Laetitia Sadier - Something shines

Laetitia Sadier- Something shines

Drag City / Rough Trade
VÖ: 26.09.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unusual business as usual

Bedeutende Bands werfen meist schon vor ihrem großen Durchbruch ihre Schatten voraus. Das nennt sich dann Avantgarde, der Erfolg antizipiert, die popkulturelle Bedeutung auch. Stereolab wurde einst dieser Avantgarde-Charakter bescheinigt, ordentlich linkes bis marxistisches Sendungsbewusstsein noch dazu; heute sind Stereolab fast vergessen, auch wenn über 250 Referenzen auf plattentests.de ein wenig dagegen sprechen. Das grandiose "Emperor tomato ketchup" ist fast nur noch Enthusiasten ein Begriff. Britpop hat Mitte der 90er Jahre alles überrollt. Nun versucht sich die Französin Laetitia Sadier, einst ein Kopf von Stereolab, schon zum dritten Mal an einem Solowerk und findet endlich auch hier Beachtung. Das Sendungsbewusstsein ist auf "Something shines" geblieben, Armut und die "catastrophe nucléaire" sind hier integraler Bestandteil der sich zwischen klassischem Chanson und Elektropop windenden Klänge mit kleinen Krautrock-Anleihen.

Eine hervorragende Eröffnung des Drittwerks liefert "Quantum soup", das gleich zu Beginn Blech- und Holzbläser um sich schart und zunächst ein instrumentales Spektakel abliefert, bevor Madame Sadier auf Französisch einsetzt. Allzu viel hat sich musikalisch somit zur Hochphase von Stereolab und zu ihrem Projekt Monade nicht verändert. Das anschließende "Then I will love you again" zeigt dann mit knapp drei Minuten die indiepoppigere Seite auf. Das Herzstück auf "Something shines" ist die goldene Mitte, beginnend mit dem kurzen, psychedelischen Space-Pop-Song "Release from the centre of your heart", das vom mehr als doppelt so langen, dreigeteilten "Butter side up" abgelöst wird: Der erste und dritte Teil melancholisch dahinschwebend; der zweite Teil Krautrock infiziert – Musik als Träger von Ideen, wie Kraftwerk es einst ausdrückten. Einfach haben es Stereolab damals nicht gemacht, und wollten dies auch nicht. Laetitia Sadier ist sich diesem Grundsatz treu geblieben. Brüche, brennende Fragen und Brachialitäten durchziehen diese Dreiviertelstunde und stören immer wieder gekonnt den Fluss.

Am Ende siegt das Leben: Das auf Französisch vorgetragene "Life is winning" beschließt das anstrengende Vergnügen, das Laetitia Sadier der geneigten Zuhörerin, dem geneigten Zuhörer darbietet. Klingeln und Dröhnen lassen es zugrunde gehen. Also "unusual business as usual", auch wenn von Avantgarde hier nicht mehr die Rede sein kann. Die Gewissheit siegt, dass man manchmal Fünfe gerade sein lassen muss und die bittere Realität Realität. Etwas scheint immer. Die Freude siegt. Eine Freude ist es auch, jedes Detail auf diesem Album zu entdecken, Avantgarde hin oder her.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Quantum soup
  • Release from the centre of your heart
  • Butter side up

Tracklist

  1. Quantum soup
  2. Then I will love you
  3. The milk of human tenderness
  4. The scene of the lie
  5. Release from the centre of your heart
  6. Butter side up
  7. Transhumance
  8. Echo port
  9. Oscuridad
  10. Life is winning

Gesamtspielzeit: 45:12 min.

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Randwer

Postings: 965

Registriert seit 14.05.2014

2014-10-09 18:34:19 Uhr
Mir gefällt das Album sehr gut. Derzeit wächst es noch mit jedem Durchlauf.:)

Armin

Postings: 13820

Registriert seit 08.01.2012

2014-10-06 21:35:09 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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