Hozier - Hozier

Hozier- Hozier

Island / Universal
VÖ: 03.10.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Süßer die Glocken nie klingen

Man kann es versuchen, es wird nicht gelingen: Hat man den Refrain der ersten Single des Iren Hozier einmal gehört, trällert man ihn morgens unter der Dusche und abends beim Abendessen mit der Familie. In "Take me to church" bimmeln die Glocken, stampft das Klavier, und die erdigen Gitarren ebnen den Weg zum letzten Gefecht. Und dann auch noch der Text: Der 24-Jährige kritisiert in seinem einnehmenden Post-Blues-Song die Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen. Trotz des harten Tobaks enterte Hozier mit seinem Song in den vergangenen Monaten die europäischen Charts und verführte im Sommer in Deutschland das Festival-Publikum.

Hozier, eigentlich Andrew Hozier-Byrne, kramt für sein langerwartetes Debüt-Album Gospel-Standards hervor, lässt in den meisten Songs einen himmlischen Chor erklingen, hat großflächige Orgel-Arrangements im Aufgebot und besitzt auch noch eine Stimme, die ganz sicher auch beim Motown-Label eingeschlagen hätte. Die Songs des jungen Iren erinnern mal an die kratzigen Nummern von Ben Harper, an die Verspieltheit des John Butler Trios oder auch an die Lässigkeit von G. Love And Special Sauce. Die Vorabsingle "Take me to church" überstrahlt zwar das Album, doch beweisen auch die zwölf anderen Songs der Platte, dass Hozier zumindest eine Idee für zeitgeistigen Blues-Sound im Kopf hat.

Zu den Soul- und Blues-Fundamenten gesellen sich zärtliche Folk-Versatzstücke, wie etwa in der traurig-schönen Akustik-Nummer "In a week", die auch Eddie Vedder auf sein Soloalbum gepackt hätte. Im Country-Noir-Song "It will come back" packt Hozier eine Slide-Gitarre aus und fleht zu schweren Pauken. "Cherry wine" ist beinahe so zärtlich wie John Lennons "Norwegian Wood", und die groovige Storyteller-Nummer "Jackie and Wilson" explodiert in ihrem Becken-Schepper-Refrain. Das alles ist ziemlich ambitioniert und informiert, gleichwohl die Songs offensichtlich das größtmögliche Publikum suchen.

Die Rufe werden lauter, Hozier als männliche Antwort auf Adele zu feiern, manche wollen in ihm gar den Nachfolger des gewichtigen Van Morrison erkennen. Ganz gleich, wie man es dreht und wendet: Das Debüt-Album von Hozier ist ein wuchtiges und ziemlich zeitgeistiges Blues-Stück. Das fährt in Körper und Geist, auch wenn man das alles etwas zu prätentiös und vielleicht auch pathetisch findet. Hozier sucht sein Heil in Pomp und Prunk, das kann gutgehen, aber nicht auf Dauer.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Take me to church
  • Someone new
  • Cherry wine

Tracklist

  1. Take me to church
  2. Angel of small death and the codeine scene
  3. Jackie and Wilson
  4. Someone new
  5. To be alone
  6. From eden
  7. In a week (Feat. Karen Cowley)
  8. Sedated
  9. Work song
  10. Like real people do
  11. It will come back
  12. Foreigner's god
  13. Cherry wine

Gesamtspielzeit: 53:41 min.

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Musicfreak

Postings: 27

Registriert seit 09.12.2014

2014-12-29 14:11:53 Uhr
Als Hozier Fan finde ich auch, dass sich die Rezension besser liest als letztendlich bewertet. Meiner Meinung nach hat das Album auch mindestens eine 8 von 10 verdient. Schaut euch mal das Interview an-> http://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/interview-mit-hozier.html Super Kerl der Hozier :-)
Mic
2014-11-04 23:34:40 Uhr
Also ich finde Take me to a church musikalisch eher einer der schwächeren Songs auf dem Album. Aber das geht wohl nur mir so. Für mich der Übersong eines wirklich tollen Albums: Work Song. Die Bewertung hier ist nun wirklich ein Witz.

afromme

Postings: 379

Registriert seit 17.06.2013

2014-10-22 22:04:12 Uhr
7/10 würde ich letztlich sagen. Recht solide 7/10 sogar.
Was aber nervt: Klassischer Teilnehmer an den Loudness Wars. Über Kopfhörer deshalb nur schwer zu hören, weil vieles latent übersteuert ist. Nervig vor allem deshalb, weil die Arrangements eigentlich ein bisschen mehr Raum bräuchten statt dass sich nun alle Instrumente und Gesangsspuren nahe der Pegelspitzen drängeln.

afromme

Postings: 379

Registriert seit 17.06.2013

2014-10-02 23:36:46 Uhr
Die Rezension liest sich eher wie eine 7 bzw. 8 von 10.

Stimmt.
Was das Album selbst betrifft schwanke ich noch zwischen 6 und 7/10. Demnächst nochmal auf dem PC auf Spotify hören - auf dem Mobilgerät ist ja bloß Zufallswiedergabe mit anderem Kram dazwischengemischt.
Ich finde
2014-10-02 15:27:07 Uhr
Die Rezension liest sich eher wie eine 7 bzw. 8 von 10.
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