Radio Doria - Die freie Stimme der Schlaflosigkeit

Radio Doria- Die freie Stimme der Schlaflosigkeit

Polydor / Universal
VÖ: 12.09.2014

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Auf den Sender

Die Legende wirkt vielversprechend: Der Bandname "Radio Doria" sei aus der Erinnerung an schlaflose Nächte in seiner Kindheit entstanden, in denen er auf einem alten Weltempfänger die abenteuerlichsten Sender gehört habe, erklärt Jan-Josef Liefers. "Die freie Stimme der Schlaflosigkeit", nennt er nun seinen eigenen "Sender". Der legt allerdings die Vermutung nahe, dass für jemanden, der im geschlossenen System der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, vielleicht auch der Westdeutsche Rundfunk schon in die Kategorie "abenteuerlich" fällt. Denn in dessen Nachtprogramm, in dem das Sendungsbewusstsein eher nicht über "bloß niemanden stören" hinausgeht, könnten sämtliche Lieder laufen, die es auf diese Platte geschafft haben. Der Titel "Die freie Stimme der Eintönigkeit", hätte die hier übertragenen Inhalte deshalb zweifellos deutlich besser getroffen.

Keine Frage: In den Untiefen der Rundfunkanstalten lauern noch viel schlimmere Gefahren, als die hier vertretenen, stets schunkeltauglich angelegten Ausflüge ins Land der bemühten Metaphern. Doch die Abwesenheit jeglicher Experimentierlust enttäuscht doch arg: Die Truppe erweist sich als ungefähr so mutig, wie ein Festkomitee, das im 25. Jahr in Folge sein traditionelles Dorfschützenfest organsiert. Nach dem immer gleichen Schema springt im Refrain das Kuscheltier aus der Kiste, begleitet von Chören, die hymnisch "uuuh" und "oooh" jubilieren. Unter dem Namen Oblivion, der ersetzt wurde, weil ihn sich eine amerikanische Heavy-Metal-Combo schützen ließ, musiziert die Gruppe schon seit über einem Jahrzehnt gemeinsam. Da ist es schon seltsam, dass "Die freie Stimme der Schlaflosigkeit" nun wie das Debüt einer Nachwuchskapelle klingt, die ihren einzigen Hit auf Albumlänge streckt.

Die Gesangsleistung des Schauspielers ist dabei keineswegs schlecht, seine Stimme tönt angenehm sanft und klingt erstaunlich jung. Dieser Eindruck könnte indes auch durch die Kompositionen verfärbt sein, die in all ihrer plüschigen Harmlosigkeit an eher jugendliche Vertreter der Deutschen Popmusik wie Virginia Jetzt! oder Echt erinnern. Der Texter Jan-Josef Liefers wäre derweil in jedem Tatort schon nach wenigen Minuten des Verbrechens an der deutschen Sprache überführt. Für Zeilen, wie sie etwa "Sehnsucht Nr. 7" eröffnen, taugt wirklich kein Alibi dieser Welt noch zur Aufrechterhaltung der Spannung: "Heute ist ein schöner Tag / Obwohl ich mich heut' selbst nicht mag / Ich bin so oho, ohohoho / Heute bin ich mir zu viel / Ich hab' den ganzen Tag nur ein Gefühl / Das ist so oho, ohohoho", heißt es da. Kommissar Thiel, übernehmen Sie!

(Andreas Beckschäfer)

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Highlights

  • Verlorene Kinder
  • Blutmond

Tracklist

  1. Verlorene Kinder
  2. Liebe ist nicht wie Du
  3. Radio Doria
  4. Unbeschreiblich
  5. Helden
  6. Gute Nachrichten
  7. So sieht man sich wieder
  8. Rückenwind
  9. Sehnsucht Nr. 7
  10. Ein Halleluja
  11. Blutmond
  12. Mondlicht

Gesamtspielzeit: 49:09 min.

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