Element Of Crime - Lieblingsfarben und Tiere

Element Of Crime- Lieblingsfarben und Tiere

Vertigo / Universal
VÖ: 26.09.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Voll aus der Mode

Alles wie immer? Alles wie immer! Womit jene Frage beantwortet wäre, die alle Menschen, die Element Of Crime mögen, am meisten beschäftigt. Weshalb die Rezension auch an dieser Stelle endet. Gut, dieser in schickem kursiv gehaltene Text war der erste Entwurf. Reicht von der Länge nicht für Plattentests.de, wird deshalb an die Gala verkauft. Ergänzt vielleicht um den zielgruppenorientierten Satz: "Sven Regener kleidet sich leider noch immer so, wie seine Musik klingt." Dann nehmen die das bestimmt. Um nicht missverstanden zu werden: Element Of Crime klingen nicht wirklich nach schlechtsitzenden Jeans und Schlabberpulli, wie sie der knorrige Sänger auf dem Artwork zur Schau trägt. Aber sehr wohl nach der Geisteshaltung, die dahinter steckt und die ein Schriftsteller namens Peter Altenberg mal so formuliert hat: "Die Mode ist ein ästhetisches Verbrechen. Sie will nicht das Endgültig-Gute, das Endgültig-Schöne. Sie will immer nur etwas Neues."

Der Weg von der Mode zu Element Of Crime ist deshalb deutlich kürzer, als vermutet: Die haben das in ihrer Betrachtung "Endgültig-Schöne" nämlich längst auf den musikalischen Laufsteg geschickt – und wiederholen sich seitdem stoisch und stur. Was alles Mögliche ist, aber sicherlich nicht schlimm, denn Verlässlichkeit ist wahrlich keine Schande. "Nichts ist doch so kalt / Wie der heiße Scheiß von gestern / Und Wiederholungen sind besser als Du denkst", findet Regener im traumschön schunkelnden "Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen". Und Scheiße: Recht hat er! Irgendwer muss in dieser unsteten Welt schließlich mal für Gleichmaß sorgen. Und wenn hier und da noch einige Zeilen abfallen, die unvermittelt aus dem Hamsterrad namens Alltag reißen, ist ohnehin alles gut.

Den kosmischen Trost für schlechte Zeiten ohne Lieb(st)e in einem einzigen Satz verschnüren? Sven Regener kann das: "Über Dir, über mir / Dieselben Sterne" Den kompletten Irrsinn der Gesellschaftshektik in einer Strophe erschöpfend zusammenfassen? Bitteschön: "Und keiner der sagt wieso / Ich an diesem Tag überhaupt aufstehen und später sogar noch aufs Klo / Und aufs Amt gehen soll, wo sie wissen wollen ob man noch lebt / Auf dass das immer so weiter und immer so weiter geht." Musikalisch erinnert ersteres an den Klassiker "Delmenhorst", letzteres schlägt am Ende den Bogen zum Frühwerk "Psycho“, dessen etwas sprödere, kühlere Klänge auch in "Liebe ist kälter als der Tod" wiederkehren. Der Titelsong "Lieblingsfarben und Tiere", dessen Text trotz herrlich gestelzter Höflichkeit letztlich nichts anderes sagt als "Leckt mich alle mal am Arsch", hätte sich ausgezeichnet auf dem 2005 erschienenen "Mittelpunkt der Welt" eingefügt. "Schade dass ich das nicht war" geht als etwas trägerer Stiefbruder von "Kopf aus dem Fenster" durch, das den Vorgänger eröffnete.

Bei aller Beständigkeit: Ein, zwei kleine Veränderungen im Vergleich zu "Immer da wo Du bist bin ich nie" gibt es auf dem vorliegenden Werk tatsächlich: Aus dem dort besungenen Erdbeereis wird hier Erdbeermarmelade, auf anstrengende Kinderchöre wird diesmal verzichtet und Sven Regener trompetet wieder häufiger. Was nicht nur deshalb gut ist, weil es die melancholischen Momente noch ein bisschen melancholischer macht, sondern auch, weil es das Live-Erlebnis bereichert. Denn fast immer, wenn der leicht verschrobene Texter auf Konzerten in sein Lieblingsinstrument bläst, hebt er es anschließend in die Luft und brüllt "Romantik!". Und das wirkt – weil ihm dabei völlig gleich ist, ob dieses Wort gerade zur Stimmung passt oder nicht – wirklich verdammt putzig. Nein, auch "Lieblingsfarben und Tiere" wird die Musikwelt nicht verändern. Aber ganz sicher einmal mehr all jene Teilzeit-Autisten beglücken, die es doof finden, wenn ihre Lieblingsbands plötzlich innovativ werden, um innovativ zu sein.

(Andreas Beckschäfer)

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Highlights

  • Lieblingsfarben und Tiere
  • Rette mich (vor mir selber)
  • Schwert, Schild und Fahrrad
  • Dieselben Sterne

Tracklist

  1. Am Morgen danach
  2. Lieblingsfarben und Tiere
  3. Schade dass ich das nicht war
  4. Rette mich (vor mir selber)
  5. Liebe ist kälter als der Tod
  6. Schwert, Schild und Fahrrad
  7. Immer so weiter
  8. Dunkle Wolke
  9. Dieselben Sterne
  10. Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen

Gesamtspielzeit: 36:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Achim

Postings: 6289

Registriert seit 13.06.2013

2016-01-24 20:40:49 Uhr
:-D

lpdoctor62

Postings: 7

Registriert seit 24.01.2016

2016-01-24 20:36:55 Uhr
An musie: Ja ich versuchte ein lebendes Nashorn in Deutschland einzuführen..Die beiden Giraffen wurden nicht bemerkt.

musie

Postings: 2500

Registriert seit 14.06.2013

2016-01-24 20:31:41 Uhr
wurden sie am zoll aufgehalten?

lpdoctor62

Postings: 7

Registriert seit 24.01.2016

2016-01-24 19:54:48 Uhr
zu Mixtape: Ein Schriftsteller schreibt.Ein Musiker musiziert. Wenn ich ein Buch kaufe erwarte ich das es Text enthält.etc.. Auch bei einem Künstler ein Produkt.Für dieses Produkt wird der Künstler bezahlt und bla bla...
Ihre Frage:Die Frage ist, ob es Aufgabe des Künstlers ist, die Erwartungshaltung des Publikums zu erfüllen.
Falls er nicht angewiesen ist von seinem Beruf zu Leben, darf er sich diese Frage stellen.
Einige der besten Kunstwerke sind aus dieser Unabhängigkeit entstanden.

Mixtape

Postings: 1925

Registriert seit 15.05.2013

2016-01-24 19:30:50 Uhr
Die Frage ist, ob es Aufgabe des Künstlers ist, die Erwartungshaltung des Publikums zu erfüllen.
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