The Flaming Lips - With a little help from my fwends

The Flaming Lips- With a little help from my fwends

Bella Union / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 31.10.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Oh boy

Wayne Coyne hat einfach eine Macke. Das klingt hart und gemein und gewiss gibt es andere Leute, die sogar viel mehr als eine Macke haben. Dennoch wäre das Oberhaupt der Flaming Lips wohl selbst der erste, der dieser analytischen Aussage zustimmen würde: Coyne hat eben eine Macke, er kokettiert damit, zeigt es ganz öffentlich und freut sich diebisch darüber, wenn es bemerkt wird. Womöglich ist das auch das Fundament seiner doch irgendwie merkwürdig anmutenden Freundschaft zu einer gewissen Miley Cyrus, die immerhin satte 31 Jahre jünger ist als er, mit der er sich aber aufführen kann, als wären beide im besten Teenager-Alter. Und womöglich ist das auch einer der Gründe, warum er sich nach dem, vorsichtig ausgedrückt, eher durchwachsenen Pink-Floyd-Coveralbum "Doing the dark side of the moon" von 2010 ausgerechnet die vermeintlich beste Platte der besten Band der Musikgeschichte aussuchen musste, um diese auf links zu drehen.

The Flaming Lips machen einen auf The Beatles, "With a little help from my fwends" ist "Sgt. Pepper's lonely hearts club band" reloaded. Coyne scheint bei der Produktion so viel Acid genommen zu haben wie McCartney, Lennon, Starr und Harrison bei den Aufnahmen 1966/1967 zusammen, anders kann man sich ein paar der hier entstandenen Klänge kaum erklären. Natürlich ist Smiley-Miley mit an Bord, wie auch Julianna Barwick, Foxygen, J Mascis, Moby und viele, viele andere Kollegen auch – und haben die Beatles sich seinerzeit auf diesem Album selbst zu ernst genommen, wie Lennon einmal bemerkte, droht "With a little help from my fwends" unter dem experimentellen Spaß seiner Macher stellenweise zu versinken. Ist das Original von "Being for the benefit of Mr. Kite!" noch ein eher einlullender Popsong, begraben ihn Coyne & Co. gemeinsam mit Maynard James Keenan, Puscifer und Sunbears! unter einer dicken Schicht flickerigem Noise, der sich auf Dauer nicht nur zu als sperrig, sondern regelrecht unhörbar entpuppt. "Getting better" wird seines natürlichen Grooves beraubt und mit einem schweren Beat unterlegt, das beschwingte "Lovely Rita" gewinnt durch das Engagement von Tegan And Sara hingegen eine angenehm frische Note.

Die Überraschung auf "With a little help from my fwends" ist jedoch genau jene Person, der man ein positives Abschneiden zwischen all diesen Künstlern wohl am wenigsten zugetraut hätte: Miley Cyrus' fast schon verführerischer Gesangspart in "Lucy in the sky with diamonds" ist nicht weniger als beeindruckend und lässt sogar über den arg lärmenden Refrain hinwegsehen, der jeglichen Feingefühls der Ursprungsversion beraubt wurde. Und auch der Abschluss mit "A day in the life" – der erklärte Lieblingssong der Rezensentin von diesem Album – gelingt Cyrus vorzüglich, die hier die Rolle von McCartney einnimmt. War diese Freundschaft der beiden schrägen Vögel Cyrus und Coyne auch nur zu irgendetwas nütze – es ist in diesen beiden Stücken zu hören. Kaum wiederzuerkennen ist hingegen "Fixing a hole", das vom Flaming-Lips-Nebenprodukt Electric Würms zu einem akustischen Lo-Fi-Wesen verarbeitet wurde, das man sowohl im besten als auch im schlimmsten Fall als interessant bezeichnen kann.

Zwei zumindest erwähnenswerte Songs wären allerdings noch das Titelstück und dazugehörige "Reprise": Der Opener "Sgt. Pepper's lonely hearts club band" mit Unterstützung von My Morning Jacket, Fever The Ghost und J Mascis hat mit der Variante von 1967 nicht mehr viel zu tun, stattdessen machen sich die Beteiligten das gute Ding zu eigen, Mascis haut noch ein gefühlt viel zu lautes Gitarrensolo drüber, bis man auch völlig ohne Acid bunte Farben auf weißen Wänden sieht. "Sgt. Pepper's lonely hearts club band (Reprise)", dem vorletzten Stück des Albums, gelingt jedoch ein echtes Kunststück, weil es klingt, als würden die beiden Feature-Gäste Foxygen und Ben Goldwasser von MGMT die Flaming Lips covern, die sich an den Beatles versuchen – Coynes Einfluss hört man hier zumindest nur noch stellenweise heraus. Und vielleicht war genau das der Plan. Zuzutrauen wäre es ihm jedenfalls.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Lucy in the sky with diamonds (feat. Miley Cyrus & Moby)
  • Lovely Rita (feat. Tegan And Sara, Stardeath & White Dwarfs)
  • Sgt. Pepper's lonely hearts club band (Reprise) (feat. Foxygen & Ben Goldwasser)
  • A day in the life (feat. Miley Cyrus & New Fumes)

Tracklist

  1. Sgt. Pepper's lonely hearts club band (feat. My Morning Jacket, Fever The Ghost & J Mascis)
  2. With a little help from my friends (feat. Black Pus & Autumn Defense)
  3. Lucy in the sky with diamonds (feat. Miley Cyrus & Moby)
  4. Getting better (feat. Dr. Dog, Morgan Delt & Chuck Inglish)
  5. Fixing a hole (feat. Electric Würms)
  6. She's leaving home (feat. Phantogram, Julianna Barwick & Spaceface)
  7. Being for the benefit of Mr. Kite! (feat. Maynard James Keenan, Puscifer & Sunbears!)
  8. Within you without you (feat. Birdflower & Morgan Delt)
  9. When I'm sixty-four (feat. Def Rain & Pitchwafuzz)
  10. Lovely Rita (feat. Tegan And Sara, Stardeath & White Dwarfs)
  11. Good morning good morning (Zorch, Grace Potter & Treasure Mammal)
  12. Sgt. Pepper's lonely hearts club band (Reprise) (feat. Foxygen & Ben Goldwasser)
  13. A day in the life (feat. Miley Cyrus & New Fumes)

Gesamtspielzeit: 51:24 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 8550

Registriert seit 07.06.2013

2014-11-12 19:19:09 Uhr
Hmm, hab auch kein wirkliches INteresse dran. Schon die "Dark side" war kaum hörbar. Bitte einfach wieder reguläre Alben, die können sie nämlich immer wieder.

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2014-11-12 12:55:06 Uhr
würde das ganze album unter "pointlessly different" abstempeln.

Das trifft es.

Schöne Grafik auch. :-)
CoverSongs
2014-11-12 12:47:02 Uhr
http://www.cracked.com/article_18898_the-8-things-you-can-do-with-cover-song-5Bcomic5D.html

würde das ganze album unter "pointlessly different" abstempeln.

zwei durchgänge, ohrenbluten

Herr

Postings: 755

Registriert seit 17.08.2013

2014-10-25 14:43:05 Uhr
Der Herr Coyne mag, wenn das Alter kommt und der Rückenschmerz eintritt, wieder zum harmonischen Saiteninstrument greifen und ein einfach' Lied trällern, auf dass das einzige Störgeräusch vom Bohneneintopf des vorherigen Abends rührt.

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2014-10-25 14:33:21 Uhr
MMM > Revolver >>> (Past Masters II) > Sgt. Pepper = Abbey Road

MMM und Revolver glasklare 10er, die anderen im der unteren Hälfte des 9er-Bereiches.

Sgt. Pepper gewinnt durch seinen Albumfluss und dem ganzen Haufen an Melodien. als isolierte Songs, sind einige der Stücke nicht stark genug.
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