Dorian Concept - Joined ends

Dorian Concept- Joined ends

Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 17.10.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Melodiefetischist

Manchmal genügen eine mittelmäßige Webcam und ein kultiger Taschensynthesizer, um eine Karriere ins Rollen zu bringen. 2006 lädt Oliver Thomas Johnson unter dem Namen Dorian Concept ein YouTube-Video hoch, in dem er den Eindruck erweckt, seinen Microkorg-Synthesizer nicht spielen, sondern malträtieren zu wollen. Der junge Österreicher improvisiert, lässt seine Finger hektisch zwischen Keyboardtasten, Reglern und Mod Wheel hüpfen und präsentiert eine kleine Kostprobe seiner eigens entwickelten Spielweise. Ein paar Jahre später findet sich Johnson als Keyboarder auf der Flying-Lotus-Europa-Tour wieder; die Webcam ist Geschichte, ein Massenpublikum und das erste eigene Album werden Realität.

Für sein Zweitlingswerk "Joined ends" hat sich der Wiener viel Zeit genommen, Microkorg durch Wurlitzer-E-Piano sowie analoge Synthesizer ersetzt und beim Londoner Kultlabel Ninja Tune eine neue musikalische Heimat gefunden. Er hatte Zeit, in der Melodien aufgenommen, zerstückelt, neu zusammengesetzt und um weitere Melodien erweitert wurden. Schicht um Schicht, mal mit kontrapunktischem, mal mit synkopischem Charakter, aber immer mit dem Ziel, Texturen zu kreieren, die trotz ihrer Vielschichtigkeit nicht überladen wirken. Der Opener "The sky opposite" und das anschließende "Ann River, Mn" führen, verknüpft über ein melancholisches Glockenspiel, gemeinsam ein in diese dichte und organische Klangwelt Johnsons. Stakkatos und gebrochene Drum-Rhythmen treiben die Spannungskurve in die Höhe, minütlich angereichert um versetzte Melodiefolgen und detailverliebte Klangmalereien.

Hier geht es nicht mehr um clubtaugliche Tanznummern wie noch auf dem Vorgängeralbum "When planets explode". Ins Zentrum rückt stattdessen ein sensibles Gefüge aus Synthesizerflächen, manipulierten Vocals und mit Bedacht eingesetzten Rhythmen. Lediglich das wunderbare, beatlastige "Draft culture" erinnert noch an alte Zappel-Zeiten, verfügt aber zugleich auch über diese wärmenden und verträumten Soundteppiche, die Johnson auf "Joined ends" gekonnt zusammenstrickt. Das beatfreie "Nest nest" besinnt sich dann wieder auf die Schaffung eines Gefühlskosmos, dem man sich dank "The few" oder "Tophies" gemütlich hingeben kann.

"Joined ends" ist eines dieser Alben, die gerne am Stück gehört werden wollen; entfalten die Tracks ihre Sogkraft doch gerade dadurch, dass sie im Kontext der anderen als Teil eines Ganzen zur Geltung kommen. Und gerade hier liegt dann auch die Gefahr. Ein kurzes oder selektives Reinhören könnte das Hörerlebnis zu unspektakulär, zu beliebig erscheinen lassen. Johnson ist ein Melodiefetischist, auf den es sich nun mal einzulassen gilt.

(Alexander Klett)

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Highlights

  • Ann River, Mn
  • Draft culture
  • The few

Tracklist

  1. The sky opposite
  2. Ann River, Mn
  3. Mint
  4. Clap track 4
  5. Draft culture
  6. Schadentrauer
  7. Nest nest
  8. The few
  9. Trophies
  10. Do, undo, redo
  11. 11.04.2012
  12. Tried (now tired)

Gesamtspielzeit: 50:40 min.

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User Beitrag

Jennifer

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2014-12-11 01:01:07 Uhr
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