Robin Schulz - Prayer

Robin Schulz- Prayer

Tonspiel / Warner
VÖ: 19.09.2014

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Du wiederholst Dich

Als Laurent Garnier im Jahre 2000 seinen Song "Man with red face" veröffentlichte, staunte die Musikwelt nicht schlecht. Der französische Techno-Pionier ließ schummrige House-Arrangements und jazzige Saxophon-Virtuosität miteinander verschmelzen. Ein Novum, das Begeisterung auslöste, heute aber wohl niemanden mehr von den Socken haut. Zu sehr ist das Holzblasinstrument (sic!) mittlerweile Bestandteil der elektronischen Tanzmusik. Egal ob Klangkarussell, Klingande, Faul & Wad Ad oder auch Bakermat, alle bedienen sie sich mittlerweile nicht nur an Lisa Simpsons Goldstück, sondern verwursten gerne auch Gitarren-, Streicher- oder Pianoklänge zu chillig-seichten Deep-House-Tracks. Radiokompatibler Electro, den die Massen feiern und die Underground-Szene zur Weißglut bringt.

Robin Schulz, DJ und Produzent aus Osnabrück, bringt nun mit seinem Debüt-Album "Prayer" neuen Zündstoff in die Angelegenheit. Das Techno-Volk ist gespalten. Zu viel Kommerz, so der Vorwurf. Und wahrlich, kommerziell erfolgreich ist Robin Schulz allemal. Mit seinem Remix zu "Prayer in c" von Lilly Wood & The Pricks gelang dem 27-Jährigen ein kometenhafter Aufstieg, sein erstes eigenes Album wurde mit Spannung erwartet. Und nicht wenige werden sich jetzt verwundert die Augen reiben, denn "Prayer" ist kein Producer-Album im klassischen Sinne, sondern mehr ein Sammelsurium an Remixen – etwa von Alligathoas "Willst Du" –, Gastbeiträgen und einigen selbstproduzierten Tracks. Klingt nach Abwechslung? Mitnichten. Die 20 Songs, alle um die drei Minuten lang, legen keinen Wert auf Tiefgang oder ein Gefühl von Klangentwicklungen. Getreu dem Baukaustenprinzip verwursteln mal Robin Schulz, mal einer seiner Gast-Acts kurze Samples zu repetitiven Loops, die sich mit einem anspruchslosen House-Beat konsequent durch den jeweiligen Song peitschen. Arrangiert wird das Ganze nach dem immer gleichen Prinzip. Auf Loops mit House-Beat folgt ein Break, der dank White-Noise-Rausch-Effekt die Spannung erhöhend, wieder in Loop plus House-Beat mündet. Ein Stilmittel, das durch seine inflationäre und unverdeckte Präsenz eine gewisse Penetranz entwickelt.

Und doch schafft es "Prayer", trotz relativ ideenloser Arrangements, diese nötige Leichtigkeit zu transportieren, um sie in Clubs, Radios oder TV-Reality-Shows in Dauerschleife laufen zu lassen. Robin Schulz' Talent liegt wahrlich darin, ein Gefühl für wohlgefällige Sounds und Sommerhits zu besitzen. Songs wie "Prayer in c", "Waves" oder "Sun goes down" besitzen diese Eingängigkeit, die einem jeden im Ohr bleiben, ob man will oder nicht. Massenmusik im wahrsten Sinne des Wortes, elektronisch verpackt. Den Laurent Garnier aus dem Jahre 2000 hätte "Prayer" wahrscheinlich umgehauen. Ob im positiven Sinne, lässt sich wohl bezweifeln.

(Alexander Klett)

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Highlights

  • Waves (Robin Schulz Radio Edit)
  • Warm minds (Radio Mix)

Tracklist

  1. Prayer in c (Robin Schulz Radio Edit)
  2. Willst Du (Radio Mix)
  3. Sun goes down (Radio Mix)
  4. No rest for the wicked (Robin Schulz Edit)
  5. Rather be (Robin Schulz Edit)
  6. We don't have to take our clothes off (Radio Mix)
  7. House on fire (Radio Mix)
  8. Taking me home (Radio Mix)
  9. Never know me (Radio Mix)
  10. Snowflakes (Radio Edit)
  11. Waves (Robin Schulz Radio Edit)
  12. Warm minds (Radio Mix)
  13. Wrong (Radio Mix)
  14. Summer nights (Radio Mix)
  15. Spree Ahoi (Radio Edit)
  16. Hier mit Dir (Robin Schulz Radio Mix)
  17. Changes (vs. Pnau) (Robin Schulz Remix - Radio Edit)
  18. A sky full of stars (Robin Schulz Edit)
  19. Whatever (Radio Mix)
  20. In the morning light (Radio Mix)

Gesamtspielzeit: 66:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Transphaser
2017-05-29 17:55:06 Uhr
Anspruchslose Produktionen für die anspruchslose Masse gab es seit eh und je... Prinzipiell wäre es mir egal, wenn ich durch diese Entwicklungen nicht jeder "ich bin trendy und hab Plan von angesagter Musik" -Tussi erklären müsste, dass Schulz und co eben nichts mit "Electro" zu tun haben, auch wenns jeder Honk nachplappert... Bei Namen wie "The Hacker" oder Kraftwerk steigen sie dann aus...
Njo
2014-11-27 19:06:55 Uhr
Der Song ist auch nicht von ihm. Er remixte nur. Und seine Frisur sieht aus, als hätte man ihm auf sein Haupt gesch......

Mainstream

Postings: 1864

Registriert seit 26.07.2013

2014-10-28 18:52:55 Uhr
Prayer in C ist textlich mMn ein klasse Song. Als Diskofüller hats auch seinen dunklen Charme. Auf Albumlänge nicht auszuhalten.

Andi

Postings: 87

Registriert seit 14.06.2013

2014-10-06 22:06:45 Uhr
Schöne Rezension.
üagh
2014-10-02 17:47:46 Uhr
irgendwie klingt doch jeder song von dem gleich...
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