Slipknot - .5: The Gray chapter

Slipknot- .5: The Gray chapter

Roadrunner / Warner
VÖ: 17.10.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Carnaval grande

Slipknot stehen mit ihrem fünften Album am Kreuzweg: entweder vollkommener Triumph oder vollendetes Versagen. Auf ".5: The Gray chapter" bedienen sich die durchnummerierten, auf Sieben eingeschrumpften Maskenmannen in vielen Töpfen. Die Entwicklungen und Erfahrungen diverser Projekte fließen in die als Comeback fungierende Memorial- und Gedenkplatte für den 2010 sehr früh an überdosierten Medikamenten verstorbenen Bassisten Paul Gray ein. Somit ist das für Gray dedizierte Album mithin ein kleines Wunder: Nicht so sehr die Tatsache, dass nach der 2008er Enttäuschung "All hope is gone" wieder kreativer auf die Saiten gedroschen wird, als vielmehr, dass Output Nummer 5 in der Finalität des Todes stehend und durch personale Rationalisierung bestimmt (Duracellkraftpaket-Drummer Joey Jordison verließ 2013 die Band) überhaupt in dieser Qualität zustande kam. Slipknot stümpern musikalisch in keiner Weise herum. Maggots können sich freuen.

Sänger Corey Taylor beschreibt den Sound von ".5: The Gray chapter" als eine Mischung aus der berserkernden Wut des 2001er Blutbrockens "Iowa" und dem vermutlich ambitioniertesten Album der Band, "Vol. 3: (The subliminal verses)", mit dem sie neben aggressivem Vollidioten-Gepose endlich musikalische Artistik entdeckten und sich als ernst zu nehmende Künstler mit Vision präsentierten. Ebenjene Platte war und ist die aufregendste Transformation im Maskenmassakerkosmos. Ist seiner Definition zuzustimmen? So ursympathisch der Mann auch sein mag, liegt er in seiner Einschätzung doch nicht ganz richtig. Die Filigranität des dritten Outputs erreicht ".5: The Gray chapter" nur bedingt und die Wut von "Iowa" kommt ebenso wenig in unverdünnter Härte zu tragen. Am ehesten erinnern Songs wie "Nomadic" in zitathaften Versatzstücken an die gute alte 2001er-Zeit. Doch die 13 ins Land gezogenen Jahre hinterlassen tiefe Spuren, vor allem lässt sich "All hope is gone" nicht einfach wegdenken, das entscheidungsarm irgendwo zwischen progressiven Elementen des Vorgängers und dem melodiösen Taylor/Jim Root-Seitenprojekt Stone Sour pendelte. Unausgegoren, vielleicht aus Angst vor dem eigenen Mut, der einer konventionelleren Selbstpositionierung wich, ohne zu wissen, wie die Einflüsse kanalisieren und im massentauglichen Format sammeln.

".5: The Gray chapter" setzt da an, wo "All hope is gone" im Jahr 2008 aufhörte. Unter der Hauptaufsicht von Produzent Greg Fidelman mutieren Slipknot zu einer härteren, kontrastreichen Variante von Stone Sour. Neben dem brüchigen, knöchernen, melodiösen und reduzierten Trauerkloß "XIX", einem hochaufragenden Highlight, stehen hochwertige, für diese Band typische Hasstiraden des Kalibers von "Psychosocial" wie "Sarcastrophe" oder "The devil in I". Songs wie "Lech" und "Custer" geben sich unerbittlich. Immer wieder jedoch finden sich melodiöse Versatzstücke, zumeist im Refrain, obgleich auch das Balladeske nicht fehlt ("If rain is what you want"). Die Produktion weist große soundtechnische Differenziertheit auf und gibt den Songs den nötigen Druck.

Slipknot halten einen Triumphzug. Wer weiß, wie ".5: The Gray chapter" mit Paul Gray und Joey Jordison geklungen hätte. Aber "Was-wäre-wenn" spielt im Angesicht der Qualität dieser Songs keine Rolle. Die Unschlüssigkeit, die "All hope is gone" bestimmte und das vierte Album zu kaum mehr als einem Ausruhen auf dem eigenen, abgesteckten Feld werden ließ, weicht wieder klaren, dezidierten Vorstellungen, die sich hörbar im Songwriting niederschlagen. Die Massenkompatibilität von Stone Sour wird meisterlich mit der bekannten Aggressivität Slipknots befriedet und zu runden Kompositionen abgeschlossen, die genug Wut transportieren, um sich im Moshpit blutig zu pogen – aber ebenso viel Verletzlichkeit besitzen, um diese verständlich werden zu lassen. Höchstens das Verschweigen, wessen Identität sich hinter der Maske des grandiosen Schlagzeugers verbirgt, der ".5: The Gray chapter" einprügelte, kann man dem Siebener Übel nehmen.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • XIX
  • The devil in I
  • Lech

Tracklist

  1. XIX
  2. Sarcastrophe
  3. AOV
  4. The devil in I
  5. Killpop
  6. Skeptic
  7. Lech
  8. Goodbye
  9. Nomadic
  10. The one that kills the least
  11. Custer
  12. Be prepared for hell
  13. The negative one
  14. If rain is what you want

Gesamtspielzeit: 63:51 min.

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Mister X

Postings: 2442

Registriert seit 30.10.2013

2016-07-03 16:25:57 Uhr
https://m.youtube.com/watch?v=I5SaE4FmKpc

wie gesagt inofiziell. aber corey hatte sich mal drueber geaeußert und meinte ernsthaft begeisstert zu sein und was offizilles mit dem bieber zu machen
hey
2016-07-03 15:19:15 Uhr
man muss es erstmal schaffen einen inofiziellen remix mit bieber hinzubekommen !

wovon sprichst du? bitte mal link zeigen. danke.
Mister XY
2016-07-03 15:11:16 Uhr
Slipknot sind die geilstöööön!
Metal on \m/

Mister X

Postings: 2442

Registriert seit 30.10.2013

2016-07-03 14:33:36 Uhr
jay besser als joey ? aber auch nur wenn man ihn besser finden will. all hope is gone war zwar unnoetig aber dafuer noch recht gut. man muss es erstmal schaffen einen inofiziellen remix mit bieber hinzubekommen !

edegeiler

Postings: 1307

Registriert seit 02.04.2014

2016-07-03 02:26:51 Uhr
Joey Drumming vermisse ich kein bisschen. Jay wischt damit weitestgehend den Boden auf. Pauls songwriting ist weg, aber jim hat gut übernommen. Besser als der thrash-bastard all hope is gone ist es allemal
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