Queens Of The Stone Age - Songs for the deaf

Queens Of The Stone Age- Songs for the deaf

Interscope / Motor / Universal
VÖ: 26.08.2002

Unsere Bewertung: 10/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Taubenschlag

Das dritte Album. Hiermit entscheidet sich die Zukunft einer Band. Hopp oder Topp. Arm oder reich. Tranfunzel oder heller Stern. Eine der vielen ungeschriebenen Regel des Musikbusiness mißt eben diesem dritten Album diese ungeheuer schwerwiegende Bedeutung zu. Für manche Bands aber gelten andere Gesetze. Obwohl "Songs for the deaf" tatsächlich das dritte Album unter dem Namen Queens Of The Stone Age ist, haben alle maßgeblich Beteiligten das Stadium "drittes Album" schon weit hinter sich gelassen. Zu allem Überfluß ist auch die Bezeichnung "Band" schon deutlich unzureichend.

Das, was die Queens darstellen, nannte man früher mal Supergroup. Eigentlich schien dieser Begriff mit dem Ende von Cream seine Existenzberechtigung verloren zu haben, aber mit dem Erscheinen von "Songs for the deaf" bleibt keine andere Wahl. Eine bessere Bezeichnung für das, was sich hier formiert hat, wird man kaum finden. Mit Dave Grohl wurde ein Schlagzeuger der Extraklasse verpflichtet, und Mark Lanegan gibt eine dritte Stimme in den Bandsound, die Schauer den Rücken hinuntertreibt. Daß Nick Oliveri ein hervorragender Bassist ist, wird viel häufiger übersehen als die druckvolle und unglaublich eigenständige Gitarrenarbeit von Josh Homme. Dazu kommt eine Gästeliste, auf der so klangvolle Namen wie Chris Goss, Gene Trautmann und Dean Ween stehen.

All das wäre aber weitgehend wertlos, wenn in der Zusammenarbeit dieser großen Namen und Talente die Chemie nicht stimmte. Davon allerdings kann hier so gar nicht die Rede sein. Wild mischen die Königinnen die Ingredenzien ihres bunten Cocktails in den Reagenzgläsern zusammen. Immer wieder wechselt das Gebräu seine Farbe, es knallt, und plötzlich steigt dicker, violetter Rauch auf. Josh Homme nimmt einen tiefen Schluck aus dem noch dampfenden Becherglas und hebt ab. Seine sanfte, klare Stimme tanzt durch den fast schon sturen Groove von "No one knows", schwebt über Riffmonstern wie "First it giveth" und erklimmt die Sound-Wände, die in "The sky is fallin'" errichtet werden.

Wenn die Stimmung aggressiver, diabolischer und böser sein soll, schiebt sich Nick Oliveri vors Mikro und läßt markerschütterndes Gebrüll wie in "You think I ain't worth a dollar, but I feel like a millionaire" ab. Dann zeigt er bei "Another love song" unerwartet, daß er auch Gesang im herkömmlichen Sinne, mit Melodie und allem drum und dran, beherrscht. Mark Lanegan schließlich ist für die mystischen Seiten zuständig, besingt den "Hangin' tree" und veredelt am Ende des Albums die vielleicht größte Überraschung: "Mosquito song" ist eine waschechte Ballade, völlig kitschfrei, dafür aber mit einem Arrangement gesegnet, für das Ben Folds lange auf einen sehr guten Tag hätte warten müssen. Streicher, Akkordeon, Hörner und Latino-Gitarren werden sorgsam zu einem Ruheplatz geformt, ein gelungener Kontrapunkt zum schweißtreibenden Rock des Restalbums und sozusagen die Chill-Out-Zone von "Songs for the deaf". Hier beantwortet Mark Lanegan auch die Frage, wie dieses Album eigentlich funktioniert: "The further I go, the less I know". Oder in Joshs Worten: "I want something good to die for, to make it beautiful to live".

Ein weiteres Rätsel gibt der Albumtitel auf. Was sollen Taube mit einer Musik-CD anfangen? Abgesehen davon, daß man Musik natürlich auch mit anderen Sinnen wahrnehmen kann, sind Gehörlose hier gar nicht gemeint. Die "Songs for the deaf" sind vielmehr ausgerechnet denen gewidmet, die sie aus Desinteresse, Ignoranz oder anderen Gründen nie hören werden. Und da die musikalische Heimat solcher Ignoranten im kommerziellen Dudelfunk liegt, sind die Songs des Albums auch durch die Ansagen von "Radio-DJs" miteinander verknüpft. Natasha Shneider von Eleven spielt eine davon. Sie darf den Titelsong ansagen und findet dafür die besten Worte, um die Quintessenz dieses grandiosen Werks auf den Punkt zu bringen: "Here's something you should drop to your knees for and worship." Dem ist nichts hinzuzufügen.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • First it giveth
  • A song for the dead
  • The sky is fallin\'
  • Go with the flow
  • Mosquito song

Tracklist

  1. You think I ain't worth a dollar, but I feel like a millionaire
  2. No one knows
  3. First it giveth
  4. A song for the dead
  5. The sky is fallin'
  6. Six shooter
  7. Hangin' tree
  8. Go with the flow
  9. Gonna leave you
  10. Do it again
  11. God is in the radio
  12. Another love song
  13. A song for the deaf
  14. Mosquito song

Gesamtspielzeit: 60:53 min.

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Affengitarre

Postings: 4798

Registriert seit 23.07.2014

2019-06-08 22:15:26 Uhr
Manche stört sowas, und wenn ich das oft hören würde, würde mich das wohl auch ein wenig nerven. Aber ja, die sind schon oft geil.

The MACHINA of God

Postings: 15473

Registriert seit 07.06.2013

2019-06-08 21:37:29 Uhr
Die Einspieler sind für ich inzwischen fast mit das beste. :D

Affengitarre

Postings: 4798

Registriert seit 23.07.2014

2019-06-08 21:04:07 Uhr
Ich höre das Album mittlerweile zwar nicht mehr so regelmäßig, aber wenn es dann mal läuft, dann bin ich hin und weg. Das kraftvolle Drumming, die Riffs, dieses Roadtripfeeling. Und wenn man es nur gelegentlich hört, stören die Einspieler auch nicht wirklich.
Majestät
2018-12-23 22:36:51 Uhr
Das Debüt hat auch noch I Was a Teenage Hand Model der definitiv weird ist aber auch sexy.

nörtz

Postings: 5239

Registriert seit 13.06.2013

2018-12-23 22:35:52 Uhr
Mexicola!
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