Godflesh - A world lit only by fire

Godflesh- A world lit only by fire

Avalanche / Indigo
VÖ: 10.10.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

So finster die Nacht

Hat jemand mal Feuer? Man sieht ja die Hand vor Augen nicht. Dann müssen wir uns wohl aufs Gehör beschränken. Und das tut weh. Wie immer bei Godflesh, der Band des Briten Justin Broadrick, hyperaktiver Musiker, Produzent und Ex-Mitglied von Napalm Death. Doch was will man erwarten? Er war nun einmal einer der ersten, der Ende der Achtziger entschleunigten Grindcore am Rande des Hirnschlags mit maschineller Präzision und tödlicher Monotonie zusammenbrachte. Und Broadrick wird herzhaft gegähnt haben, als sein damaliges Label Earache Records wenig später Morbid Angel von Laibach remixen ließ, das psychotische Geschredder der Khanate-Vorläufer OLD in eine Techno-Zentifuge steckte und die Londoner Gabba-Extremisten Ultraviolence unter Vertrag nahm. So weit war er doch schon längst gewesen.

Da war es kein Wunder, dass Broadrick Godflesh nach dem eher schwachen Album "Hymns" auflöste und unter Pseudonymen wie Jesu, JK Flesh oder Krackhead in Richtung Drone-Doom, Horror-Dub oder Industrial-Hop weiterzog. Wo er inhaltlich das fortsetzte, was schon der frühen Maxi "Cold world" den Titel gab: Trotz Extrem-Metal-Vergangenheit ging es Broadrick nie um Gesudel und Entbeinungsphantasien, sondern ähnlich wie seinem einstigen Techno-Animal-Mitstreiter und dem jetzigen The-Bug-Mastermind Kevin Martin um die Finsternis in den (a)sozialen Brachen einer Gegenwart, die mit den Schwachen und den Verlierern des Systems keine Gnade kennt. Und wenn im Song "Mothra" vom 1994er Meilenstein "Pure" ein Rieseninsekt der sogenannten Menschheit den Garaus macht, dann hat sie sich das redlich verdient.

Es war also nicht gerade abzusehen, dass heute das erste Godflesh-Album seit 13 Jahren vorliegt. Aber das ist gut so. Es wäre vermessen zu sagen, Broadrick werde gebraucht – doch einer mehr von seinem Schlag kann sicher nicht schaden. Und so entwirft er zusammen mit Bassist C. G. Green und einer auf maximales Stoikertum gestellten Drummachine zehn monströse Songs, die keinerlei Spaß verstehen. Auf "A world lit only by fire" geht es nämlich nicht um das Feuer, an dem jesusbelatschte Hippies zarte Folkwaisen singen, sondern um die Fackel in der Hand des modernen Höhlenmenschen. Dieser pocht auf das Recht des Stärkeren und brennt die Wellpappenhütten all derer nieder, die leider auf der Strecke bleiben müssen. Nein, in Godfleshs Welt möchte man nicht leben. Doch man sollte ein Ohr riskieren.

Auch wenn sich in kürzester Zeit massives Dröhnen darin breitmacht. Zu tieffrequent und gnadenlos gehen Broadrick und Green von Anfang an zu Werke. Keine Spur von den perkussiven Dance-Anklängen in "Slavestate", der vergleichsweisen Schwermut von "Black boned angel" oder gar einem abgezirkelten Nu-Metal-Brecher wie "Crush my soul", der Godflesh einmal zu kurzlebigen MTV-Ehren verhalf. Stattdessen schrauben sich Stücke wie "Deadend" oder "Shut me down" unaufhaltsam in ein Fegefeuer, in dem bösartig kreisende Riffs und heiseres Gebrüll die armen Seelen knechten, peinigen und auspeitschen. Beim fleischfressenden Stakkato von "Life giver life taker" scheint schon alles zu spät zu sein, würde Broadrick nicht plötzlich gequält verlangsamt-melancholische Mantras singen. Ein Hauch von Menschlichkeit?

Zumindest ist nicht zu leugnen, dass sich aus den repetitiven Songgranaten mit der Zeit ein absonderlicher Groove herausschält – und Godflesh auch in der Lage sind, das Steuer herumzureißen. So schleppt sich "Obeyed" anfangs genauso gramgebeugt daher wie alles andere auf "A world lit only by fire", findet sich dann aber wie durch ein Wunder auf einer zerbombten Tanzfläche wieder. "Carrion" gibt hingegen einen wunderbar sehnigen Primitiv-Rocker ab, ehe dieses höllisch intensive, wenn auch nur unwesentlich nach oben oder unten ausschlagende Album mit dem fast achtminütigen Klagegesang "Forgive our fathers" endet. Doch natürlich wird auch dieser Wunsch ein unerfüllter bleiben. Alles liegt im Dunkeln. Ein Licht für die Welt? Vergesst es. Das ist sie ohnehin nicht wert.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Deadend
  • Shut me down
  • Obeyed
  • Carrion

Tracklist

  1. New dark ages
  2. Deadend
  3. Shut me down
  4. Life giver life taker
  5. Obeyed
  6. Curse us all
  7. Carrion
  8. Imperator
  9. Towers of emptiness
  10. Forgive our fathers

Gesamtspielzeit: 53:57 min.

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dreamweb

Postings: 119

Registriert seit 14.06.2013

2016-09-27 12:13:31 Uhr
Klasse Album. Waren auch live eine absolute Macht.

Corristo

Postings: 36

Registriert seit 22.09.2016

2016-09-27 12:08:52 Uhr
Wer hätte gedacht, dass Broadrick nach Jesu noch mal mit so einem Album um die Ecke kommt? Wäre vermessen, es den alten Sachen gegenüberzustellen und es ist insgesamt auch nicht besser. Aber noch kompromissloser, härter, höllischer als jemals zuvor scheinen sie hier doch irgendwie zu klingen.

boneless

Postings: 1641

Registriert seit 13.05.2014

2014-08-05 18:50:03 Uhr
decline and fall war aber alles andere als eine offenbarung. na mal sehen.

Steev Mikki

Postings: 737

Registriert seit 07.08.2013

2014-08-05 18:48:19 Uhr
Die waren immer ziemlich gut.

Armin

Postings: 10359

Registriert seit 08.01.2012

2014-08-05 18:36:48 Uhr


GODFLESH ANNOUNCE DETAILS OF FIRST ALBUM IN 13 YEARS, SHARE NEW SONG AND ANNOUNCE UK TOUR DATES. A WORLD LIT ONLY BY FIRE SET FOR OCTOBER 6 RELEASE

LISTEN TO "NEW DARK AGES" HERE:
https://soundcloud.com/godflesh-2/new-dark-ages/s-Az4VJ

Industrial metal innovators Godflesh have announced the details of their highly anticipated full length A World Lit Only By Fire, set for an October 6 release on their own Avalanche Recordings label. The album arrives on the heels of June’s Decline And Fall EP, which was met with widespread acclaim for its effortless synthesis of the duo’s fan-favoured early albums, themselves groundbreaking genre experiments that pioneered an integration of electronic music’s bombastic rhythms, metal’s bludgeoning force, and post punk’s aural atmospherics. Whereas the new EP succeeded by fulfilling listener expectations, the full length exceeds them; delivering a full force exploration of the furthest boundaries of Godflesh’s extreme sonics, and then pushing beyond them, detailing the rich musical experience accrued in the dozen year span and countless musical projects (Jesu, Final, Vitriol, Greymachine, Techno Animal, etc.) between recordings.

The duo, comprised of legendary talents of Justin Broadrick (also of Jesu, JK Flesh, Techno Animal, Pale Sketcher, and more) and GC Green, formed in 1988 in the same fertile Birmingham, UK scene that forged the talents of Napalm Death, Carcass, and Head of David among many others. Initially disbanding in 2002, the band resumed live performances in 2010 and began the arduous work of crafting a follow up to 2001’s Hymns. The resultant self-recorded ten song set mounts the thin line between high definition clarity and raw, visceral heaviness, inducing a meditative state via seething minimalism that hinges on ritualistic riff repetition and the tenuous membrane between anxiety-inducing dissonance and cathartic minor key melody.



A WORLD LIT ONLY BY FIRE TRACK LIST

1. New Dark Ages
2. Deadend
3. Shut Me Down
4. Life Giver Life Taker
5. Obeyed
6. Curse Us All
7. Carrion
8. Imperator
9. Towers of Emptiness
10. Forgive Our Fathers

A WORLD LIT ONLY BY FIRE DECEMBER UK TOUR DATES

Tue 09.12.14 The Haunt Brighton
Wed 10.12.14 Garage London
Thu 11.12.14 Rescue Rooms Nottingham
Fri 12.12.14 Sound Control Manchester
Sat 13.12.14 Art School Glasgow


FOR MORE INFORMATION:

http://www.avalancheinc.co.uk/
https://www.facebook.com/pages/Justin-K-Broadrick/118373041529126
https://twitter.com/JKBroadrick
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