Haftbefehl - Russisch Roulette

Haftbefehl- Russisch Roulette

Urban / Universal
VÖ: 28.11.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Mach den Babo

Was zum Geier haben Deutschlands größtes Indie-Soßenhirn Olli Schulz und Haftbefehl, der womöglich gefährlichste Gangsta-Rapper der Republik, miteinander am Hut? Tatsächlich eine ganze Menge: Als Schulz in der fünften Episode seiner ProSieben-Sendung "Schulz in the box" in Offenbach landet, werden Olli und Hafti schnell Freunde. Schulz parliert munter davon, wie er einst im Tag Team mit Bela B einen Typen bis zum Heulen verprügelte, bevor der Babo und der Bibo-Sänger ihre Titan-Implantate am Mittelhandknochen vergleichen. Olli erhält kurzerhand eine Azzlack-Transformation beim Frisör, witzelt und quatscht wie in seinen besten Zeiten, und Haftbefehl, der lacht. Dabei war man doch so sicher, der Offenbacher wäre unerträglich unwitzig und nicht so ganz gerade in den Synapsen. Sein viertes Album "Russisch Roulette" wird vom Feuilleton gefeiert – und das mitnichten grundlos.

Die krawalligen Beats, die Haftbefehls Lines untermalen, ziehen ihre Kraft aus den Ursprüngen des Gangsta-Raps. Wenn hier Großreferenzen wie N.W.A. oder The Notorious B.I.G. angeführt werden, ist das kein Witz. Auch, dass Haftbefehl mit seiner Art des Storytellings in eine ähnliche Kerbe schlägt wie Biggie, Tupac, Public Enemy & Konsorten, ist alles andere ironisch gemeint. Und das ist gänzlich neu auf Deutsch. Seine zahlreichen Anspielungen und Zitate auf großes Gangster-Kino von den "Goodfellas" bis hin zu "Der Pate" verdeutlichen seine eigene Auseinandersetzung mit dem Gangster-Begriff. Gewalt wird hier nicht verherrlicht, Gewalt wird angenommen, als Teil des Lebens betrachtet. Haftbefehl erzählt eine Geschichte, seine Geschichte, die klingt wie ein zerfahrener, spannungsbeladener Thriller. Da darf, da muss sogar Blut fließen, und der Baba die Puppen tanzen lassen.

Wenn im Video zu "Lass die Affen aus'm Zoo" die Fäuste fliegen, dann hat das nichts vom Gepose der üblichen Verdächtigen. Eine unglaubliche bis erschreckende Echtheit schwingt mit jedem Beatschlag und mit jeder Zeile Haftbefehls mit. Damit die Phrase gedroppt ist: Hier geht es um originäre Realness – der 28-Jährige ist kredibil von den Sneakers bis zur Sonnenbrille. Er ist Berichterstatter, sicher kein Poet. Der Oldschool-Einschlag von "Saudi Arabi money rich" geht stark nach vorne, während der Track hinter "get rich or die tryin'" das notwendige Ausrufezeichen setzt. Der Titelsong "Russisch Roulette" hat ordentlich Blei unter der Haube – Haftbefehl erkennt darin nicht Spiel mit dem Feuer, sondern vielmehr eine Notwendigkeit des Lebens: Friss oder stirb, fick oder werde gefickt. Auch "Haram para", welches der Babo mit dem französischen Rapper Kaaris aufgenommen hat, dröhnt außergewöhnlich geradeaus und ist nicht zuletzt durch seine Mehrsprachigkeit einer der auffälligsten Tracks der Platte.

Wie viel Ghetto steckt tatsächlich in hiesigen Gangsta-Rappern? Bushido ist nichts weiter als ein geistloser Polemiker, Kollegah ein dummgestellter Jurist mit Bizepsfetisch, Sido und Savas sind längst verweichlicht und für Rapper wie Tony D und Fler hat man nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig. Alles, was den Mainstream bisher erreichte, wirkte reichlich stilisiert. Es wird Zeit zu erkennen, was hierzulande noch immer schiefgeht, wo das angepasste Mitglied der Gesellschaft immer noch Teil einer Bourgeoisie ist. Der (kommerzielle) Erfolg Haftbefehls zeigt, dass das angepasste Bürgertum sich langsam öffnet, indem es den Erzählungen des 28-jährigen Aykut Anhan zuhört. Heute machen wir den Babo!

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Lass die Affen aus'm Zoo
  • Saudi Arabi money rich
  • Russisch Roulette
  • Haram para (feat. Kaaris)

Tracklist

  1. Ihr Hurensöhne
  2. 1999 pt. I
  3. Lass die Affen aus'm Zoo
  4. Saudi Arabi money rich
  5. Ich rolle mit meim Besten
  6. Engel im Herz, Teufel im Kopf
  7. Russisch Roulette
  8. 1999 pt. II
  9. Schmeiß den Gasherd an
  10. Azzlackz sterben jung 2
  11. Anna Kournikova (feat. Miss Platnum)
  12. Haram para (feat. Kaaris)
  13. Seele
  14. 1999 pt. III

Gesamtspielzeit: 41:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@pascal
2018-04-14 11:04:41 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=rNhfieU2Xt8

das ist nicht polemisch?
Komische Prioritäten, die man hier aufstellt.
Was soll daran toll sein?
Wongo
2015-12-22 20:24:06 Uhr
Ich fíck meine Mudda.
Böhmischer Mann
2015-12-22 19:17:43 Uhr
Isch hab Polizei!!!
wixi
2015-12-22 19:07:24 Uhr
das neue mixtape haut ja voll rein :D

Affengitarre

Postings: 3957

Registriert seit 23.07.2014

2015-12-18 18:32:41 Uhr
Ich glaube, er ist schon seit einer ganzen Weile etwas dicker. Kommt wohl vom Wohlstand ;)
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