MC Fitti - Peace

MC Fitti- Peace

Styleheads / Groove Attack
VÖ: 19.09.2014

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

So einen Bart

Man soll ja bekanntlich dann aufhören, wenn's am schönsten ist. So allgemeingültig diese Aussage auch ist, gelingt es leider Gottes doch den Wenigsten, rechtzeitig Schluss zu machen. Einem Michael Ballack beispielsweise seinerzeit viel weniger, als vor kurzem einem Philipp Lahm. Die letzte Staffel von "Scrubs" war unnötig wie ein Kropf, die beiden Fortsetzungen von "Matrix" für'n Arsch. Tja und auch die Liste von Popstars, die ihren Zenit weit überschritten haben, ist ellenlang. "Jumping the shark" nennt man es im US-Englischen, wenn die Spannungsspitze erreicht wurde und es danach abflaut. MC Fitti seinerseits ist ein "Sharkjumper" der ganz besonderen Sorte: Der Berliner erreichte den Schaffenshöhepunkt bereits mit seinem ersten Track "30 Grad". Alles was danach kam, war so gesehen schon fast zuviel. Jetzt erscheint tatsächlich ein Album-Zweitling der bärtigen Grinsefresse.

Was den Hörer niveaumäßig auf "Peace" erwartet, macht Fitti schon im Opener klar: "Die Auszubildende ist eingebildet / Aber lässt heut' jeden ran / Nur nicht den Elektriker / Der hat immer 'nen Kurzen" – oh je! Gemeinsam mit Sido, der mittlerweile ja auf jedem zweiten Deutschrap-Album ein Feature beisteuert, palawert Fitti über das Tätowiertwerden. Auch das ist symptomatisch für Fittis Hinterhersein: Der große Tattoo-Trend hat ja längst die Masse erfasst. Zweifelhaft also, ob man darüber noch singen muss. Immerhin holt sich Fitti mit Sido ein paar tatsächliche Rapskills ins Haus.

"LSD" eröffnet dann mit Sitar und Psychoklingen. "YOLO-Bärchen sitzt auf'm Mofa", beschreibt Fitti seinen persönlichen Acidtrip. "LSD / Das ist die Abkürzung für MC Fitti / Jetzt weißte wofür das steht Diggi", führt der Rapper weiter aus und schafft den wohl langweiligsten Druffi-Track aller Zeiten – "Hose runter, tralala." So richtig ernst nehmen kann man all das, was auf "Peace" so stattfindet, natürlich nicht. Leider aber ist auch sämtliches Ironieverständnis erschöpft. Einzig der Auftritt des immer witzigen DCVDNS sorgt in "Hauptsache Gold" einmal für ein gelungenes Augenzwinkern. Mit "Paradies aus Glas" gelingt auch Fitti allein noch ein halbwegs gelungener Track, wenn er sich an einer "Pfand gehört daneben"-Hymne versucht.

Meist bleibt einem das Lachen allerdings im Halse stecken, wenn Fitti ansetzt. Zwar ist "Peace" tatsächlich insgesamt ernster als "#Geilon", aber dadurch zeigt sich umso offenbarer, was eben das Problem ist: MC Fitti ist ein Einfaltspinsel, der nicht sonderlich gut rappen kann. Ein zweiter Hit, wie der Miami-Vice-Hammer "30 Grad" oder die Messenger-Hommage "WhatsApper" vom Vorgänger fehlt dem Album – kein Beat sticht heraus, keine Grundidee ist zumindest halb lustig. Letztlich ist "Peace" so unterhaltsam wie ein Einlauf. Das ganze Ding hat so einen Bart. Wie der Macher selbst.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Hauptsache Gold feat. DCVDNS
  • Paradies aus Glas

Tracklist

  1. Arbeit macht mega Bock
  2. Ghettoblaster
  3. Tattoo feat. Sido
  4. Einhorn fang
  5. Mama halblang
  6. Dance feat. Vokalmatador
  7. LSD
  8. Hüpfburg
  9. Fotos
  10. Hauptsache Gold feat. DCVDNS
  11. Paradies aus Glas
  12. Mein DeLorean
  13. Zauberei
  14. Blumenmädchen

Gesamtspielzeit: 44:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
MC 900 ft Je.sus
2014-09-18 21:50:03 Uhr
Wieder ein Beweis dafür, dass die Hispter-Stadt Berlin abgewirtschaftet hat. Da kommt doch nur noch Mist her...

Demon Cleaner

Postings: 5648

Registriert seit 15.05.2013

2014-09-18 11:59:11 Uhr
Ich fand schon "30 Grad" langweilig und unlustig, wenn das schon das Karrierehighlight war, frage ich mich, wie hier 5 und 3 Punkte überhaupt zustande kamen.

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2014-08-12 14:36:24 Uhr
#Geilon

Der Kerl ist doch sowas von 2012.
McFitti soll weggehen
2014-08-11 22:52:03 Uhr
Die Smartphone-Generation entdeckt Hendrix, Marley und Woodstock und ansonsten "chillen" und "kein Stress". Ogottogottogott. Dann doch lieber das neue Yes-Album. Ist deutlich innovativer.

Armin

Postings: 12879

Registriert seit 08.01.2012

2014-08-11 20:25:43 Uhr
MC Fitti

Beschreibung: MC Fitti - Peace Album Cover Front_kl



„Peace“



VÖ: 19.09.2014 durch Styleheads Music/ Groove Attack

www.mcfitti.de



MC Fitti hat ein zweites Album gemacht. “Peace” handelt von einer Reise in die Ferne und führt direkt ins Hier und Jetzt. Es erzählt von unserer eigenen Suche nach Freiheit und zeigt, dass diese manchmal näher ist als das Telefon in unserer Tasche. Es atmet den Geist der Sechziger und klingt damit umso mehr nach Heute. Willkommen in der neuen alten Welt von MC Fitti.



Der deutsche Hip-Hop hat viele erstaunliche Geschichten hervorgebracht in den letzten Monaten. Die von MC Fitti aber ist die Erstaunlichste von allen. Sie geht so: vom Kunst-Experiment zum Internet-Phänomen zum waschechten Superstar einer neuen Generation – und das alles in weniger als einem Jahr.



Eigentlich wollte MC Fitti nur Musik für eine Kunstausstellung machen und sich damit einen lange gehegten Traum erfüllen. Einmal in einer Galerie sein, so mit Happening und Häppchen und all den anderen Insignien der heiligen Hochkultur. Dann wollte er fröhlich in die irre aufgeregte Meute winken und sich schnell wieder etwas ganz anderem zuwenden, wie immer in seinem an irren Wendungen nicht eben armen Leben. So entstand 2013 “#Geilon” – als Steinchen in einem wahrhaft multimedialen Mosaik eines notorischen Machers. Aus dem Steinchen aber wurde ein Stein, der gar nicht mehr aufhören wollte zu rollen.



“#Geilon” schaffte es auf Platz 2 der deutschen Charts. Und hielt sich. Und hielt sich. Und brachte seinen Schöpfer an Orte, von denen er zuvor nicht einmal geträumt hatte. Fitti im Fernsehen. Fitti aufm Festival. Fitti aufm Walkman deiner kleinen Schwester. Er räumte bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest ab. Er bekam seine eigene TV-Show auf Joiz. Er arbeitete mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen: mit dem Leipziger Dancehall-Don Ronny Trettmann und den Hamburger HipHop-Veteranen Fettes Brot; mit dem Fabelwesen Marsimoto und der Comicfigur Spongebob; mit den Straßenrappern Celo & Abdi aus Frankfurt und den Comedy-Stars Y-Titty aus YouTube.



Wenn das neue Album “Peace” erscheint, haben sich die Rahmenbedingungen also fundamental geändert. MC Fitti ist nicht mehr der Handwerker aus Friedrichshain mit dem großen Herzen für Graffiti und den tausend Ideen. Er ist jetzt einer der wichtigsten Rapper des Landes, und er ist auch eine Projektionsfläche. Die Leute greifen ihm in den Rauschebart, wenn sie ihn sehen, oder sie stylen sich einfach selbst wie er: Fake-Fittis gibt es mittlerweile überall. Slogans wie “Bestello” oder “Übelstweltraum” gehören längt zum Alltagsvokabular, wie einst “derbe” oder “Dicker”, Der Songtitel “Du willst so sein wie Fitti” ist so auf irrwitzige Weise vom Späßchen zur Self-Fulfilling Prophecy geworden.



Es wäre für MC Fitti ein Leichtes, diese WWWelle zu reiten, noch mehr Hashtags zu hashtaggen und den ganzen Irrsinn des Internets immer weiter zu treiben. “Aber wenn man immer das Gleiche macht, kann man nicht weiterkommen im Leben”, so MC Fitti. “Und ich will weiterkommen.” Also entschied er sich für einen anderen Weg. Und dieser Weg führte ihn in die Freiheit. Mit all seinen Kumpels und Kreativkumpanen zog er für sechs Wochen nach Kalifornien. In einer Villa in L.A. (“Die Amis nennen es ‘Villa’, ich als Handwerker würde eher ‘ganz normale Bruchbude’ sagen”) suchte er neue Inspiration, zwischen Whirlpool, ausgiebigen Grill-Sessions und noch ausgiebigeren Studio-Sessions. Die fand er im Geist der Hippie-Bewegung. “Ich war immer schon ein riesiger Fan von Jimi Hendrix und vor allem Bob Marley. Einfach chillen. Kein Stress. Peace. Diesen Vibe wollte ich mal auf modern polieren und sehen, was dabei raus kommt.”



Der Spaß geht ihm dabei selbstverständlich nicht verloren. Nur kennt sein schillerndes Farbspektrum mittlerweile eben allerlei Zwischentöne zwischen Neonschwarz und Neonweiß. “Mein Vater war in Woodstock, meine Mutter ist auf Love & Happiness und wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich Fitti Hendrix. Ganz einfach.” So schlägt MC Fitti der Aufmerksamkeitsökonomie des Smartphone-Zeitalters ein gänzlich unerwartetes Schnippchen – und erweist sich gleichzeitig abermals als ihr wahrer Meister.
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