Empire Dust - Empire Dust

Empire Dust- Empire Dust

Last Exit / Bellaphon
VÖ: 31.10.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Ruinprobe

Es gibt Musik, die mit der Zeit zu Staub zerfällt. Aus den Neunzigern etwa, so sehr man diese in milde gestimmter Nostalgie auch verklären mag. Wer zum Beispiel noch die Crossover-Recken Clawfinger kennt, wird sich erinnern, dass die Schweden historisch gesehen nach circa 15 Minuten zu stinken anfingen – und als dieses Jahr tatsächlich ein neues Body-Count-Album erschien, war es Plattentests.de noch nicht einmal eine Rezension wert. Vor dem Hintergrund eines derart klinisch toten Genres brechen zunächst also nicht gerade Jubelstürme aus, wenn nun Lord Kimo, Gründungsmitglied von Asian Dub Foundation, als Empire Dust mit einem Soundtüftler, einem Gitarristen und einem weiteren Wortsportler gemeinsame Sache macht. Riecht halt alles viel zu sehr nach Crossover. Weg kann dieses Album trotzdem nicht.

Nichts wie weg hieß es dagegen zeitweilig für Kimo – aus dem Vereinigten Königreich, bevor dieses genauso zu Staub zerfällt wie das Imperium im Namen seiner neuen Band. In Frankreich traf er auf Ghislain Baran, zu dessen aggressiven Elektro-Schraubereien Kimo sofort drastische Raps aus dem Mund purzelten. Geändert hat sich nämlich wenig seit Asian Dub Foundations "Fortress Europe"-Single, die 2003 von Dingen wie Finanzkrise oder Arabischem Frühling noch nichts wissen konnte. Empire Dust sind inzwischen schlauer – vor allem musikalisch. Bereits "Take over" setzt das Riff des frostigen New-Wave-Evergreens "I can't live in a living room" von den Belgiern Red Zebra unter Strom, während Kimo und Kollege MC Babatunde kämpferisch losteufeln. Furioser kann ein Opener kaum sein. Und in diesem hybriden Sinne geht es weiter.

Denn das Quartett denkt gar nicht daran, seinem Sound Stilgrenzen aufzuerlegen. Electro-Hop rammelt Post-Punk, Big Beats und drohende Synthies kumpeln derbe mit The Clash, von deren "The magnificent seven" Empire Dust bereits eine Coverversion online verschenkten. Zwar wissen die vier nur zu gut, dass viele Versatzstücke ihrer Musik nicht die neuesten sind, sie lassen aber genauso feine Selbstironie walten, wie sie dem Hörer eindeutige Verweise hinwerfen: Das unfeine Wort im Titel von "Dickhead (We love benefits)" übertönt konsequent das gepitchte Kreischen aus Chemical Brothers' "Block rockin' beats", das böse brodelnde "No rain" lässt bei den Worten "Another dimension / Pay close attention" kurz The Prodigy aufpoppen, nachdem der Titelsong mit Uptempo und zornigen Riffs schon einiges niedergewalzt hat. Massiv.

Das alles liest sich weitaus rückwärtsgerichteter, als es tatsächlich ist und klingt weniger nach Rückschau als nach aktuellem alternativem HipHop Marke Dan Le Sac minus seinen versponnenen Sozius Scroobius Pip. Sicher sind Absagen an raffgierige Finanzmanager und Aufforderungen wie "Think out the box" oder "Peace not war" alles andere als neu – aber pumpen Empire Dust diese mit grollenden Electronics, abgrundtief runtergedrehten Vocals und bollernder Gitarrenheizung auf, wird klar, dass sie nicht nur den Aufstand, sondern auch den Ruin einer längst aus den Fugen geratenen Welt proben. Und wie zum Hohn flüstert Kimo im düster schiebenden, bassgetriebenen Rausschmeißer: "They want my soul in the apartment." Doch zum Glück kann man mit Geld immer noch nicht alles kaufen. Dieses Album schon. Unbedingt sogar.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Take over
  • Dickhead (We love benefits)
  • Think out the box
  • The apartment

Tracklist

  1. Take over
  2. Dickhead (We love benefits)
  3. Empire dust
  4. No rain
  5. The future
  6. Twelve
  7. Scream
  8. Think out the box
  9. Look at me
  10. Peace not war
  11. The apartment

Gesamtspielzeit: 44:20 min.

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Armin

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2014-12-01 00:24:47 Uhr
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