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...And You Will Know Us By The Trail Of Dead - IX

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead- IX

Superball / Universal
VÖ: 17.10.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schaum mer mal

Alben werden zu Romanen mit CD-Beilage, Cover mindestens handgedängelt bis mundgeblasen, Stücke neu angeordnet, mit Übergängen versehen, als Longtracks zusammengefasst: Fehlende Kreativität und/oder Zerstörungswut im Umgang mit dem eigenen Material lässt sich ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead nun wahrlich nicht vorwerfen. So auch auf der Bühne: In der Regel kreist hier so lange die Whiskey-Flasche, bis Jason Reece ansprechend in Rowdy-Laune ist und Conrad Keelys Stimmbänder stellvertretend für den Rest der Band final aus den Latschen kippen. Motto: So hackevoll wie das Publikum können wir schon lange – weshalb wir auch gar nicht erst zu den alten Hits ermuntert werden müssen, sondern sie ganz von alleine einfordern. Schluss damit, findet Album Nummer "IX". Nicht nur beweisen die vier Texaner hier, dass sie den eigenen Backkatalog auch nach acht Alben und drölfmilliarden Konzerten noch unfallfrei durchzählen können, und das auch noch auf Latein, Holla die Waldfee. Nein: Nachdenklich und vom Verlust gezeichnet, eher introspektiv statt explosiv sollten Themen und Songs sein, jegliche Ablenkung ausgespart werden. Und da ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead entgegen aller Unkenrufe stets hypergenau wissen, was sie tun, spürt man das bei "IX" mit jeder Note.

Conrad Keelys Stimme passt perfekt auf diese Grundstimmung. Teils, wie bei "Jaded apostels", singt er derart entspannt und zu leicht tieferen Klangfarben, dass der Hörer erstmals keinerlei Sorge ob der Live-Umsetzung verspürt. Ein Prinzip, das sich auch durch die ergreifenden Akkorde des ganz hervorragend folkrockenden "Bus lines" zieht, dessen Soundwände zudem vielleicht nicht eben zufällig die flimmernde Dichte von Buffalo Toms Früh-Meisterwerk "The bus" erreichen. Jason Reeces Organ hat da schon sehr viel weniger auf dieser Platte verloren. Damit seine Stimme dennoch passt, haben sich ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead auch für sie etwas einfallen lassen. Da klingt der Refrain von "Lie without a liar" ob seines Background-Gesangs schon einmal, als ob Linkin' Park eine auch nur ansatzweise respektable Band wären. Und auch bei "The ghost within" wirkt der Kontrast zwischen Keelys über die Klavier-Dreiklänge geschwungenen Melodien und Reeces verbalen Stinkefingern derart stark, dass der Song kurzfristig in eine Art Deutschpunk-Ballade abzurutschen droht.

Keine Frage, dass ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead dennoch immer die Kurve kriegen. Und verhindern lässt sich diese Gefahr ohnehin nicht: Denn natürlich ist Reeces Stimme vor allem eines, nämlich Lautstärke. Dass er selbst bei einem vollbesetzten Motörhead-Konzert vom anderen Ende der Halle ein Bier bestellen könnte, stimmt nach wie vor. Entsprechend sitzt er den nicht wirklich ruhig instrumentierten, doch elegischeren Harmonien von "IX" eher auf. Für seinen Lead-Gesang bei "Lost in the grand scheme" wird zwar nicht die Geschwindigkeit, dafür aber die Instrumentenstärke zunächst einmal hochgefahren, bevor sich auch dieser Song in ein fünfminütiges Outro versteigt, das seine Dynamik deutlicher als je zuvor dem Postrock entleiht. Dass auch die zunächst indierockende, sodann in Drama-Score-Streicher aufbrechende Dublette aus "The dragonfly queen" und "How to avoid huge ships" nichts anderes im Sinn hat und zudem in der Limited-Version von "IX" das ebenfalls spürbar postrockende "Tao of the dead, part III" (erstmals überhaupt auf Datenträger) beigelegt ist, rundet Bild und Album kongenial ab.

Was "IX" dennoch nicht ganz den Olymp früherer Großtaten erklimmen lässt, sind die ersten schweren Schritte, die das Album aufs Parkett legt. In der Tat versammelt das Anfangs-Trio rund um "Jaded apostels" jede Menge über die Toms gerollte Beats, schreddernde Achtel- und Sechzehntel-Riffs und Reece-typische Notensprünge. Trotz Wiederholungsgefahr wäre dies gewiss kein weitreichendes Problem, wenn diese Songs nicht zum Wohle des Album-Zusammenhalts mit spürbar angezogener Handbremse operieren würden. Und das ist nun wirklich das Allerallerletzte, was man von dieser Band hören möchte. Zudem wirklich sehr schade, denn spätestens ab "The ghost within" ist dies hier die wohl atmosphärisch dichteste Platte, die ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead Zeit ihres Bestehens hingelegt haben. Derart dicht, dass der Hörer zunächst gar nicht bemerkt, wie die beiden abschließenden Songs den Herzschlag des Albums auf Orientalik, Prog, Pauken, Streicher und Trompeten umdrehen. Letztlich ist in "IX" also doch wieder alles drin, was ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead seit neun Alben versucht und vollbracht haben. Mit gebremstem Schaum vor dem Mund, der ihnen allerdings – ahemm – sehr gut zu Gesicht steht.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • The ghost within
  • The dragonfly queen
  • How to avoid huge ships
  • Bus lines
  • Sound of the silk

Tracklist

  1. The doomsday book
  2. Jaded apostles
  3. A million random digits
  4. Lie without a liar
  5. The ghost within
  6. The dragonfly queen
  7. How to avoid huge ships
  8. Bus lines
  9. Lost in the grand scheme
  10. Like summer tempests came his tears
  11. Sound of the silk

Gesamtspielzeit: 47:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 7295

Registriert seit 26.02.2016

2021-05-21 16:35:48 Uhr
Vor allem halt mit den gleichen alten Songs. Auch da gibt es so viel, was ich gern mal hören würde (und sie ja bei den Albumshows immerhin auch gespielt haben).

Leech85

Postings: 211

Registriert seit 15.03.2021

2021-05-21 16:34:05 Uhr
Ja leider lassen sie oft vieles davon weg. Mit Ausnahmen, Aged Dolls, Will you smile again, Isis Unveiled. Finde allgemein die Setlisten sind zu sehr mit den alten Songs gespickt.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26153

Registriert seit 07.06.2013

2021-05-21 14:02:34 Uhr
Verstehe nicht weshalb die Band damals auf der Tour immer nur Songs von der ersten Hälfte gespielt hat.

Habe eh das Gefühl, dass sie die epischeren Sachen live oft auslassen. Ich denke das liegt daran, weil sie das live schlecht reproduzieren können, da dann wohl mehr Musiker nötig wären.

Leech85

Postings: 211

Registriert seit 15.03.2021

2021-05-21 13:49:02 Uhr
sehr gut ist immer gut.

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 17502

Registriert seit 10.09.2013

2021-05-21 13:30:05 Uhr
Der Opener ist für mich ein Highlight, ansonsten stimme ich dem Tenor der besseren zweiten Hälfte zu. Der Höhepunkt ist allerdings das Ships/Bus/Scheme-Triple, die letzten beiden Tracks finde ich "nur" sehr gut.
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