Bob Dylan & The Band - The basement tapes raw: The bootleg series Vol. 11

Bob Dylan & The Band- The basement tapes raw: The bootleg series Vol. 11

Sony
VÖ: 31.10.2014

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Wunder aus dem Keller

105 Stücke in 139 Takes haben Bob Dylan & The Band zwischen Juni und Oktober 1967 aufgenommen. Anfangs hauptsächlich Coverversionen berühmter amerikanischer Stücke, später dann Eigenkompositionen. Mit einem geliehenen Zweispur-Tonbandgerät und vier Mikrofonen wurden die Sessions eingefangen. An eine Veröffentlichung der Songs verschwendete niemand einen Gedanken. Dylan und seine Mitstreiter wollten sich vom Tour-Stress erholen und in Abgeschiedenheit wieder zu Kräften kommen. Doch sie schufen einige der magischsten Songs der Musikgeschichte. Trotz zum Teil lausiger Qualität wurden die Aufnahmen zum ersten – und bis heute erfolgreichsten – Bootleg überhaupt. Der offizielle Release einiger Stücke unter dem Titel "The basement tapes" 1975 erreichte immerhin Platz 7 der US-Charts.

50 Jahre nach ihrer Entstehung veröffentlicht Dylan nun eine neue, restaurierte Ausgabe dieser Sessions, die als elfter Teil der "Bootleg Series" erscheint. Eine Sechs-CD-Box vereint alle verfügbaren Mitschnitte, die normale Doppel-CD bietet immerhin 38 Songs Takes. Während viele der großen Bands dieser Ära immer mehr in psychedelische Sounds abdrifteten und immer abgefahrene Werke aufnahmen – 1967 erschienen unter anderem "Disreali Gears" von Cream, "Forever changes" von Love, das Debut der Doors und "The piper at the gates of dawn" von Pink Floyd –, besannen sich Dylan und seine Gang auf puristische Songs mit Anleihen aus Blues, Folk, Country und Balladen. Ganz nebenbei befriedeten sie so die Hippie-Generation mit der alten, amerikanischen Songtradition. Dass sie dennoch keine Spaßverächter waren und es bei ihnen durchaus auch rauschhaft zuging, davon zeugen vor allem die oft surrealen und mit liebenswerten Spinnereien versehenen Texte.

Dylan schüttelte sich nicht nur diese bemerkenswerten Lyrics, sondern auch Hit für Hit aus dem Ärmel. Die Umstände hätten kaum schlechter sein können: Zuvor hatten die drei ersten elektrischen Alben seiner Karriere ihm Häme und Anfeindungen eingebracht und er erlitt einen Motorradunfall und kämpfte mit Alkoholproblemen. Doch die Qualität dieser Stücke ist mit zeitlos, historisch oder revolutionär noch bescheiden beschrieben. "Tears of rage", This wheel's on fire", "Too much of nothing", "Quinn the Eskimo", "I shall be released", "You ain't goin' nowhere", Going to Acapulco", "Million dollar bash" sind – auch durch die zum Teil hervorragenden Neu-Interpretationen anderer Künstler – längst zu Klassikern geworden. Dass sie allesamt in einer kurzen Zeitspanne und in einem Kellerloch entstanden sind, erscheint als Wunder. Welch kreative Energie muss dort in Big Pink geherrscht haben! Auch die weniger bekannten Stücke stehen dem in nichts nach: "Ain't no more cane" ist mitreißend seelenvoll. "All you have to do is dream" ist mitreißend funky. "I'malright", das Dylan mit heiserer Stimme ins Mikro krächzt, ist äußerst kraftvoll. Und so wird irgendwann klar: Es gibt keine schwachen Momente. Es gibt keine andere Interpretation. "The basement tapes" sind ein vor Enthusiasmus und Lebenskraft strotzender Vollrausch. Ein Meilenstein.

Für die jetzige Neuerscheinung wurde ein Großteil der Musik erstmals digital bearbeitet. Die Tracklist ist chronologisch angelegt. Für Einsteiger wie Alt-Fans eine wunderbare Möglichkeit, diese Musik jetzt (einmal mehr) zu entdecken.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • One too many mornings
  • Tears of rage
  • I shall be released
  • You ain't goin' nowhere

Tracklist

  • CD 1
    1. Open the door Homer (Take 1)
    2. Odds and ends (Alternate Version) (Take 1)
    3. Million Dollar Bash (Take 1)
    4. One too many mornings
    5. I don't hurt anymore
    6. Ain't no more cane (Alternate version) (Take 2)
    7. Crash on the Levee (Take 2)
    8. Tears of rage (Take 3)
    9. Dress it up, better have it all
    10. I'm not there
    11. Johnny Todd
    12. Too much of nothing (Take 2)
    13. Quinn the Eskimo (Take 2)
    14. Get your rocks off
    15. Santa-Fe
    16. Silent weekend
    17. Clothes line saga
    18. Please, Mrs. Henry
    19. I shall be released (Take 2)
  • CD 2
    1. You ain't goin' nowhere (Take 1)
    2. Lo and behold (Take 1)
    3. Minstel boy
    4. Tiny Montgomery
    5. All you have to do is dream (Take 2)
    6. Goin' to Acapulco
    7. 900 miles from home
    8. One for the road
    9. I'm alright
    10. Blowin' in the wind
    11. Apple sucking tree (Take 2)
    12. Nothing was delivered (Take 1)
    13. Folsom Prison Blues
    14. This wheel's on fire
    15. Yea! Heavy and a bottle of bread (Take 2)
    16. Don't ya tell Henry
    17. Baby, won't you be my baby
    18. Sign on the cross
    19. You ain't goin' nowhere (Take 2)

Gesamtspielzeit: 123:07 min.

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User Beitrag

captain kidd

Postings: 1697

Registriert seit 13.06.2013

2014-12-21 08:17:39 Uhr
bin ja großer dylan-fan. aber die basement tapes halte ich für enorm überbewertet. ganz nette proberaumaufnahmen und vielleicht auch historisch wichtig als zeichen der reduktion - aber ohne diesen ganzen hintergrund bleiben durchschnittliche aufnahmen.

Armin

Postings: 15654

Registriert seit 08.01.2012

2014-12-21 00:32:32 Uhr
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