Gerard Way - Hesitant alien

Gerard Way- Hesitant alien

Reprise / Warner
VÖ: 26.09.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Sommernachtstraum

Kluges Songwriting entspringt oftmals nicht dem Kopf, sondern den Eingeweiden. Zwischen Kopf und Bauch pendelt auch Gerard Way, früher Sänger der aufgelösten My Chemical Romance. Freigespielt von sämtlichen Emo-Allüren und Attitüden seiner dem musikalischen Opiat namens Theatralik verfallenen ehemaligen Band, geht es bei "Hesitant alien" weniger um großes – und teils wirres – Konzept und um XXL-Trash-Opulenz im Geiste der neueren Rock-Operetten von Green Day, als vielmehr um den Versuch, sich von der eigenen Vergangenheit zu emanzipieren, ohne diese zu verleugnen. Geglückt ist dieses Unterfangen dem Mann, der mehr Farbe als Haare auf dem Kopf hat, jedoch nur bedingt. Doch statt eines kläglichen Versuchs, liefert Way vielmehr Ziele: ein verspieltes, bis an den Rand der Überproduktion hochgepeitschtes Album, das die alten Geister von My Chemical Romance erneut ruft, dabei aber schönheitschirurgisch viel unnützes Fett absaugt.

Der Opener "Bureau" gibt sogleich die Marschrichtung vor. Mit schwer pumpender Rhythmik drückt sich Way gut gelaunt in den Breitbein-Rock mit exaltiert-verspielter Intonation und von da direkt in den Powerpop'n'Roll der ersten Single "Action cat". Mit jeder Menge Selbstverständnis wird der eigene Hintergrund zitiert, ohne jedoch in Zuckerwatte zu versinken: Das Schlagzeug pumpt wie ein aufgebrachtes Herz kurz vor dem Bersten, die Vitalwerte werden mit aufgewühlten Gitarren in adrenalinflationäre Höhen geschraubt und münden schließlich im lieblich gesäuselten "Ohhh-ohhh"-Chor des alternativrockigen "No shows". Das besitzt die Qualität, wohl auch die düsterste Spätherbstmelancholie in einen Sommernachtstraum zu verwandeln.

Wo das britpoppige "Brother" noch zu später Stunde zum Schaukeln animiert, verarbeitet "Zerozero" mit industrialisiertem Rock die Pseudo-Überkandideltheit eines Marilyn Manson direkt zu Sägemehl. "Juarez" könnte auch von Billy Corgan im Stil der melodiöseren Hole aufgenommen worden sein – einem Corgan aus den Neunzigern jedoch, als dieser noch Songs schreiben konnte. Von der qualitativ hochwertigen Quotenballade "Drugstore perfume" abgesehen lässt Way oftmals auch die leicht verdunkelte Oregon-Sonne an seine Songs, von deren Strahlen auch Everclear profitieren konnten.

Doch so sehr sich Way auch bemüht: Er bleibt Gerard Way und damit ein Herzstück von My Chemical Romance. "Hesitant alien" ist die Antwort eines Mannes auf die Zukunft, der dem Bauchgefühl und damit seiner Vergangenheit huldigt, ohne diese gänzlich zu wiederholen, denn der Kopf ist auf das Künftige ausgerichtet. Das ist nicht nur für ihn gut, sondern auch für seine Hörerinnen und Hörer.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Bureau
  • Action cat
  • Juarez

Tracklist

  1. Bureau
  2. Action cat
  3. No shows
  4. Brother
  5. Millions
  6. Zerozero
  7. Juarez
  8. Drugstore perfume
  9. Get the gang together
  10. How it's going to be
  11. Maya the psychic

Gesamtspielzeit: 36:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
H.orst
2014-09-25 13:50:14 Uhr
Arschgeile Platte. Mindestens 8/10
neugierig
2014-09-25 09:17:14 Uhr
die review klingt gar nicht so verkehrt (und das vom peter). werd auf jeden fall mal reinhören. hatte das gar nicht auf'm plan, das der jetzt solo unterwegs ist.
neugierig
2014-09-25 09:16:34 Uhr
die review klingt gar nicht so verkehrt (und das vom peter). werd auf jeden fall mal reinhören. hatte das gar nicht auf'm plan, das der jetzt solo unterwegs ist.

Walenta

Postings: 272

Registriert seit 14.06.2013

2014-09-16 19:33:31 Uhr
"Way [...] wusste von Beginn an, wie es klingen sollte..."
vs.
"Es gab kein Konzept und keinen Schlachtplan."

Leatherface

Postings: 1628

Registriert seit 13.06.2013

2014-09-16 19:28:16 Uhr
No Shows, bei dem wir lernen, dass Mr. Way sehr gerne David Bowie (so ca. zu Low/Heroes-Zeiten) wäre.
Zum kompletten Thread

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