Röyksopp - The inevitable end

Röyksopp- The inevitable end

Embassy One / Warner
VÖ: 21.11.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wrack 'n' Roll

Durch den TÜV kommen Röyksopp mit der Kiste sicherlich nicht. Der Steinschlag an der Frontscheibe scheint mehr ein Felsschlag gewesen zu sein und stellt selbst jemanden wie Carglass-Ronny vor größte Probleme. Der Spiegel behält alle unfotogenen Visagen für sich, allerdings auch sämtlichen Verkehr. Und wenn die Delle an der Fahrertür sich noch mehr streckt, kann sie Svein Berge die Rippen kraulen – unabhängig davon, wie fest der sich ans Lenkrad krallt. "If you want to ride with us", formulierten die Norweger im Vorfeld ihre Offerte und leiteten auf eine Seite, über die sie regelmäßig für kurze Zeit Songs aus "The inevitable end" vorstellten – vor dem Hintergrund des beschriebenen Wracks, in dem Berge und Torbjørn Brundtland sitzen.

Im Prinzip müsste man jetzt auf Mama hören und nicht bei fremden Onkels einsteigen, aber es sind ja Röyksopp, die in "Skulls" die Totenköpfe zusammenstecken und ihr Angebot mit Vocoder-Stimmen erneuern. Röyksopp, die Fernsehmacher noch heute vor Dankbarkeit für "Eple" und "Poor Leno" an der Haustür kratzen sehen. Das Duo, das für verschiedene Sängerinnen eine zweite Künstler-Heimat und insgeheim die nie existente, wenngleich bessere Bandhälfte war: Anneli Drecker, Karin Dreijer Andersson – und Robyn. Die jahrelange Allianz zwischen der Schwedin und Röyksopp mündete in einer Tour zur kürzlich gemeinsam veröffentlichten "Do it again"-EP. Darauf enthalten: "Monument". Aus dem sphärischen Electro-Schleicher mit Jazz-Interludes haben die Norweger für ihr fünftes Studioalbum ein Clubbrett gemacht, das bei aller postulierenden Freude im Überschwang des drückenden Beats Wehmut verbreitet: "Let go of how you knew me / Let go of what I used to be."

Einen ähnlichen Effekt nutzt das großartige "I had this thing", das "Crying at the discotheque" einen neuen Sinn verleiht und die Fortschreibung von Robyns "Dancing on my own" sein könnte. Ein trauriges Stück Musik, zu dem die Beine zappeln, während der Kopf schon weinen will und Feiern weit entfernt scheint. Das funktioniert, weil der Transporteur dieses Gedankenguts Jamie McDermott von The Irrepressibles ist. Hörbar angekratzt, fragil, erschüttert und schlicht wunderbar. So ist dieses Autowrack symbolisch gar nicht so falsch. "The inevitable end" gleicht einer Fahrt mit kaputter Karosse, bugsiert emotional angekratzte Seelen unter glänzender Electro-Optik. Röyksopp entwickeln auf der ersten CD dieses Albums einen Fluss, fokussieren sich stärker als jemals zuvor auf die Texte und lassen die Musik erst im zweiten Schritt diesem Strom folgen.

Im Vordergrund also lässt Susanne Sundfør Diamanten wie Sand in der Hand zerbröseln, sorgt McDermott ein ums andere Mal mit zittriger Stimme für anrührende Momente und fragt Robyn unentwegt "What the fuck is wrong with you?" Musikalisch ummalen Röyksopp die Geschichten mit breiten Flächen, Ambient, Electronica, Streichern, vielen Querverweisen zur facettenreichen Daft-Punk-Diskographie, zu Giorgio Moroder, Air, gar zu William Orbit, vermischt mit Deep-Tracks wie "Compulsion" und dem Robotik-Finale "Thank you". Das ist der eigentliche Schlussstrich unter diese Platte, nicht etwa die losgelöste Beigabe der zweiten CD. Ein würdiger Abschluss unter das Kapitel Studioalbum. "The inevitable end" ist ihr letztes. Und seit dem Debüt ihr bestes. Kreis: geschlossen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Monument (T.I.E. Version)
  • I had this thing
  • Running to the sea
  • Compulsion
  • Something in my heart

Tracklist

  • CD 1
    1. Skulls
    2. Monument (T.I.E. Version)
    3. Sordid affair
    4. You know I have to go
    5. Save me
    6. I had this thing
    7. Rong
    8. Here she comes again
    9. Running to the sea
    10. Compulsion
    11. Coup de grace
    12. Thank you
  • CD 2
    1. Do it again (Ryxp Version)
    2. Goodnite, Mr. Sweetheart
    3. Caramel afternoon
    4. Oh no
    5. Something in my heart

Gesamtspielzeit: 71:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2015-06-27 21:42:11 Uhr
Ich finde, hier und da hätte etwas Kürzung gut getan. Aber schon ein gutes Album.

Dielemma

Postings: 448

Registriert seit 15.06.2013

2015-06-27 20:59:20 Uhr
heute mal wieder gehört, sehr positiver Gesamteindruck bleibt erhalten.

Dielemma

Postings: 448

Registriert seit 15.06.2013

2014-12-10 19:09:42 Uhr
schöner Remix von Sordid Affair:
https://soundcloud.com/mixmag-1/premiere-royksopp-sordid-affair-maceo-plex-remix

Dielemma

Postings: 448

Registriert seit 15.06.2013

2014-11-26 20:24:31 Uhr
CD ist endlich da und CD2 ist tatsächlich eher überflüssig.
Insgesamt gibt es auch aus meiner Sicht bessere Alben dieses Jahr, aber kein anderes habe ich so emotional aufgenommen und trägt mich beim Hören auf dem Vibe mit dieses.
Daumen hoch!
OuterHeaven
2014-11-18 09:03:32 Uhr
Der japanische Bonustrack "I just don´t understand you" ist auch angenehm.
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