Take That - III

Take That- III

Polydor / Universal
VÖ: 28.11.2014

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hänger ohne Arsch

"Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch 'Official Gary Barlow Calendar 2015'". Na, läuft doch bei denen. Auch den Gary gibt's für's kommende Jahr schon zum Aufhängen. Da sage mal noch einer, bei Take That ginge nichts ohne Robbie Williams. Nun ist es auch tatsächlich schon wieder über vier Jahre her, seit die Boygroup aller Boygroups gemeinsam mit ihrer Skandalnudel Robbie ein Album namens "Progress" veröffentlichte. Dennoch hat die von vielen Weggefährten und Fans lange ersehnte Wiedervereinigung der Marke Take That gut getan – das belegen alleine schon ausgewählte Verkaufsdaten bzw. Chartplatzierungen: Im UK stolzierte "Progress" viele Wochen auf Nummer eins und wurde dabei das zweitschnellste Platin-Album der Musikgeschichte, auch hierzulande war der Status in kürzester Zeit erreicht. Und als Sahnehäubchen gab's 2011 den "Best British Band"-Award obendrauf.

Ja, es lief. Take That sind auch fast 20 Jahre nach ihrem Durchbruch noch eine dicke Nummer. Ob ohne, mit oder gar dank Robbie Williams, das spielt im Falle ihres neuen Werkes "III" sowieso keine Rolle. Denn gerade tendiert der Status der Band zwar nicht direkt zu "es ist kompliziert", aber schon klar zu "derzeit ohne Robbie". Denn der konzentriert sich – wie die ganze Welt, ob gewillt oder nicht, kürzlich gezwitschert bekam – jüngst eher auf's Nachwuchs-zeugen und betreibt nebenher eine Art ulkigen Geburtshelfer-News-Blog aus dem Kreissaal. Daher ist es nicht völlig überraschend, dass sich Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald – Jason Orange hat die Band ja im Guten verlassen – nun eben zu dritt Gedanken über die nächsten Schritte der Pop-Legende aus Manchester gemacht haben. Der erste solche für das passend betitelte "III" war "These days", Single und Opener und nicht nur im Kontext der Band-Historie ein unauffälliger aber annehmbarer Popsong, der typische Take-That-Harmonien aufgreift, aber auch in Richtung Synthie-Disko schielt.

Dennoch hat sich der Take-That-Sound aus früheren Tagen zumindest teilweise wieder bis knapp unter die Oberfläche geschlichen, was nicht unbedingt darauf zurückzuführen ist, dass sich der britische Dreier mit Greg Kurstin, John Shanks, Stuart Price und Jeff Lynne gleich vier Produzenten ins Studio einlud. So ist etwa "Give you my love" ein mehr als penetranter, aber irgendwo auch gelungener Popsong geworden. Ebenso wie der ohrwurmige, halbballadeske Abschluss "Get ready for it" sich nicht verstecken braucht. Unterm Strich hat die Band den Elektropop-Fokus im Vergleich zum Vorgänger ein wenig zurückgeschraubt, Synthies jedoch lauern auch auf "III" ganz zeitgemäß hinter jeder dritten Note. "Let in the sun" etwa wäre vor Jahren wohl eine hoffnungsvoll-romantische Halbballade geworden, die sich rein auf Barlows Klavierthema verlassen hätte, heute aber mit fordernden Chören und einem hüpfenden Synthie-Beat zur Party lädt. Und da wir gerade beim Positiven sind: Grundsätzlich ist "III" zwar keine besonders spannende Pop-Platte geworden, aber Take That züchten immerhin auch keinen bösartigen Ohren-Knorpel oder malträtieren Trommelfelle vorsätzlich. Naja, beinahe.

Über zwei offensichtliche Ausnahmen muss gesprochen werden. Denn den grausamen Killers-Gedächtnis-Beat aus "Day & age"-Tagen hat nicht mal das schlimme "Lovelife" verdient. Auch das schwülstig-nervige "Potrait" wird immer übler, je öfter der "ba-ba-da-da-ba"-Choral einstimmt. Ebenso gilt es sich zu fragen, ob Barlow, Owen und Donald – grundsätzlich ja durchaus talentierte Songschreiber – es sich mit etlichen Schablonen-Songs nicht manchmal viel zu einfach machen. "Higher than higher" oder "If you want it" sind solche Kandidaten, die zwischen repetitivem Nerv-Faktor und dem wenig schmückenden Prädikat "völlig belanglos" mäandern. "Flaws" kippt gegen Ende eher Richtung Avicii und "Freeze" versucht sich eher unbeholfen auf die Coldplay-Stadionbühnen zu robben. Ob zu fünft, als Vierer oder im Dreiergespann: Take That gehen munter ihrer Wege. Und "III" dudelt und dudelt, läuft und läuft. Bleibt im Gegensatz zum 2015er-Original-Barlow-Wandschmuck aber nicht wirklich hängen.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Let in the sun
  • Get ready for it

Tracklist

  1. These days
  2. Let in the sun
  3. If you want it
  4. Lovelife
  5. Portrait
  6. Higher than higher
  7. I like it
  8. Give you my love
  9. Freeze
  10. Into the wild
  11. Flaws
  12. Get ready for it

Gesamtspielzeit: 45:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Chorkenzieher
2014-12-13 10:54:32 Uhr
Det Album is aber ooch sehr avantgardistisch geworden.
Musik, die wirklich jedem gefällt. Total heavy und rührselig, wie ein kühles Bier am warmen Dezembermorgen in Herne. Auf Platz 1? Zurecht, aber nicht mit ohne.
Robbie wäre stolz, hätte Rosamunde Pilcher mit Adel Tawil Entern gefüttert und Lieder darüber verfasst. Vielleicht hören wir davon etwas auf dem nächsten TT-Album.
Zurecht
2014-12-04 23:15:46 Uhr
auf der 1!
Lesercharts
2014-12-04 18:43:50 Uhr
Ich habe sonst nichts im Leben! Powervoten ist mein liebster Zeitvertreib. Habe mir dafür eigens einen zweiten und dritten Rechner und diverse Proxys eingerichtet. Das ganze habe ich mir im WC aufgebaut. In der Wand ist ein kleiner Lüftungsschlitz, durch den ich die bestellte Pizza entgegen nehmen kann. So mussich mich nie mehr bewegen.
Lesercharts
2014-12-04 14:25:24 Uhr
Werte Mit-Trolle!

Sorgen wir dafür, dass Take That seinen verdienten Thron nie räumen muss!
Danke
2014-10-20 05:14:37 Uhr
für den Thread!

mach doch mal Threads zu guter Musik auf und nicht immer zu solchen Härtefällen.
oder es ist eine Art Humor, dann bin ich d´accord
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