Lucinda Williams - Down where the spirit meets the bone

Lucinda Williams- Down where the spirit meets the bone

Thirty Tigers / Al!ve
VÖ: 26.09.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Amerika in 20 Songs

Lucinda Williams muss sicher niemandem mehr etwas beweisen. Nicht nur wegen der diverser Grammy Awards, die bei ihr zu Hause über dem Kamin stehen. Williams ist auch das beste Beispiel dafür, dass man auch mit Mitte 30 nicht zu alt für einen musikalischen Durchbruch ist. In diesem Alter veröffentlichte sie nämlich 1988 ihren Folk-Klassiker "Car wheels on a gravel road". Noch ein bisschen mehr Zeit gelassen hat sie sich für ihre vielleicht ambitionierteste Platte. "Down where the spirit meets the bone" ist eines dieser Doppelalben, die von vorne bis hinten funktionieren, vor Kreativität sprühen und sich auch nach 100 Minuten Spielzeit nicht in irgendwelchen Sackgassen verlaufen haben. Kurz: ein Meisterwerk.

Williams verbindet auf der Platte vieles, das amerikanische Folk- und Rockmusik in den vergangenen Jahrzehnten großartig gemacht hat: das raue Nuscheln Springsteens, das Erzählerische von Dylan, die melodische Sanftheit von Emmylou Harris und die Kratzbürstigkeit von Joan Jett, um nur ein paar zu nennen. "Down where the spirit meets the bone" ist eine Hommage an und ein Denkmal für amerikanische Musik. Die erste Hälfte beginnt mit einem vertonten Gedicht ihres Vaters Miller Williams: "Have compassion for everyone you meet / Even if they don't want it / You do not know what wars are going on down there / Where the spirit meets the bone." Die eigenen Gefühle und die Befindlichkeiten der Gesellschaft stehen auf den meisten der 20 Songs im Mittelpunkt.

Dass es dabei nie kitschig zugeht, ist auch Williams' eigenen Texten zu verdanken, die sich zwischen gelassener Melancholie und nüchterner Aufrichtigkeit bewegen. Statt zwanghaftem Humor und großen Protestgesten pflegt "Cold day in hell" eine stille Aufmüpfigkeit und der großartig-sumpfige Country-Schleifer "West Memphis" grummelt sich ein bisschen eingeschnappt, aber dann doch mit souligem Chor durch den politischen Status Quo. Etwas leichtfüßiger geht es beim Thema Liebe zu. "Wrong number" und "Stand right by each other" behandeln zwar auch eher das Trümmerfeld zwischenmenschlicher Beziehungen, lassen sich aber einen kleinen Hoffnungsschimmer nicht nehmen.

Die Blueseinflüsse scheinen schon auf den ersten zehn Songs vor allem gegen Ende häufiger durch, auf der zweiten Hälfte übernehmen sie dann ganz das Ruder. "Down where the spirit meets the bone" wandelt sich dann von einer vornehmlichen Folkrock-Platte zu einem Bluesalbum, das gekonnt zwischen schnörkellosen, aber gefühlvollen Standardvariationen wie "Walk on", langsamen Brütern wie "Big mess" und kopfnickenden Rockern wie "Everything but the truth" changiert. Und auch auf die Gesamtlänge gesehen findet sich kein einziger Ausfall. Im Gegenteil: Melodien, Gitarrenlicks und Songzeilen fast jedes Stücks drängeln sich auf immer engeren Raum im Gehörgang.

Da ist es nur konsequent, dass diesem Album nie die Puste ausgeht. Nach über 90 Minuten Kurzweiligkeit biegt Williams mit "Magnolia", dem längsten Stück des Albums auf die Zielgerade, besinnt sich nochmals für zehn Minuten zurück auf den Folkrock der ersten Hälfte und endet mit einer Zerbrechlichkeit und Flüchtigkeit, die sich im Vergleich zum Rest ein bisschen in Understatement übt, aber ein schöner Schlusspunkt zum dichterischen Pathos des Eingangssongs ist. Dabei könnte sich Williams ein bisschen Übertreibung durchaus leisten. Schließlich handelt es sich bei "Down where the spirit meets the bone" um ein Meisterwerk.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Compassion
  • West Memphis
  • Something wicked this way comes
  • Magnolia

Tracklist

  • CD 1
    1. Compassion
    2. Protection
    3. Burning bridges
    4. East side of town
    5. West Memphis
    6. Cold day in hell
    7. Foolishness
    8. Wrong number
    9. Stand by each other
    10. It's gonna rain
  • CD 2
    1. Something wicked this way comes
    2. Bis mess
    3. When I look at the world
    4. Walk on
    5. Temporary nature (Of any precious thing)
    6. Everything but the truth
    7. This old heartache
    8. Stowaway in your heart
    9. One more day
    10. Magnolia

Gesamtspielzeit: 103:07 min.

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Jennifer

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2014-10-22 21:02:02 Uhr
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