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Morrigu - Before light / After dark

Morrigu- Before light / After dark

Ghost Sound Media
VÖ: 07.11.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Komm mal lecker bei die Omma

"Boah ey, fuffzehn Jahre Klampfen-Alarm ham wir getz aufem Buckel. Glaubse, ein Schwein von Plattentests hätte da mal angerufen? Nix, gar nix! Musse schon allet selber regeln ... Die vom Amt, die kümmert dat ja nich! Nur Bekloppte hier, also ehrlich! Abba hömma, Vadder, gib mich endlich mal die Schädelharfe, dat olle Knorpel-Xylophon vonne Omma is schon am Stinken! Ich brauch auch noch nen Sarg mit ordentlich Firlefanz dran, aber dalli! Weil wenne schon den Löffel abgeben kanns, dann wenigstens auch mit Niewoh..."

So grammatikalisch zweifelhaft könnten manche Einwohner im Ruhrgebiet über das neue Morrigu-Album urteilen. Zumindest, wenn dieser O-Ton von der arbeitslosen Arbeitslosen-Vorzeigefamilie Schwakowiak stammen würde, berüchtigt aus der Fernseh-Comedy-Serie "Switch reloaded". Und sofern dieses Pärchen in gleicher Weise aus den ersten "Büchern des Blutes" eines längst geläuterten Kinderliteraten namens Clive Barker zitieren müsste, souffliert vom kölschen Proll-Rock-Original Jürgen Zeltinger. Anstatt hier aber weiter unhaltbare Verschwörungstheorien über den Ruhrpott und seine Verbindungen ins benachbarte Rheinland oder gar über den Ärmelkanal hinaus zu spinnen, übernimmt an diesem vertrackten Punkt besser die ehrenamtliche Labertüte von Plattentests.de. Das spart schließlich nicht unerhebliche Kosten. Denn selbst hier in der Redaktion gilt das trotzige Credo, dass Geiz der allergeilste Club der Welt sei. Außerdem plant der Chef, seine frisch bezogene Mahagoni-Lounge noch vor Neumond mit einigen Praktikantinnen... ähem, einzuweihen. Ein gewaltiger Posten, der berücksichtigt werden muss.

Schluss mit der Blödelei. Morrigu meinen es schließlich ernst mit ihrer Musik. "Before light / After dark" liefert bestechende Argumente für den Schwermetall-Produktionsstandort Schweiz. Dort sollte man spätestens seit den maliziösen Celtic Frost ohnehin mit allem rechnen, was schattige Probekeller und eine gut gefüllte Schminkschatulle hergeben. Doch erstens verzichten die vier Musiker prinzipiell auf alberne Bemalungen und zweitens fällt der von ihnen servierte musikalische Eintopf zwar ebenfalls recht bleihaltig, aber kein bisschen unverdaulich aus. Stattdessen gibt es knusprig groovenden Deathcore mit erstaunlich unprätentiösen Melodiebögen und vielen kleinen Finessen zu bestaunen. Man darf ausnahmsweise wirklich einmal verspannt sein, dass diese CD endlich ihren totenstarren Hemdkragen lüftet.

Hat das einminütige Intro nämlich gerade eben noch äußerst sanftmütig an der oberen Knopfleiste genestelt, geht es der hervorquellenden Brustbehaarung gleich ohne langes Vorspiel an die kaputten Spitzen. "Before light" kombiniert Epilation und Kurpackung in einem, rupft dem Hörer mit wutschnaubendem Gekeife zunächst jedes Härchen einzeln aus, bevor ihm das liebkosende Gitarrenriff den frischen Schorf augenblicklich wieder von der wunden Titte krault. Ein hitziges Stück Coiffeur-Metal, das die Thorax-Frisur zügig niederbrennt, statt sie langatmig zu föhnen. Der überzeugte Mittelscheitel-Träger Shane Embury von Napalm Death hätte bestimmt ebenso seine gestriegelte Freude daran. Das einer wütenden Lobpreisung gleichende "My curse, my sweet revenge" und "Black messiah" mit fast schon Disturbed-verdächtigen Harmoniebögen hinterlassen gleichfalls tiefe Eindrucksschneisen in den Matten neugieriger Hörer. Wie überhaupt der pathosschwangere Doom ihres 2009er Debüts "The niobium sky" einem nach Weiterentwicklung geifernden, wohlwollenden Zorn gewichen ist, der den Burschen verdammt gut zu Frisur steht.

Die Band hat einige Fluktuationen hinter sich, denen unter anderem ein extra angeheuerter Shouter zum Opfer fiel, weil er gegen die Grunzrechte verstieß. Seither wollen Morrigu anscheinend jedoch nicht mehr allein durch lautstarkes Knallen gefallen, sondern sie können sich obendrein durch lauthalses Schreien befreien. Langer Rede, kurzer Reim: Der alte und neue Sänger Severin hat anscheinend ungelöschten Kalk gefressen und speit im ambitioniert-poppigen "It's getting dark" all seine Frustration in die Welt hinaus, wo er in älteren Stücken meist noch krampfhaft weihevoll um die eigentlichen Probleme herumgeeiert ist. Was die zufrieden pluckernde Drumbox in "A new beginning" wiederum einen feuchten Kehricht schert, solange sie es binnen zweier Minuten so ordentlich von euphorischen Gitarrensalven besorgt bekommt, wie hier geschehen. Der nahtlose Übergang zu "Homeless and ostracized", einer apart walzenden Boysetsfire-Moritat auf das Alleinsein, fällt da erst gar nicht mehr auf.

Interessanterweise weicht die Eingängigkeit der ersten Stücke nach hinten immer mehr einer überwältigenden Kompromisslosigkeit, wie man sie zumeist vom Metalcore kennt, gebrochen allerdings durch vielerlei kleine Stilwechsel, die sonst eher Usus bei Bands wie NoMeansNo oder gar Future Of The Left sind. Morrigu sind jedoch schlau genug, sich keiner einzigen Glaubenslehre allein hinzugeben. Das macht sie zu einem vortrefflichen Konsens-Anwärter auf die spätere Beschallung in den Seniorenzentren, wenn dort erst genügend Heavy-Metal-Rentner eingezogen sind, was sicherlich nicht mehr allzu lange dauern wird. Freuen wir uns also darauf, dass wir Omma Schwakowiak dereinst krächzen hören: "Kindchen, komm mal lecker bei die Omma, wir brüllen getz zusammen dat Schlaflied mit die Toten!" – denn sich so nachhaltig ins Ruhridiom einzubrennen, bedeutete den transeuropäischen Ritterschlag für die Schweizer. Ob sie sich den auf Dauer verdienen werden?

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • My curse, my sweet revenge
  • It's getting dark
  • A new beginning

Tracklist

  1. Intro
  2. Before light
  3. My curse, my sweet revenge
  4. Black messiah
  5. It's getting dark
  6. A new beginning
  7. Homeless and ostracized
  8. The day of a new society
  9. Decived
  10. Suicide nation
  11. After dark

Gesamtspielzeit: 37:58 min.

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Jennifer

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2014-11-25 21:47:24 Uhr
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