglichen, mir erklärbaren Grund, genieße ich dieses Album zutiefst und es vermittelt mir eine super subtile und dennoch klar wahrzunehmenende emotionale Dringlichkeit.

Ich habe ein komisches Verhältnis zu diesem Scheibchen. Auf verquere Weise wohl eine 7,5/10
May Nung
2015-01-07 19:42:25 Uhr
Superduperspitzifritzi.

Armin

Postings: 9798

Registriert seit 08.01.2012

2015-01-06 20:37:45 Uhr
Frisch rezensiert. Als "Vergessene Perle 2014".

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