John Fullbright - Songs
Blue Dirt / Thirty Tigers
VÖ: 20.06.2014
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Schlichte Schönheit
Das Foto: Schwarz-Weiß. Das Motiv: Ein unscheinbarer Typ im Holzfällerhemd sitzt auf einer Holztreppe mit einem Glas Rotwein in der Hand. Mit "unscheinbar" ist das Cover von "Songs", das zweite Studio-Album von John Fullbright, noch euphorisch beschrieben. Die große Selbstinszenierung liegt ihm nicht, diesem 26-jährigen Songwriter aus einem 130-Seelen-Dorf in Oklahoma. Seine Konzentration liegt allein auf den Songs. Die aber gehören zu den besten, die man dieser Tage hören kann.
Es sind schlichte Stücke mit eingängigen Melodien, die er nicht mehr, wie auf dem Vorgänger, nur mit der Akustikgitarre, sondern stattdessen häufiger mit dem Piano vorträgt. Dieser Wechsel steht ihm gut. Auf einigen wenigen Songs kommt zudem eine kleine Rhythmussektion zum Einsatz aus seinen Mitmusikern David Leach, Wes Sharon, Mike Meadows, Daniel Walker, Terry Ware und Ryan Engleman. Gerade durch diese ökonomische Schlichtheit der Musik, gepaart mit einem persönlichen und grundehrlichen Storytelling, entsteht eine bemerkenswerte Intensität, wie man sie selten hört. Dabei ist Fullbright nicht unbedingt auf Gefühlsduselei aus, seine Texte sind durchaus auch sarkastisch und zynisch. Es sind aber die balladesken Lieder, die besonders in Erinnerung bleiben. "When you're here" und "She knows" sind die ersten Highlights einer durchweg starken Platte. Fullbrights Orientierung an seinen Vorbildern Chet Baker, Townes Van Zandt und Leon Russell schimmert deutlich bei einigen Akkordwechseln durch. Beim Gesang hat er eine ganz eigene Stimme gefunden, die einer sehr alten Seele zu gehören scheint.
Anspieltipps sind außerdem "The one that lives too far" und der Closer "Very first time", das ein wenig an den frühen Tom Waits erinnert. Der beste Song des Albums ist aber "High road", die tragische Liebesballade von Susie und Jack, in der Fullbright auf einer wunderschönen Melodie gleich zwei Handvoll ewiggültige Lebensweisheiten unterbringt. Der Track mündet in einer warmen Piano-Melodie, die sich wie ein Korkenzieher ins Herz bohrt. Er wisse, dass er nicht wegen seines Tanz-Talentes wahrgenommen werde, hat Fullbright mal einem Interviewer gesagt. Dass seine Musik überzeugen kann, weiß er spätestens, seit der Vorgänger "From the ground up" als bestes Americana-Album für einen Grammy nominiert wurde. "Songs" aber ist noch besser und eines der schönsten Alben des Jahres.
Highlights
- She knows
- High road
- Very first time
Tracklist
- Happy
- When you're here
- Keeping hope alive
- She knows
- Until you were gone
- Write a song
- Never cry again
- Going home
- All that you know
- The one that lives too far
- High road
- Very first time
Gesamtspielzeit: 38:42 min.
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 27219 Registriert seit 08.01.2012 |
2015-01-06 20:36:52 Uhr
Frisch rezensiert. Als "Vergessene Perle 2014".Meinungen? |
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Referenzen
Paul Simon; Jackson Browne; Randy Newman; Chet Baker; Leon Russell; Bonnie 'Prince' Billy; Billy Joel; The Pines; Field Report; Rayland Baxter; David Ramirez; The Walkabouts; Dead Man Winter; Campfire OK; The Lone Below; Seryn; Smog; Balto; Daniel Romano; JBM; House Of Wolves; Ryan Adams; The Last Bison; Badly Drawn Boy; Townes Van Zandt; Vic Chesnutt; Elliott Smith; Al Stewart; Bob Seger; Elton John; Nick Drake; Paul McCartney; Jeff Lynne; Harry Nilsson
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- John Fullbright - Songs (1 Beiträge / Letzter am 06.01.2015 - 20:36 Uhr)