Parkay Quarts - Content nausea

Parkay Quarts- Content nausea

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 05.12.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Namen machen Leute

Topinformierte Musik-Nerds wissen längst: Hinter Parkay Quarts versteckt sich das New Yorker Quartett Parquet Courts. Die Band rund um Sänger Andrew Savage verwendet dieses Pseudonym nicht zum ersten Mal. Auch ihre ganz hervorragende EP "Tally all the things that you broke" veröffentlichten sie 2013 unter diesem Namen. Etwas mehr als ein Jahr später – und gerade mal sieben Monate nach ihrem letzten Album "Sunbathing animal" – legen sie mit "Content nausea" ein etwas eigenwilliges Werk nach. Eigenwillig, weil es weder wirklich eine LP, noch wirklich eine EP ist, weil es unterbrochen wird von drei durchaus merkwürdigen Interludes, und weil sie nie so deutlich ihren eigenen Kopf durchgesetzt haben. Tatsächlich spucken Savage & Co. jeder entgegebrachten Erwartungshaltung direkt ins Gesicht und geben einen feuchten Kehricht darauf, was die breite Masse denkt. Und womöglich macht sie genau das so gut.

Legten sie auf "Sunbathing animal" die Garage-Rock-Attitüde größtenteils ab, die der Vorgänger "Light up gold" noch so genüsslich auslebte, und zollten alten Helden wie The Velvet Underground oder Pavement Tribut, verweigert sich "Content nausea" jeglichem Schubladendenken. Der kratzige Pop von "Pretty machines" etwa lässt sich kaum fassen, windet und dreht sich immer wieder, während Savage in einem Rundumschlag gegen jene Punk-Szene feuert, aus der er selbst kommt, und stellt ihren Willen nach eigener stilistischer Anpassung bloß: "You think that you can avoid stylish institution / Worshiping illusion / Things you thought you could destroy." Den bequemen Weg können andere wählen, Parquet Courts alias Parkay Quarts fahren stets auf dem ruckeligen, steinigen, ungeraden Feldpfad – und wirbeln dabei ordentlich Staub auf.

So wird selbst Savages Selbstfindungsphase mit einem Coolness-Faktor jenseits vom Gefrierpunkt zelebriert: Der post-punkige Opener "Everyday it starts" erzählt von Existenzängsten, Schlafmangel und der Ablehnung der alltäglichen Routine, wabert sich dabei aber selbst derart monoton durch tiefe Basslines und Rhythmen, dass es einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Quasi unhörbar gibt sich das kratzbürstige Duo "Psycho structures" und "The map", die jede melodische Gliederung, hat man überhaupt erst eine gefunden, sofort wieder über Bord werfen. Umso eingängiger wird es dafür im Titeltrack, der noch am ehesten an die beiden letzten Alben erinnert, während Sänger Savage im Mittelteil mehr zum Erzähler mutiert.

Die drei Interludes auf "Content nausea" erfüllen rein musikalisch einen eher geringen Zweck, tragen aber umso besser zur allgemeinen Sperrigkeit des Albums ein. So ist es natürlich ausgerechnet der dröhnende erste Teil, der den ausnahmsweise entspannten Alternative Rock von "The nap" einleitet – vom demoartigen zweiten Teil und dem Lo-Fi-Gerüst des dritten mal ganz zu schweigen. Auch das Cover des Nancy-Sinatra-Klassikers "These boots are made for walking" wirkt nur oberflächlich wie ein Fremdkörper, was mit Sicherheit auch genau so beabsichtigt war, fügt sich aber nach und nach in das Gesamtbild ein. Savage wird hier zum Crooner, wie er im Buche steht, und behält diese melancholische Stimmung auch im über sechsminütigen Abschlusstrack "Uncast shadow" bei, bis er im letzten Viertel schließlich allen Emotionen freien Lauf lässt und sich die eigene Coolness aus dem Leib brüllt. Denn genau das hätte man von ihm wohl am allerwenigsten erwartet.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • The nap
  • Pretty machines
  • Uncast shadow

Tracklist

  1. Everyday it starts
  2. Content nausea
  3. Interlude 1
  4. The nap
  5. Interlude 2
  6. Pretty machines
  7. Psycho structures
  8. The map
  9. These boots are made for walking
  10. Insufferable
  11. Interlude 3
  12. Uncast shadow

Gesamtspielzeit: 35:35 min.

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