The Call feat. Robert Levon Been - A tribute to Michael Been

The Call feat. Robert Levon Been- A tribute to Michael Been

Label / Caroline / Universal
VÖ: 12.09.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Vater des Gedenkens

Es war nicht weniger als eine Tragödie. Der plötzliche und unerwartete Herztod ereilte Michael Been, Frontmann von The Call, ausgerechnet auf dem Pukkelpop-Festival 2010, während er sich gerade als Live-Mischer für Black Rebel Motorcycle Club betätigte – die Band seines Sohnes Robert Levon. Als jene dann später auf "Specter at the feast" das Titelstück des bestverkauften The-Call-Albums "Let the day begin" coverte, schien der Verlust verarbeitet. Doch weit gefehlt: Da Blut und offensichtlich auch Musikerbande dicker als Wasser sind, taten sich 2013 die verbliebenen Mitglieder von The Call mit Robert Levon Been zusammen, um des Verstorbenen lautstark mit einer Reihe von Konzerten zwischen Tribute und Reunion zu gedenken. Eine letzte musikalische Ehre, die in der Tat aller Ehren wert ist.

Wer sich erinnert: Das Quartett aus Santa Cruz etablierte sich in den achtziger Jahren mit passablem Erfolg zwischen moderaten Post-Punk-Nachwehen und hochfahrend-verhalltem Stadionrock mit Keyboard-Fütterung, wobei die europäischen Kollegen wie U2 und Simple Minds die kommerziell weitaus einträglicheren Plätze erwischt hatten. Die Live-Kombination aus Sohnemann und alten Bandkameraden mag im ersten Moment befremdlich wirken – den Eindruck einer tränenreichen Totenwache macht dieser Mitschnitt jedoch genauso wenig wie The Call den einer in die Jahre gekommenen Band von vorgestern, die gewaltsam versucht, ihrer Diskografie einen zeitgemäßen Anstrich zu verleihen. Was vor allem daran liegt, dass die Beteiligten es dankenswerterweise vorziehen, Michael Beens Songs zu feiern, statt seinen Tod zu betrauern.

Gründe dafür gibt es genug. Etwa "Everywhere I go", den wohl größten Single-Hit von The Call, der "A tribute to Michael Been" mit präzisen Licks eröffnet, oder den frühen Rumpelrocker "Modern Romans". Auch "Let the day begin", das sogar Simple Minds auf ihr maues Album "Big music" packten, hat nichts an Sogwirkung eingebüßt – nicht zuletzt, weil Robert Levon Beens raues Organ in reizvollem Kontrast zur gen Sonne strebenden, aber auch latent aggressiven Dynamik des Stücks steht. Zwar ersetzt er bei den schmerzlich intensiven Highlights "I don't wanna" und "Into the woods" nicht die charakteristische, mitunter herausgebellte Verzweiflung seines alten Herrn, die zuweilen an die eruptiven Momente eines Simon Huw Jones von And Also The Trees heranreichte – doch dafür beweist Been eine ähnliche Präsenz wie bei Black Rebel Motorcycle Club.

Auch ein auf DVD mitgelieferter Konzertfilm nebst vier Bonus-Livesongs darf unter diesen illustren Umständen nicht fehlen, zumal mit "I still believe" oder "The walls came down" zahlreiche weitere Klassiker der Kalifornier warten und das rohe "Same old story" auch bei Robert Levon Beens eigener Band gut aufgehoben wäre. Da stört es wenig, dass ein Anspruch auf Vollständigkeit nicht besteht: Immerhin verzichten The Call nicht nur auf den wundersam groovenden Gospel-Rocker "In the river", sondern auch auf den schmalzigen Balladen-Ausrutscher "Memory". Zwischendurch wirft Been ein selbstironisches "I'm all out of stories" in die Menge – wohl wissend, dass aus ihm nie ein großer Alleinunterhalter werden wird. Michael Been wäre trotzdem stolz auf seinen Sohn. Denn nach dieser überzeugenden Werkschau kann er endgültig in Frieden ruhen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Everywhere I go
  • I don't wanna
  • Into the woods
  • Let the day begin
  • Modern Romans

Tracklist

  • CD 1
    1. Everywhere I go
    2. I still believe
    3. I don't wanna
    4. Floating back
    5. Into the woods
    6. Turn a blind eye
    7. Oklahoma
    8. You were there
    9. Red moon
    10. Let the day begin
    11. Modern Romans
    12. You run
    13. The walls came down
    14. Uncovered
  • DVD 1
    1. Everywhere I go
    2. I still believe
    3. I don't wanna
    4. Floating back
    5. Into the woods
    6. Turn a blind eye
    7. Oklahoma
    8. You were there
    9. Red moon
    10. Swim in the ocean
    11. What's happened to you
    12. The morning
    13. Same old story
    14. You run
    15. Uncovered
    16. Let the day begin (live from Slim's)
    17. Think it over (live from Slim's)
    18. Modern Romans (live from Slim's)
    19. The walls came down (live from Slim's)

Gesamtspielzeit: 168:08 min.

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Armin

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2014-12-21 00:32:05 Uhr
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