Woods Of Birnam - Woods Of Birnam

Woods Of Birnam- Woods Of Birnam

Royal Tree / Broken Silence
VÖ: 07.11.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Musik, größer als die Bühne

Das erste Lied "I call thee Hamlet" gibt gleich die Richtung des Albums vor: Es ist 5:20 Minuten lang, beinhaltet das altertümliche, englische Wort "thee" für "you" und es birst vor Gitarren- und Keyboardspuren. Für so viel Pathos und Drama braucht es halt ein wenig länger. Mit Zwei-Minuten-Krachern ist bei Woods Of Birnam nicht viel zu machen. Die Lieder ihrer gleichnamigen Platte sind deshalb im Durchschnitt vier Minuten lang und werden musikalisch begleitet von Philipp Makolies, Uwe Pasora, Ludwig Bauer und Christian Grochau - einstmals besser bekannt als Polarkreis 18. Den dichten Gitarrensound haben sie in die neue Band übertragen. Und weil Christian Friedel – ja hinlänglich als Schauspieler bekannt – ebensowenig ein Freund des schlichten Sprechgesangs ist, wie es Felix Räuber bei Polarkreis 18 war, führt er den raumgreifenden, elegischen Gesang fort.

Da ist es fast schon nur noch eine Selbstverständlichkeit, dass Tobias Siebert das Album produziert hat. Genau, der von Klez.e und And The Golden Choir. Ihr seht, der Bombast wird nicht weniger. Die Schönheit aber auch nicht. Friedel ist einer der wenigen Schauspieler, die man nicht auf der falschen Bühne wähnt, wenn sie anfangen zu singen. Vielleicht weil er mit Woods Of Birnam auch auf der Theaterbühne steht und im Film so schlicht daher kommt. In jedem Fall kann er sich den Background-Gesang leisten und sieht gut aus dabei. Selbst die Ausflüge in den allzu mainstreamigen Achtziger-Jahre-Pop, wie bei "Dance", kann man ganz gut verzeihen und an einem späten Freitagabend oder frühen Samstagmorgen sogar abfeiern.

Naja, insgesamt überwiegt auf "Woods Of Birnam" definitiv das "Ich" bzw. "I" in den Texten. Die sind kein Blick auf die Gesellschaft oder den Zeitgeist, sondern ein Blick in das Gefühlsleben und die Befindlichkeit des Erzählers. Es sind Fragen, die er – oder sie – sich stellt, Ängste oder Regungen, die geschluchzt, gejammert oder notfalls auch geschrien werden wollen. Der immense Pathos, in den Woods Of Birnam die Empfindsamkeit hüllen, bietet dabei den nötigen Schutz, den zum Beispiel ein Liedermacher, der sich alleine mit seiner Gitarre und traurigen Liebesliedern dem Publikum stellt, nicht hat. Wie eine dicke Schicht Zuckerglasur schützen die fetten Gitarrenspuren und Keyboardmelodien, aber auch das Englisch der Texte, den empfindsamen und verletzbaren Kern vor Sätzen wie "Na so richtig politisch ist das jetzt nicht". Nein, ist es auch nicht. Es ist Musik zum Träumen. Es ist persönliche Musik, die auf die große Bühne will und nicht in die Tagesschau.

(Kerstin Petermann)

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Highlights

  • I'll call thee Hamlet
  • The healer
  • Falling

Tracklist

  1. I'll call thee Hamlet
  2. The healer
  3. Closer
  4. Remembrance
  5. Horizon
  6. Falling
  7. Soon
  8. Down
  9. Dance
  10. Apparition
  11. Daylight
  12. Woods of Birnam

Gesamtspielzeit: 52:00 min.

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User Beitrag

Shitesite

Postings: 16

Registriert seit 01.03.2015

2015-03-25 19:22:29 Uhr
Ich fand die Platte nicht so prickelnd. Live kommt die Atmosphäre deutlich besser rüber und auch die Stimme von Christian Friedel ist weitaus beeindruckender. http://www.shitesite.de/2015/03/21/woods-of-birnam-moritzbastei-leipzig/
Ben
2014-11-07 13:39:28 Uhr
Wunderschönes Album. Melancholie und Anspruch gehen hier eine hörenswerte Symbiose ein. Zudem eine Stimme, die keinen Plafond zu kennen scheint, mit einer spielerischen Leichtigkeit zwischen Kraft und Zartheit hin und her pendelt und die Musik mühelos zu tragen imstande ist. Dermaßen berührende Stimmen findet man nicht alle Tage.

Armin

Postings: 13828

Registriert seit 08.01.2012

2014-11-05 23:40:25 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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